08.11.2018

DIG Mittelhessen e.V. und KuKuK Wettenberg e.V.

Italien fernab von Klischees

Dieterich Emde (KuKuK) und Yvette Dreyer (DIG) freuen sich über die fruchtbare Zusammenarbeit der beiden Vereine. Foto: A. Riva/DIG

Die Veranstaltungsreihe „Italienische Kontraste“, die der Kunst- und Kulturkreis (KuKuK) Wettenberg e.V. und die Deutsch-Italienische Gesellschaft (DIG) Mittelhessen e.V. bis zum 18. November 2018 in der Kunst- und Kulturhalle des KuKuK in Wettenberg veranstalten, wurde am Freitag, 26. Oktober 2016 mit der Vernissage der Wanderausstellung „Jenseits von Lampedusa“ von Anna Tüne eingeweiht.

Ausstellung ist Ausgangspunkt für ein vielfältiges Rahmenprogramm
Diese Ausstellung ist nämlich der Ausgangspunkt für ein vielfältiges Rahmenprogramm, das das Thema Italien aus verschiedenen Gesichtspunkten durch Konzerte, Lesungen, Vorträge, Filmvorführungen und Kochabende zeigt, darüber informiert und zum Nachdenken anregt.
KuKuK-Vorsitzender Dieterich Emde erklärte, dass die Idee, die Wanderausstellung nach Wettenberg zu bringen, bereits 2017 entstand, als sie in Lich in der Kreisvolkshochschule stattfand.

Man wollte hier ein vielfältiges Italienbild zeigen
Die Frage war, ob eine gesellschaftspolitische Ausstellung zu einem Kunst- und Kulturverein passe und wie ein Mehrwert erzielt werden könnte. Da die Ausstellung sich auf einige Dörfer in Kalabrien, Süditalien, bezieht, wo die Flüchtlinge freundlich als Gäste empfangen wurden, war die Verbindung zu Italien als Ort der Sehnsucht, nicht nur für die Migranten, sondern auch für die Deutschen, die seit Jahrhunderten nach Italien als Sehnsuchtsland reisen, selbstverständlich. Man wollte hier ein vielfältiges Italienbild zeigen.

Daher der Untertitel von „Italienische Kontraste“ – „Jenseits von Lampedusa – und weitere Sehnsuchtsorte“.
Neben den Werken von KuKuK-Mitgliedern und von Schülern der Gesamtschule Gleiberger Land zum Thema war auch der Beitrag der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Mittelhessen e.V. als Kooperationspartner ausschlaggebend. Die 1. Vorsitzende Rita Schneider-Cartocci war sofort begeistert und bereicherte das Projekt mit Ideen und einem guten Netzwerk. Fotos aus einer DIG-Fotoausstellung über Ferrara sind auch zu sehen.

Marlene Schäffer (Verein „Courage gegen Fremdenhass e.V.“) führt die Besucher in die Ausstellung ein. Foto: A. Riva/DIG

Phänomen der Migration
Emde wünschte allen Besuchern, dass die hier gezeigten Facetten ihre Sinne schärfen und die Augen aufgehen lassen, und vor allem, dass sie begreifen, dass das Phänomen der Migration generell ein komplexes Denken und Fühlen verlange. Mit dem Blick auf den andern, das andere Land, die andere Kultur sei immer auch die Reflexion auf uns, auf unser Land, unsere Kultur, unseren Umgang mit dem Anderen verbunden.

Projekt „Italienische Kontraste“
In Vertretung der verhinderten DIG-Vorsitzenden Schneider-Cartocci schloss sich Yvette Dreyer vom DIG-Vorstand der Begrüßung von Emde an und freute sich ebenfalls über die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem KuKuK. Sie betonte, dass das Projekt „Italienische Kontraste“ über Italien fernab von Klischees zu aktuellen Realitäten des Landes informieren soll. Dafür bedankte sie sich auch bei den anderen Kooperationspartnern, wie u.a. der Universität Gießen, der Goetheschule Wetzlar und der Deutsch-Italienischen Vereinigung „Il Ponte“ aus Marburg sowie der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, die die Initiative fördert.
Zum Schluss begrüßte Gabriel Verhoff, Schulleiter der Gesamtschule Gleiberger Land, das zahlreiche Publikum der Vernissage. Auch er sowie die Kunstlehrerinnen waren vom Projekt sofort begeistert und haben sich gefreut, mit den venezianischen Masken zur Ausstellung und somit zur künstlerischen und politischen Botschaft von „Italienische Kontraste“ beizutragen.
Zwischen den Reden konnten die Gäste einige Medleys aus bekannten italienischen Melodien auf der Gitarre durch Thomas Bernsdorff genießen.

Realität in dem Umgang mit den Flüchtlingen zeigen
In die Ausstellung „Jenseits von Lampedusa“ aus der Reihe „Topografien der Menschlichkeit“ führte Marlene Schäffer vom Berliner Verein „Courage gegen Fremdenhass e.V.“ als Vertreterin von Anna Tüne ein. Die Wanderschau mit Texten und Fotos soll eine andere Realität in dem Umgang mit den Flüchtlingen zeigen. Die Insel Lampedusa ist ein Begriff als Ankunftsland für die Migranten aus Afrika, die dann oft in der Prostitution, für die Mafia oder als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden. In Riace, Badolato und anderen kleinen Dörfern in Kalabrien funktioniert es aber anders dank der Engagement der Bürgermeister: Die Flüchtlinge werden Gäste genannt und als solche empfangen und in verschiedenen Initiativen integriert. Schäffer ist mit Anna Tüne dorthin gereist und konnte diese Realität selbst kennenlernen. Sie durften mit dem Bürgermeister von Badolato sprechen und ihn bei der Arbeit beobachten sowie sich mit den afrikanischen Migranten unterhalten.

Bei einem Glas Wein, Sekt oder Saft und Häppchen konnten sich die Besucher die interessante Ausstellung anschauen.
In 11 von den 22 Tafeln, aus denen die Ausstellung besteht, kann man die Beispiele an Projekten und Zusammenleben von Gästen und Einheimischen, von denen Schäffer berichtet hatte, durch Fotos, Zitate, Gedichte und Texte sehen. Beispielsweise, die Keramikwerkstätte und Läden, in denen Gäste und Italiener zusammenarbeiten; die Anfänge im Jahr 1998, als die ersten 800 kurdische Flüchtlinge ankamen und man Wohnungen für 80 Familien fand; die Arbeiten, wie die Müllabfuhr mit Eseln durch die Gassen, in denen die Gäste mit einbezogen sind. Kalabrien ist eine der ärmsten Regionen Italiens mit hoher Arbeitslosigkeit und deswegen Auswanderungsland – die Menschen dort wissen, wie man sich fühlt, wenn man schlecht behandelt wird, aus diesem Grund sind sie immer gastfreundlich und hilfsbereit gegenüber den Leuten, die dort ankommen, egal ob Touristen oder Flüchtlinge. Durch die Gäste kam Leben in die verlassenen Dörfer, Häuser wurden renoviert und Läden wieder geöffnet.

Die Gäste genießen die interessante Ausstellung „Jenseits von Lampedusa“ und die weiteren Exponate bei einem Glas Wein. Foto: A. Riva/DIG

Harten, mal unmenschlichen Zustände der Flüchtenden zeugen
Die anfängliche Seite der Ausstellung mit den ersten 11 Tafeln stellt dagegen dar, wie es außerhalb der Topografie der Menschlichkeit ist: Bilder aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart aus verschiedenen Orten der Aus- und Zuwanderung zeigen die harten, mal unmenschlichen Zustände der Flüchtenden. Die Besucher werden mit zwei entgegengesetzten Umgangsarten mit den Flüchtlingen konfrontiert und werden somit angeregt, darüber zu überlegen.

Weitere Anstöße zur Auseinandersetzung mit anderen Themen werden auch die anderen Veranstaltungen des Begleitprogramms geben.
Beim politikwissenschaftlichen Vortrag am Mittwoch, 7. November, wird Dr. Markus Grimm der JLU Gießen über „Italien in Europa“ und die aktuelle italienische politische Lage diskutieren und am Mittwoch, 14. November, wird Martin Klupsch vom Fair-Handelszentrum Rheinland im KuKuK zu Gast sein und die Initiativen als Widerstand gegen die organisierte Kriminalität – Mafia - in Italien vorstellen sowie eine Verkostung von „mafiabefreiten“ Produkten anbieten.
Alle Interessenten sind zu diesen und den anderen Events aus dem Rahmenprogramm eingeladen, die unter https://www.kukuk-wettenberg.de/projekte/italienische-kontraste/ entnommen werden können.

Quelle: DIG Mittelhessen e.V.


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