14.02.2017

400 Verdachtsf├Ąlle bei TK in Hessen

Ärztliche Behandlungsfehler

402 Patienten aus Hessen haben der Techniker Krankenkasse (TK) im vergangenen Jahr einen Verdacht auf einen Behandlungsfehler gemeldet. Das ist ein Anstieg um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (309 Fälle).

Betroffene Bereiche
Die meisten Verdachtsfälle in Hessen betreffen den chirurgischen Bereich (140 Fälle), Zahnmediziner (64), Allgemeinmediziner (44) und Orthopäden (33). Die Ursachen für den Anstieg der gemeldeten Behandlungsfehler liegen aus Sicht der TK nicht darin, dass sich die ärztliche Versorgung der Patienten verschlechtert hat.

Kasse hat über Behandlungsfehler informiert
Vielmehr hat die Kasse ihre Versicherten im vergangenen Jahr intensiv über ihre Hilfsangebote zum Thema Behandlungsfehler informiert. "Daher melden uns Patienten vermehrt solche Verdachtsfälle", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen. 

Risiko neuer Fehlerquellen
"Patientensicherheit ist ein zentrales Thema in unserem Gesundheitssystem und es ist eine Herausforderung, Behandlungsfehler zu vermeiden. Denn in der modernen, komplexen und leistungsfähigen Medizin besteht das Risiko immer neuer Fehlerquellen", so Voß. Umso wichtiger ist es aus Sicht der TK, die Sicherheitskultur im Gesundheitswesen weiter auszubauen.

Patienten können Fehler nur schwer erkennen
Aufgeklärte, informierte Patienten sind dabei ein wesentlicher Faktor. "Ganz wichtig ist aber auch eine Fehlerkultur in Arztpraxen und Krankenhäusern, die es ermöglicht, über Fehler zu reden. Werden die richtigen Konsequenzen aus Fehlern gezogen, können Patienten besser und sicherer versorgt werden", sagt Voß. Für Patienten ist oftmals nur schwer zu erkennen, ob eine Erkrankung schicksalhaft verläuft oder ob Ärzte und Pflegekräfte einen Fehler gemacht haben.

Im Verdachtsfall Gedächtnissprotokoll erstellen
"Laut unserer Statistik bestätigt sich nur jeder dritte Verdachtsfall im Verlauf der Überprüfung. Aber wir vermuten zusätzlich zu den gemeldeten Fällen eine hohe Dunkelziffer", sagt Christian Soltau, Medizinrechtsexperte bei der TK. Patienten, die einen Behandlungsfehler vermuten, sollten zunächst den Arzt direkt darauf ansprechen. TK-Experte Soltau rät die TK Betroffenen, zeitnah ein Gedächtnisprotokoll des Behandlungsablaufs und der involvierten Ärzte und Pfleger zu erstellen.

Versicherte muss Fehler beweisen
"Die Erfolgschancen sind umso besser, je genauer der Krankheitsverlauf dokumentiert ist. Denn es ist in den meisten Fällen der Versicherte, der beweisen muss, dass Ärzte oder Pfleger schuldhaft gegen die anerkannten Regeln von Wissenschaft und ärztlicher Praxis verstoßen haben", so Soltau. 


Beratungshotline und medizinische Gutachten
Die TK unterstützt ihre Versicherten mit einer Beratungshotline (Telefon 040 - 4606612140), einem Online-Lotsen (www.tk.de, Webcode 132622) und einer Beratungsbroschüre (Webcode 821320). Sollte sich der Verdacht erhärten, kann die Krankenkasse medizinische Gutachten erstellen lassen. Diese sind für die Versicherten in der Regel kostenfrei und können von ihnen auch für Schadensersatz-Verhandlungen mit dem Arzt, dem Krankenhaus, der zuständigen Haftpflichtversicherung oder vor Gericht genutzt werden.

Zeitaufwändiges und schwieriges Verfahren
Beschreitet die TK den Klageweg, übernimmt sie für den Versicherten die Vorreiterrolle im gerichtlichen Verfahren. Die Klärung von Behandlungsfehler-Vorwürfen ist ein in der Regel zeitaufwändiges, komplexes und oft auch schwieriges Verfahren. Alleine von der Anforderung aller notwendigen medizinischen Unterlagen bis zum Erstellen eines erforderlichen Gutachtens können mehrere Monate verstreichen.

Schadensersatz erfolgt meist erst nach Jahren
Häufig müssen die Betroffenen mehrere Jahre warten, bis klar ist, ob sie Schadenersatz erhalten. "Aus unserer Sicht müssen die Verfahren viel schneller abgewickelt und die Betroffenen frühzeitig entschädigt werden, da in schweren Fällen Versicherte nach einem Behandlungsfehler nicht mehr arbeiten können und dadurch in ihrer finanziellen Existenz bedroht sind" so Soltau. 


Weitere Informationen bietet das Interview mit Christian Soltau
im Blog "Wir Techniker" unter folgendem Link: https://wirtechniker.tk.de/2017/01/27/behandlungsfehler-interview-christian-soltau/



Quelle: Techniker Krankenkasse (Azubi fk)sd
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