10.08.2017

Figur und Abstraktion im Dialog

Weilburger Begegnung

Foto: Antje Helbig

Figurative Skulpturen von Stephan Balkenhol vis à vis abstrakten Bildern von Gerhard Richter

Wegweisend in der zeitgenössisch figurativen Skulptur
Stephan Balkenhol gilt als wegweisend in der zeitgenössisch figurativen Skulptur und ist einer der renommiertesten Künstler Deutschlands. 30 Skulpturen und Bilder von Stephan Balkenhol werden in der Ausstellung gezeigt.

Einer der wichtigsten Künstler der Welt
Gerhard Richter gilt seit Jahrzehnten als einer der wichtigsten Künstler der Welt. Seine Werke sind international in den bedeutendsten Museen vertreten. 20 seiner Bilder werden in der Ausstellung gezeigt. Kommen Sie und sehen sich diese einmalige Ausstellung im Rosenhang Museum an.


STEPHAN BALKENHOL
Stephan Balkenhol, 1957 in Fritzlar geboren, gilt als wegweisend in der zeitgenössisch figurativen Skulptur und ist einer der international renommiertesten Künstler Deutschlands. Bereits während seines Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg beginnt er, Skulpturen aus Holz zu erarbeiten und entwickelt seine eigene skulpturale Sprache.

Balkenhols Skulpturen, die er mit dem Beitel aus mächtigen Holzstämmen haut und farbig fasst, sind meist Einzelfiguren, doch gibt es auch Figurengruppen und als Relief gestaltete skulpturale Bilder und raumgreifende Installationen. Die dargestellten Männer und Frauen scheinen zunächst nichts von sich preisgeben oder erzählen zu wollen und auf den ersten Blick keine Emotionen zur Schau zu stellen. Dennoch oder gerade deshalb wird beim Betrachter der Wunsch hervorgerufen, mit der Figur in einen Dialog zu treten. Die vermeintlich neutrale Figur verleitet den Betrachter dazu, mit ihr zu kommunizieren und ihr einen Charakter zuordnen zu wollen, sie zu interpretieren und zu ihrer Seele vorzudringen. Durch die weitgehende Rücknahme einer psychologisierenden Dimension sind Balkenhols Figuren immer auch ein Spiegel, der die Gefühle, Wünsche und Hoffnungen des Betrachters reflektieren kann. Stephan Balkenhol zu seinen Arbeiten: „Meine Skulpturen erzählen keine Geschichten. In ihnen versteckt sich etwas Geheimnisvolles. Es ist nicht meine Aufgabe, es zu enthüllen, sondern die des Zuschauers, es zu entdecken.“

Charakteristisch an Balkenhols Arbeiten ist seine besondere Bearbeitung des Holzes. Die Arbeitsspuren des Beitels sind deutlich zu erkennen, doch trotz der manchmal fast rau und grob wirkenden Oberfläche erscheinen die Gesichter und Gliedmaßen gleichzeitig zart und fragil.

Parallel zu seinen Holzarbeiten entstehen seit 1992 Bronze-Arbeiten in kleiner Auflage, die einen bedeutenden Teil in seinem Oeuvre einnehmen. Über 40 figürliche Skulpturen, die ebenso wie die Holzarbeiten die für Balkenhol typische, von Arbeitspuren geprägte Oberfläche aufweisen, sind bisher entstanden.

Bekannt ist Balkenhol auch für seine großformatigen Außenskulpturen, die in vielen Städten an prominenten Plätzen zu bewundern sind. (Hierzu gehören z.B. die Giraffe vor dem Tierpark Hagenbeck in Hamburg, die „Bojenmänner“ auf der Alster und der Elbe, das Richard-Wagner-Denkmal in Leipzig oder der „Balanceakt“ (Mann auf der Mauer) an einer ehemaligen Verlaufsstelle der Mauer in Berlin).

Seit 1992 ist Stephan Balkenhol als Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe tätig. Seine zahlreichen Einzelausstellungen in bedeutenden Museen und Galerien, begleitet von umfangreichen Publikationen, belegen seine Position sowohl in institutioneller Hinsicht als auch auf dem Kunstmarkt als einer der international anerkanntesten und erfolgreichsten Bildhauer unserer Zeit.

GERHARD RICHTER
Gerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, gilt seit Jahrzehnten als einer der wichtigsten Künstler der Welt. Seine Werke sind international in den bedeutendsten Museen vertreten und zahlreiche Publikationen und Ausstellungen dokumentieren schon zu Lebzeiten seine herausragende Bedeutung.

Gerhard Richter studierte von 1952 bis 1955 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Kurz vor dem Mauerbau flüchtete er 1961 in die Bundesrepublik Deutschland und studierte von 1961 bis 1963 an der Kunstakademie Düsseldorf (wo er später von 1971 bis 1994 dann selbst als Professor für Malerei tätig war). Zusammen mit Sigmar Polke und Konrad Lueg prägte er in dieser Anfangszeit den Begriff des „Kapitalistischen Realismus“, die „deutsche PopArt-Variante“. In den frühen 60er Jahren fängt Gerhard Richter an, einfache Amateurfotos und Bilder aus Zeitschriften mit teils banalen Motiven abzumalen und setzt damit neue Impulse. Er verwendet dabei nahezu ausschließlich Grautöne, was er als „Endpunkt der Malerei“ bezeichnet. Durch Richters verwischende Malweise erscheinen die Gemälde wie unscharfe oder verwackelte Fotos, fast fotorealistisch, quasi gemalte Fotografie. Hiermit erreicht er erste internationale Bekanntheit. In den folgenden Jahren erweitert Gerhard Richter sein Werk um zahlreiche Optionen mit einem ganzen Spektrum von Stilen, Motiven und Ausdrucksformen. Dabei wechselt er häufig zwischen ungegenständlichen Werken und fotografisch gegenständlichen Bildern, es entstehen einerseits Vermalungen, Farbfeldmalerei und einfarbig graue Bilder und andererseits realistisch gemalte Landschaften, Stillleben oder Portraits.

Ab den späten 70er Jahren wendet Richter sich einer farbstarken, meist großformatigen Abstraktion zu. Er setzt zunehmend eine Rakel ein, um in seinen Bildern ungeplante Muster und Elemente des Zufälligen zu erzeugen. Bei diesen abstrakten Arbeiten ist die Farbe nach den grauen Bildern wie ein Durchblick in eine andere Welt, ein Feuerwerk von Farben, die alles dominieren und den Betrachter sowohl aus der Nähe wie aus der Ferne in den Bann ziehen und ungewohnte Illusionen erzeugen.

Parallel entstehen seit 1965 Gerhard Richters Editionen in verschiedensten Techniken, häufig auch mit Unikatcharakter. Dazu gehören Drucke, übermalte Fotografien, sogar Ölgemälde und Multiples aus diversen Materialien, die für viele Sammler ein besonderes Sammlungsgebiet darstellen und sehr gesucht sind. Einen eigenständigen, umfangreichen Werkkomplex bilden seine über 1.000 übermalten, oft selbst aufgenommenen Fotos, die erstmals 2008 in einer großen Museumsschau mit ausführlichem Katalog präsentiert wurden.

Alle Facetten im Oeuvre von Gerhard Richter sind in ihrer Art und ihrer Bedeutung radikal, neu und richtungsweisend und stellen jeweils für sich eine neue Dimension in der zeitgenössischen Kunst dar. Sie bilden trotz ihrer großen Vielfalt ein logisches und beeindruckendes konzeptuelles Gesamtwerk, einzigartig in der Kunst der Gegenwart.







Quelle: Antje Helbig/Rosenhang Museum/sd
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