06.09.2022

Mehr Arbeitslose und viele freie Stellen

Der Arbeitsmarkt im August

Der Arbeitsmarkt im August Foto: Bundesagentur für Arbeit

Rund 176.000 Frauen und Männer zählten im Berichtsmonat August (Stichtag: 11.08.2022) als arbeitslos. Die Arbeitslosenquote stieg erwartungsgemäß (+5,1 Prozent). Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Arbeitskräften trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten infolge des Krieges in der Ukraine deutlich angewachsen. In der Grundsicherung ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit überwiegend auf die Erfassung ukrainischer Geflüchteter zurückzuführen.

Überdurchschnittlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit 
„Zwei unterschiedliche Faktoren sind für den überdurchschnittlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat verantwortlich: Einerseits trägt der Übergang der ukrainischen Schutzsuchenden in die Grundsicherung zu diesem Anstieg bei. Andererseits kommt der für die Ferienzeit typische Anstieg bei den unter 25-jährigen hinzu,“ erklärt Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen. „Beide Entwicklungen sind kein Grund zur Besorgnis. Der Großteil der jungen Menschen wird bis zum Herbst eine neue Stelle gefunden haben. Dies gilt insbesondere für die frisch ausgelernten Fachkräfte, die von ihren Ausbildungsbetrieben nicht übernommen werden konnten. Für die Unternehmen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich diese jungen Fachkräfte zu sichern.“

Beschäftigungsperspektiven in Hessen weiterhin gut
„Trotz der angespannten gesamtwirtschaftlichen Situation sind die Beschäftigungsperspektiven in Hessen weiterhin gut. Der hessische Arbeitsmarkt ist nach wie vor sehr aufnahmefähig, viele Unternehmen haben sogar große Schwierigkeiten, ihre offenen Stellen zu besetzen. Diese Situation birgt gute Möglichkeiten für die Integration der geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt.“ Dass etliche hessische Unternehmen Geflüchteten bereits Beschäftigungschancen bieten, sei sehr erfreulich, so Martin weiter. „Voraussetzung ist aber meist der Spracherwerb und das geht nicht von heute auf morgen.“

Arbeitslosigkeit in Hessen: Arbeitslosenquote bei 5,1 Prozent
Die Arbeitslosenzahlen sind im August weiter angestiegen. Im Berichtsmonat waren in Hessen 175.958 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 8.864 (+5,3 Prozent) mehr als im Juli und 1.559 (-0,9 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent an. Im August 2021 lag die Quote ebenfalls bei 5,1 Prozent. Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosigkeit zum Vormonat um 6.000 Personen an. Zum Vorjahr konnte ein Rückgang um 2.000 Personen verzeichnet werden.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Vormonat betraf alle betrachteten Personengruppen.
Die Zahl junger Menschen unter 25 Jahren stieg zum Schulende nochmals deutlich an (+19,8 Prozent). Weitere Zuwächse zeigten sich u.a. bei der Gruppe der Frauen (+7,5 Prozent) sowie der Menschen ohne deutschen Pass (+7,1 Prozent). Der Vorjahresvergleich zeigt eine ähnliche Entwicklung. Bedingt durch die Aufnahme geflüchteter Menschen aus der Ukraine in die Grundsicherung stieg die Zahl der Personen ohne deutschen Pass um +15,7 Prozent an. Die Personengruppe der Frauen verzeichnete einen Anstieg um +5,3 Prozent.
Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich im August 2022 auf 226.410 Personen. Das waren rund 3.500 (-1,5 Prozent) weniger als vor einem Jahr.

Geflüchtete aus der Ukraine: Mehrheitlich Frauen im Alter von 25 bis 55 Jahren
Von den aktuell etwa 80.400 arbeitslos gemeldeten Menschen ohne deutschen Pass kommen bisher rund 16.000 aus der Ukraine, die zumeist auf Leistungen aus der Grundsicherung (SGB II) angewiesen sind. Arbeitslose im SGB II mit ukrainischer Staatsbürgerschaft sind mehrheitlich Frauen (12.347) zwischen 25 und 55 Jahren (11.619).

Entwicklung in den Rechtskreisen:
Mehr Arbeitslose in der Grundsicherung. Mit dem Rechtskreiswechsel geflüchteter Menschen aus der Ukraine vom Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) in die Grundsicherung (SGB II) stieg die Zahl der Personen, die Leistungen aus der Grundsicherung erhalten, in Hessen weiter an.

Insgesamt zählten im Berichtsmonat 68,9 Prozent (121.294) aller Arbeitslosen in Hessen zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung). Das sind +5,7 Prozent mehr als noch im Vormonat. Zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) gehörten 31,1 Prozent (54.664) aller Arbeitslosen; +4,4 Prozent mehr als im Juli 2022.
Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) sank die Zahl der Arbeitslosen zum Vorjahr um -16,5 Prozent. In der Grundsicherung (SGB II) wurde ein Anstieg von +8,3 Prozent erfasst.

Offene Stellen: Arbeitskräftenachfrage steigt deutlich an
Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist deutlich gestiegen. Der Stellenbestand der hessischen Agenturen weist mit rund 55.400 offenen Stellen noch immer einen deutlichen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr (+9,7 Prozent) auf. Im Monat August wurden den hessischen Arbeitsagenturen rund 11.600 neue Stellen gemeldet. Im Vormonatsvergleich stieg die Nachfrage damit deutlich an (+8,5 Prozent).

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: 54.000 Beschäftigungsverhältnisse mehr als im Vorjahr
Der hochgerechnete vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten belief sich im Juni 2022 auf 2.711.800 Personen. Damit ergibt sich ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um +2,0 Prozent oder 54.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Die Steigerung in Hessen liegt damit leicht über dem Niveau des Bundes (+1,9 Prozent).
Ein Minus im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet weiterhin allein das Verarbeitende Gewerbe (-0,5 Prozent). Das Gastgewerbe konnte wiederholt mehr beschäftigen (+5,5 Prozent) und verzeichnet damit den größten relativen Zuwachs.

Entwicklung in den Regionen:
Arbeitslosenquote in Fulda bei 3,3 Prozent
Weiterhin weist der Landkreis Fulda die niedrigste Arbeitslosenquote (3,3 Prozent) in Hessen auf. Aktuell liegen 17 der 26 hessischen Kreise unter der 5-Prozent-Marke. Dazu zählten der Kreis Wetterau (4,0 Prozent) sowie die Landkreise Bergstraße (4,0 Prozent), Hersfeld-Rotenburg (4,0 Prozent), Rheingau-Taunus (4,1 Prozent), Hochtaunus (4,1 Prozent), Odenwaldkreis (4,2 Prozent), Waldeck-Frankenberg (4,2 Prozent), , Schwalm-Eder (4,2 Prozent), Limburg-Weilburg (4,4, Prozent), Vogelsberg (4,5 Prozent), Darmstadt-Dieburg (4,6 Prozent), Main-Kinzig (4,7 Prozent), Kreis Offenbach (4,9 Prozent) und Main-Taunus-Kreis (4,9 Prozent).
Die höchsten Quoten weisen die Städte Offenbach (8,4 Prozent), Kassel (8,1 Prozent), Wiesbaden (8,2 Prozent), Frankfurt (6,1 Prozent), der Landkreis Gießen (5,7 Prozent) sowie Darmstadt (5,3 Prozent) auf.

Ausbildungsmarkt: Mehr unbesetzte Ausbildungsplätze als unversorgte Bewerber*innen
Die Nachfrage nach Auszubildenden für das Ausbildungsjahr 2021/2022 ist im Berichtsmonat nochmals gestiegen. Bisher wurden 34.259 Ausbildungsplätze gemeldet: Ein Anstieg um 4,6 Prozent zum Vorjahresmonat. Ihnen gegenüber stehen rund 32.400 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, die sich bei den hessischen Agenturen für das aktuelle Ausbildungsjahr gemeldet haben. Das sind -4,6 Prozent weniger als im August letzten Jahres. Als unversorgt zählten zum Stichtag (11.08.2022) noch etwa 6.530 Bewerber*innen. 10.958 Ausbildungsplätze waren Mitte August noch unbesetzt.

Gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz haben Bewerber*innen aktuell noch in vielen Bereichen:
im Einzelhandel/Verkauf, als Bürofachkraft, als Fachkraft für Lagerlogistik, als Medizinische Fachangestellte oder als Köch/in.

„Auch nach dem Ausbildungsstart ist auf dem hessischen Lehrstellenmarkt noch viel Bewegung. Für junge Menschen waren die Chancen auf einen Ausbildungsplatz selten besser, vorausgesetzt sie sind räumlich flexibel oder nicht auf einen Wunschberuf fixiert,“ erklärt Martin. „Denjenigen, die bisher noch unentschlossen sind, kann ich nur raten, sich bei unseren Berufsberater*innen zu melden. Aber auch Betriebe, die noch auf der Suche nach dem passenden Azubi sind, können sich an uns wenden. Selbst wenn ein Kandidat nicht die kompletten Anforderungen an den Ausbildungsberuf erfüllt, können die Agenturen für Arbeit mit Angeboten wie etwa einer Einstiegsqualifizierung oder der assistierten Ausbildung unterstützen. Ich bin zuversichtlich, dass wir gerade im Zuge der bald startenden Nachvermittlungsaktion noch einige junge Menschen erreichen werden und bis Dezember noch viele Ausbildungsplätze besetzen können.“

Realisierte Kurzarbeit sinkt
Im Berichtsmonat August 2022 erreichten die Agenturen für Arbeit in Hessen 103 neue Anzeigen (Juli: 117) für rund 1.250 Personen.

Im Februar 2022 bezogen rund 84.900 hessische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in rund 7.600 Betrieben konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Erste Hochrechnungen gehen von einem Rückgang der Zahlen für die Folgemonate aus. Für Mai 2022 werden rund 2.200 Betriebe und knapp 30.000 Kurzarbeitende in Hessen prognostiziert.

 

Quelle: Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar

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