14.01.2020

Öffentlichkeitsfahndung nach schwerem Busunfall in Wiesbaden

Gaffervideos haben ernste Konsequenzen

Foto: Polizeipräsidium Westhessen - Wiesbaden

Nachdem unmittelbar nach dem schweren Busunfall am Wiesbadener Hauptbahnhof am 21.11.2019 Gaffervideos vom Unfallort und den dort verletzten Personen veröffentlicht wurden, hat dies nun für die dafür verantwortlichen Personen ernste Konsequenzen.

Busunfall hat großes öffentliches Interesse, Trauer und Bestürzung ausgelöst
Der Busunfall, bei dem ein Mann getötet und 28 weitere Personen verletzt wurden, hat großes öffentliches Interesse, Trauer und Bestürzung ausgelöst. Als umso verwerflicher wurde es angesehen, dass Passanten unmittelbar nach dem Unfall die Szenerie und die Verletzten mit ihren Handys aufgenommen haben, anstatt Hilfe zu leisten. Die Wiesbadener Staatsanwaltschaft und die Polizei haben hat dies zum Anlass genommen, gegen diese Personen Ermittlungsverfahren, wegen unterlassener Hilfeleistung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen (§ 201 a StGB) einzuleiten und konsequent vorzugehen.

1. mutmaßlicher Tatverdächtiger identifiziert
Ein 38-jähriger Mann aus Wiesbaden konnte bereits am 14.12.2019 von einem Beamten des 1. Polizeireviers als mutmaßlicher Tatverdächtiger identifiziert werden, als dieser in anderer Sache auf dem Revier Strafanzeige erstatten wollte. Die Beschlagnahme seines Handys als Beweismittel und für die Auswertung der Bildaufnahmen war nur eine der sofort gegen den Mann eingeleiteten polizeilichen Maßnahmen. Nach einem Beschluss des Amtsgerichtes Wiesbaden gehen nun die Ermittlungsbehörden mit einer Öffentlichkeitsfahndung gegen einen weiteren Mann vor, der ebenfalls dringend verdächtig ist, die Bilder vom Unfallort unmittelbar veröffentlicht zu haben. Die Zurschaustellung der Hilflosigkeit der von dem Unfall betroffenen Menschen erscheint nach dem Beschluss des Amtsgerichtes Wiesbaden derart eklatant und entwürdigend, dass diese Maßnahme getroffen wird, um den Täter zu identifizieren.

Die Bilder für die Öffentlichkeitsfahndung stammen aus der Videoüberwachung eines am Unfallort stehenden Linienbusses.
Es ist zu erkennen, dass der Filmende am Unglücksort sogar andere Personen abdrängt, um seine Aufnahmen zu machen, obwohl mindestens ein Zeuge versucht, den Mann vom Filmen des Verletzten abzuhalten. Das gefertigte Video versendete der Beschuldigte über einen Nachrichtendienst, wo es von zahlreichen Nutzern weiterverbreitet wurde.

Strafverfolgende Zielrichtung soll ein deutliches Signal setzen
Neben den ohnehin umfangreichen Ermittlungen zur Aufklärung der Unfallursache setzen Staatsanwaltschaft und Polizei bewusst einen Schwerpunkt bei der Aufklärung des Sachverhaltes, um neben der strafverfolgenden Zielrichtung ein deutliches Signal zu setzen, dass solche Handlungen inakzeptabel sind. Jeder Bürgerin und jedem Bürger, der Zeuge solcher oder ähnlicher Vorfälle wird, sollte bewusst sein, dass es sich nicht lohnt, so schnell wie möglich Bildmaterial von betroffenen Personen zu veröffentlichen. Im Gegenteil. Menschen, die derartig handeln, riskieren ein mögliches Strafverfahren, die Beschlagnahme des Handys und weitere ernstzunehmende Konsequenzen bis hin zu einer Verurteilung vor Gericht.

Gegen das Phänomen von Gaffervideos vorgehen
Aus gutem Grund hat die Hessische Polizei bereits unterschiedliche Initiativen ins Leben gerufen, um gegen das Phänomen von Gaffervideos vorzugehen. Die Menschen sollen zum Umdenken animiert werden, sich in die Perspektive der Opfer versetzen und sich mit den Folgen für die Betroffenen auseinandersetzen. Filmen Sie nicht sondern helfen Sie!

Auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen
Im Falle des Busunfalles am Wiesbadener Hauptbahnhof bittet nun die Ermittlungsgruppe des 1. Polizeireviers um Hinweise aus der Bevölkerung. Personen, die Angaben zur Identität der abgebildeten Person machen können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer (0611) 345-2140 zu melden.

Quelle: Polizeipräsidium Westhessen - Wiesbaden

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