Arbeitslosigkeit verharrt im April bei 6,0 Prozent
Vier Erwerbslose mehr als im März, 95 mehr als vor einem Jahr
Stellenmeldungen gehen im Vergleich zum April 2011 um 34,2 Prozent zurück
Arbeitsmarktdynamik lässt hessenweit nach
Beschäftigung konnte im dritten Quartal 2011 erneut zulegen
Ausbildungsmarkt: Auf jede gemeldete Stelle kommen zwei Bewerber
Im Landkreis Limburg-Weilburg ist die Zahl der Arbeitslosen im April 2012 gegenüber dem Vormonat um 4 auf 5.267 Personen gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt damit unverändert bei 6,0 Prozent, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen. Vor Jahresfrist waren 5.172 Arbeitslose gemeldet - die Arbeitslosenquote betrug seinerzeit 5,9 Prozent.
Die Arbeitskräftenachfrage lag im abgelaufenen Monat deutlich unter Vorjahresniveau: 298 gemeldete Arbeitsstellen bedeuteten einen Rückgang um 155 Vermittlungsaufträge oder 34,2 Prozent gegenüber April 2011.
„Die Dynamik am Arbeitsmarkt hat im April erneut merklich nachgelassen, da macht der Kreis Limburg-Weilburg in Hessen keine Ausnahme“, berichtet Heike Hengster, Vorsitzende der Geschäftsführung der Limburger Arbeitsagentur anlässlich der Arbeitsmarktbilanz für den abgelaufenen Monat. Zwar habe das nasse und kühle Wetter sowie die Tatsache, dass der statistische Zähltag in die Osterferien gefallen sei, in denen üblicherweise kaum Einstellungen erfolgen, eine gewisse Rolle gespielt – dennoch sei ein Rückgang der Vermittlungsaufträge um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr außerordentlich heftig ausgefallen. Der Rückgang betreffe nahezu alle Wirtschaftszweige, fährt Hengster fort. Bemerkenswert seien die fehlenden Impulse bei der Zeitarbeit, die als Frühindikator für die Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage gelte. Aus diesem Sektor seien 85 Stellen weniger zur Besetzung gemeldet worden, als im April letzten Jahres. Auch der Handel und das ansonsten prosperierende Gesundheitswesen hätten sich hinsichtlich neuer Einstellungen deutlich zurückgehalten. Andererseits erweise sich die Beschäftigungslage als stabil. Trotz der Schlecker-Kündigungen bewege sich die Zahl der Arbeitslosmeldungen nach vorheriger Erwerbstätigkeit auf dem Niveau des Vorjahres. „Wir haben im Moment ein Abgangs- und kein Zugangsproblem“, erklärt die Volkswirtin. „Je weniger Stellen die Unternehmen melden, umso intensiver sind die Selektionsprozesse in den Personalabteilungen. Das wirkt sich dann -wie man aktuell unschwer erkennen kann- vor allem bei den Personengruppen negativ aus, die etwas mehr Anlauf benötigen.“ Hengster nennt als Beispiele ältere Erwerbslose, Frauen, Schwerbehinderte und Langzeitarbeitslose.
Dennoch konnte die Agenturchefin auch Positives berichten: So sei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Kreis Limburg-Weilburg im dritten Quartal 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent gestiegen. Die meisten Zugewinne habe es im Bereich der Zeitarbeit, im Handel und im Gesundheitswesen gegeben. Insofern lasse sich der aktuelle Stellenrückgang in diesen Branchen durchaus mit einem Sättigungseffekt erklären.
Der Ausbildungsmarkt sei im April von einem deutlichen Bewerberüberhang gekennzeichnet gewesen. 1.788 Bewerbern hätten 902 gemeldeten Stellen gegenüber gestanden. Rechnerisch kämen so zwei Bewerber auf eine Stelle. Hengster appellierte nochmals an die Unternehmen, alle Ausbildungskapazitäten zu nutzen und auch auf Vorrat auszubilden. „Der demographische Pfeil zeigt in den nächsten Jahren auch bei uns steil nach unten. Dann wird es für unsere Betriebe ungleich schwieriger werden, geeignete Jugendliche zu finden.“
Zu- und Abgang an Arbeitslosen
Im April wurden 1.236 Arbeitslosenzugänge registriert, 82 Meldungen oder 7,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. 454 Zugänge erfolgten aus vorheriger Erwerbstätigkeit.
Im abgelaufenen Monat meldeten sich 1.241 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab, 158 oder 11,3 Prozent weniger als vor Jahresfrist. 479 von ihnen nahmen eine Erwerbstätigkeit auf.
Bestand an Arbeitslosen
Die Gesamtzahl der Arbeitslosen im Landkreis Limburg-Weilburg erhöhte sich im April um 4 Erwerbslose oder 0,1 Prozent auf 5.267 Personen. Sie liegt somit um 95 arbeitslose Menschen oder 1,8 Prozent höher als vor einem Jahr.
1.7672 Arbeitslose oder 31,7 Prozent sind dem Personenkreis des SGB III zuzuordnen, der von der Agentur für Arbeit Limburg betreut wird. Im Vergleich zum Vormonat entspricht dies einem Rückgang von 71 Arbeitslosen oder 4,1 Prozent - gegenüber dem Vorjahr waren 51 Arbeitslose mehr zu verzeichnen (+ 3,1 Prozent).
3.595 Arbeitslose oder 68,3 Prozent gehören dem Personenkreis des SGB II an. Die Betreuung dieser Arbeitslosen liegt im Verantwortungsbereich des Jobcenters Limburg-Weilburg.
Das Jobcenter betreut somit 75 Arbeitslose mehr als im März (+ 2,1 Prozent). Der Vorjahresbestand wurde um 44 Personen oder 1,2 Prozent überschritten.
Arbeitslosenquote
Die Arbeitslosenquote für den Bezirk Limburg-Weilburg berechnet sich auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen. Sie blieb im April unverändert bei 6,0 Prozent. Vor einem Jahr betrug die Quote 5,9 Prozent.
Männer und Frauen
Bei den Männern verminderte sich die Zahl derer, die arbeitslos sind, gegenüber dem Vormonat um 4,2 Prozent oder 119 Personen auf 2.695 Erwerbslose. Bei den arbeitslosen Frauen war ein Anstieg um 123 Personen (+ 5,0 Prozent) festzustellen. Derzeit sind 2.572 Frauen ohne Erwerbsbeschäftigung.
Aufgeschlüsselt nach Rechtskreisen: Die Anzahl der bei der Arbeitsagentur (SGB III) gemeldeten arbeitslosen Männer sank gegenüber dem Vormonat um 115 (- 10,9 Prozent) auf 938 Erwerbslose. Bei den agenturbetreuten Frauen gab es einen Anstieg um 6,4 Prozent. Der absolute Wert erhöhte sich um 44 auf nunmehr 734 arbeitslose Frauen.
Im Rechtskreis des SGB II nahm die Zahl der arbeitslosen Männer im Vormonatsvergleich um 4 auf 1.757 (- 0,2 Prozent) ab. Bei den arbeitslosen Frauen verzeichnete das Jobcenter einen Zuwachs um 79 Erwerbslose (+4,5 Prozent). Hier sind nunmehr 1.838 Frauen arbeitslos gemeldet.
Besondere Personengruppen
Jugendliche
Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren nahm im April weiter ab. Gegenüber dem Vormonat waren 12 Jugendliche weniger gemeldet (nunmehr 564 Arbeitslose). Dies entspricht einem Rückgang von 2,1 Prozent. Die Arbeitslosigkeit dieses Personenkreises bewegt sich über dem Vorjahresniveau (+ 53 absolut entsprechen einem Anstieg von 10,4 Prozent).
Die Agentur für Arbeit unterstützt aktuell 251 Bewerber unter 25 Jahre bei ihren Bemühungen, die Arbeitslosigkeit zu beenden. Dies sind 33 Jugendliche oder 11,6 Prozent weniger als im Monat zuvor, bzw. 4 oder 1,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
Beim Jobcenter sind derzeit 313 jugendliche Arbeitslose registriert. Dies sind 21 Jugendliche oder 7,2 Prozent mehr als im Vormonat. Im April 2011 waren 264 junge Menschen betroffen. Der aktuelle Wert liegt 18,6 Prozent über dem Vorjahresstand.
Ältere Arbeitnehmer
Die Zahl der älteren Arbeitslosen hat sich im Vergleich zum Vormonat erhöht. Im April 2012 waren 1.408 Arbeitslose älter als 50 Jahre. Dies waren 30 Bewerber mehr als vor Monatsfrist (+ 2,2 Prozent). Im April 2011 waren es noch 35 Arbeitslose (oder 2,5 Prozent) weniger.
Die Agentur für Arbeit Limburg weist aktuell 605 ältere Arbeitslose aus, dies entspricht einem Plus von 8 Personen oder 1,3 Prozent im Vormonatsvergleich. Gegenüber dem Vorjahr muss agenturseitig ein Anstieg von 32 älteren Arbeitslosen (+ 5,6 Prozent) konstatiert werden.
Das Jobcenter Limburg-Weilburg betreute im April 803 ältere Arbeitslose, 22 Erwerbslose oder 2,8 Prozent mehr als im März. Im Vorjahresmonat waren 800 ältere Personen beim Träger der Grundsicherung gemeldet.
Ausländer
Die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Ausländer hat sich binnen Jahresfrist um 3,1 Prozent oder 35 Personen auf 1.163 erhöht. Gegenüber März weist die Arbeitsmarktstatistik allerdings einen Rückgang um 41 Arbeitslose oder 3,4 Prozent aus. Die Arbeitsagentur meldet 175 arbeitslose Ausländer. Beim Jobcenter sind derzeit 988 Ausländer als arbeitslos registriert, 34 oder 3,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
Langzeitarbeitslose
Waren im April 2011 noch 1.713 Personen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, sind aktuell 1.736 Langzeitarbeitslose gemeldet – ein Anstieg von von 1,3 Prozent.
Schwerbehinderte
Der Anteil der Schwerbehinderten unter den Arbeitslosen beträgt 7,4 Prozent. Im April waren 389 schwerbehinderte Personen arbeitslos gemeldet, 25 Personen (6,9 Prozent) mehr, als im Jahr zuvor.
Gemeldete Stellen
Im April meldeten die heimischen Betriebe und Verwaltungen 298 neu zu besetzende Stellen. Dies waren 155 oder 34,2 Prozent weniger als im April 2011.
319 Stellen konnten im April besetzt werden. Dies waren 69 weniger als im Vorjahresmonat, ein Minus von 17,8 Prozent.
Derzeit sind noch 864 Arbeitsstellen als unbesetzt gemeldet.
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
Aktuell liegen die Daten des dritten Quartals 2011 vor. Zum 30. September 2011 gab es im Agenturbezirk Limburg 47.282 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Dies waren 1.107 oder 2,3 Prozent mehr als im dritten Quartal 2010. Hessenweit nahm die Beschäftigung im gleichen Zeitraum um 2,5 Prozent zu.
Die höchsten Arbeitsplatzzuwächse kann das Zeitarbeitsgewerbe verzeichnen. 361 zusätzliche Arbeitsplätze bedeuten im Vergleich zum Vorjahresquartal einen Anstieg von 33,7 Prozent der Beschäftigten dieser Branche. Weitere deutliche Beschäftigungsgewinne verbuchten vor allem auch der Handel (284 / 3,2 Prozent), das Gesundheits- und Sozialwesen (272 / 4,1 Prozent) und das verarbeitende Gewerbe (205 / 2,3 Prozent). Arbeitsplatzverluste weisen folgende Wirtschaftszweige aus: Verkehr und Lagerei (-345 / -16,8 Prozent), der öffentliche Dienst (-160 / -4,8) und das Gastgewerbe (- 23 / -1,9 Prozent).
Ausbildungsmarkt
Von Oktober 2011 bis April 2012 meldeten sich 1.788 Ausbildungssuchende. Dies waren 207 oder 13,1 Prozent mehr als in der vergleichbaren Vorjahresperiode. 865 dieser Jugendlichen sind derzeit noch unversorgt (Vorjahreswert: 886).
Demgegenüber meldeten die heimischen Unternehmen und Verwaltungen bislang insgesamt 902 freie Ausbildungsstellen. Dies sind 5 Stellen bzw. 0,6 Prozent mehr, als vor einem Jahr. 431 dieser Lehrstellen sind bislang noch unbesetzt. Ende April 2011 waren noch 441 Ausbildungsstellen frei.
Auf einen Ausbildungssuchenden kommen derzeit statistisch gesehen 0,5 gemeldete Ausbildungsstellen.

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