07.10.2021

Gastro-Beschäftigte im Kreis Limburg-Weilburg

Beim Einkommen 42 Prozent unterm Schnitt

Wenn das Glas eher halb leer als halb voll ist: Ein Großteil der Beschäftigten in Restaurants, Cafés und Hotels arbeitet zu Niedriglöhnen – und hat wegen Corona schlechte Job-Perspektiven, kritisiert die NGG. Die Gewerkschaft ruft die Arbeitgeber der Branche dazu auf, sich zu tariflichen Standards zu bekennen. Foto: NGG | Alireza Khalili

Sie arbeiten dann, wenn andere frei haben, kommen mit ihrem Lohn aber kaum über die Runden: Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte verdienen im Landkreis Limburg-Weilburg weit unterdurchschnittlich – und könnten aus Geldsorgen ihrer Branche immer häufiger den Rücken kehren.

Mittleres Monatseinkommen von aktuell nur 1.823 Euro brutto
Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und verweist auf eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung, die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet hat. Demnach kommen Beschäftigte aus dem Gastgewerbe, die eine Vollzeitstelle haben, im Kreis Limburg-Weilburg auf ein mittleres Monatseinkommen von aktuell nur 1.823 Euro brutto. Zum Vergleich: Branchenübergreifend liegt der Median bei Vollzeit im Landkreis bei 3.156 Euro.

Zusätzlich monatelang mit dem Kurzarbeitergeld auskommen
„Wenn Hotel- und Gastro-Beschäftigte 42 Prozent weniger verdienen als der Schnitt, dann darf sich keiner darüber wundern, dass sie sich in Zeiten der Corona-Krise einen neuen Job suchen. Denn viele von ihnen mussten monatelang mit dem Kurzarbeitergeld auskommen, ein Teil der Beschäftigten ist noch immer darauf angewiesen. Das sind harte Einbußen bei einem ohnehin niedrigen Einkommen“, betont Peter-Martin Cox, Geschäftsführer der NGG-Region Rhein-Main. Obwohl die Wirte und Hoteliers ebenfalls stark von den Folgen der Corona-Pandemie getroffen seien, müsse nun alles dafür getan werden, Löhne und Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Gelinge das nicht, dürfte es in vielen Hotels, Gaststätten und Cafés schon bald nicht mehr genügend Personal geben, warnt der Gewerkschafter. Viele Probleme in der Branche hätten dabei lange vor der Pandemie existiert. „Von unbezahlten Überstunden und langen Arbeitszeiten bis hin zu einem rauen Umgangston hinter den Kulissen – viele Missstände sind auch hausgemacht“, so Cox.

Beschäftigten eine Perspektive nach der entbehrungsreichen Zeit bieten
An den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Hessen appelliert die NGG, die Zeichen der Zeit zu erkennen und sich zu einer besseren Bezahlung nicht nur pressewirksam zu bekennen, sondern ganz konkret in den anstehenden Tarifverhandlungen. Es müsse dringend etwas getan werden, um den Beschäftigten eine Perspektive nach der entbehrungsreichen Zeit zu bieten. Nur so könnten Beschäftigte mittelfristig gehalten werden. Die erste Tarifrunde im August hätten die Arbeitgeber hingegen verstreichen lassen, ohne ein Angebot vorzulegen. Die Gewerkschaft fordert eine spürbare Erhöhung der Löhne sowie eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen. Die Tarifverhandlungen werden am 25. Oktober fortgesetzt.

Immer häufiger Mitgliedschaften „ohne Tarifbindung“
„Ein wichtiger Punkt dabei ist eine Stärkung der Tarifbindung. Eine Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband sollte nur dann möglich sein, wenn die Tarifverträge akzeptiert werden, die man gemeinsam ausgehandelt hat“, betont Cox. Nach Beobachtung des Gewerkschafters kommt es immer häufiger zu sogenannten Mitgliedschaften „ohne Tarifbindung“. Dieser Trend müsse gestoppt werden, um flächendeckend nicht nur faire Arbeitsbedingungen für das Personal zu haben – sondern auch faire Wettbewerbsbedingungen für die Firmen.

 

Quelle: Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Rhein-Main

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