26.02.2010

Gießener Regierungspräsidium bittet Autofahrer um besondere Vorsicht

Achtung: Amphibien überqueren Straßen

Aufgrund einzelner Hinweise aus Südhessen und der Wetterprognose für die nächsten Tage kann davon ausgegangen werden, dass Frösche, Molche, Unken und andere Amphibien in den nächsten Tagen ihre Winterquartiere verlassen und sich auf die Reise zu ihren Laichgebieten begeben.

Dies teilt die Obere Naturschutzbehörde des Gießener Regierungspräsidiums (RP) heute mit. „Die Tiere erwachen aufgrund der milden Temperaturen bereits jetzt aus der Winterstarre“ sagt Martin Schab, RP-Artenschutzexperte. „Da es nachts verhältnismäßig warm und feucht ist, herrscht ideales Wanderwetter für die Tiere“, ergänzt er. Auf Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen sei daher in den nächsten Tagen und Nächten besondere Vorsicht geboten, um die Tiere, aber auch die vielen ehrenamtlichen Helfer, nicht zu gefährden. Das RP appelliert an die Autofahrer, die meist durch Hinweisschilder gekennzeichneten Straßen mit besonderer Vorsicht, langsam und bremsbereit zu befahren.

Erdkröte, Gelbbauchunke, Laubfrosch und andere Amphibien sind zur Fortpflanzung an den Lebensraum Wasser gebunden und legen Entfernungen von mehreren Kilometern zurück, um zu den begehrten Teichen und Tümpeln zu gelangen. Dabei brauchen die langsam und behäbig wandernden Tiere nicht selten mehr als 15 Minuten, um eine Straße zu überqueren. Falls diese nicht gesperrt werden, sind oft Amphibienleitanlagen (mobile Fangzäune) ein Mittel, um die von der Wanderleidenschaft erfassten Tiere vor den Rädern vorbeifahrender Fahrzeuge zu beschützen. „Die Kröten treffen auf den Zaun und wandern so lange an ihm entlang, bis sie in einen in den Boden eingelassenen Eimer fallen, von wo aus sie von den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern sicher auf die andere Straßenseite gebracht werden“, erläutert Schab das Procedere.

Eine weitere Variante des Amphibienschutzes seien so genannte stationäre Anlagen. Dabei montiere man stabile Leitanlagen aus Holz, Metall, Kunststoff oder Beton an besonders gefährdeten Abschnitten. Entlang dieser Zäune wandern die Tiere, bis sie durch Tunnel oder andere Durchlässe (z.B. Rohre) ohne fremde Hilfe auf die andere Straßenseite gelangen können. Solche Projekte wurden in der Vergangenheit bereits durch das RP in Kooperation mit den Unteren Naturschutzbehörden von Stadt und Landkreisen, sowie den Ämtern für Straßenverkehrswesen und den Straßenmeistereien in die Tat umgesetzt. „Je nach Lage und Größe der Leitanlage kann man pro Jahr etwa 300 bis 3000 Kröten das Leben retten“, teilt der RP-Experte mit.
Doch nicht allein die Kröten sind durch die jährliche Wanderschaft gefährdet: auch für die ehrenamtlichen Naturschützer, die mit großem Engagement die Tiere an Krötenfangzäunen einsammeln und über die Straße bringen, leben oft gefährlich.

Besonders jetzt, da der Start der Laichwanderung so überraschend einsetzt, müssen innerhalb weniger Tage verstopfte Rohre freigeräumt und Schäden durch umgestürzte Bäume beseitigt werden. Das RP bittet daher eindringlich alle Autofahrer in den kommenden milderen Nächten verstärkt auf Hinweisschilder zu achten und die eigene Fahrweise anzupassen. Dies gilt besonders für die folgenden Streckenabschnitte:
im Kreis Limburg-Weilburg:

• B 456 im Bereich nördlich der Abfahrt Möttau,
• B 417 zwischen Limburg und Linter, Höhe Teich,
• L 3021 Ortsausgang Weinbach Richtung Freienfels,
• L 3046 zwischen Thalheim und Hundsangen im Bereich der Teiche,
• L 3281 Ortsausgang Probbach Richtung Winkels,
• L 3370 Ortsausgang Merenberg Richtung Barig-Selbenhausen,
• L 3452 Schupbach Richtung Wirbelau, Höhe Teiche am Kerkerbach,
• K 514 Ortsausgang Dombach Richtung Bad Camberg,
• B 456 zwischen Weilburg und Usingen, Abfahrt Hirschhausen,
• B 456 bei Weilmünster,
• L 3046 zwischen Mengerskirchen und Waldernbach,
• L 3054 bei Möttau,
• L 3109 zwischen Merenberg und Waldbrunn,
• L 3449 zwischen Selters und Haintchen,
• L 3046 zwischen Mengerskirchen und Arborn,
• K 346 zwischen Elz und Niedererbach,
• K 412 zwischen Hirschhausen und B 456,
• K 437 zwischen Elkershausen und Blessenbach,
• K 514 zwischen Dombach und L 3031
• K 490 zwischen Odersbach und L 3020




Quelle: Regierungspräsidium Gießen
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