01.06.2024

Folge 9: Ich bin ein Star, lasst mich hier rein!

NABU – Essershausen gibt Tipps zur Artenvielfalt zuhause

Star Kathy Büscher, NABU Rinteln

Star – was für ein Wort! Wer möchte das nicht sein? Aber geht es hier um jemanden, der gerne im Rampenlicht steht und sich zujubeln lässt? Nun, in gewisser Weise schon, wenn auch „jemanden“ aus dem tierischen, nicht dem menschlichen Bereich: unseren Star – einen der spannendsten und lustigsten, aber leider mittlerweile sogar gefährdeten Vogel, der einst „der“ Allerweltsvogel war.

Und ebendieser war bis vor zwei, drei Jahrzehnten wirklich allgegenwärtig in unseren Städten und Dörfern. Er ist ein Höhlenbrüter, der in der freien Natur am häufigsten an lichten Waldrändern zu finden ist, die in Wiesen und Weiden übergehen, sowie in Obstwiesen, in denen sich viele alte Bäume finden. Doch die Bestandsentwicklung des Stars, der 2018 zum „Vogel des Jahres“ gewählt wurde, wird vom NABU mit Sorge betrachtet. „Dieser lustige und intelligente Geselle, der es schafft, in seinen virtuosen Gesang auch Imitationen von Gesängen anderer Vogelarten mit einzubauen und damit dem Weibchen flügelschlagend auf erhobener Warte sitzend imponiert, ist seit mehr als zwanzig Jahren im beharrlichen Sinkflug“, zeigt sich Christoph Gath, Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Essershausen besorgt. „Sein Bestand ist um gut 10 Prozent gesunken, und er ist sogar in die Kategorie ‚gefährdet‘ der Roten Liste gefährdeter Arten aufgerückt!“

Was ist passiert? Warum hat der Star, früher von den Menschen mal als „lästig“ und „Kirschen- sowie Beerendieb“ bekämpft, mal heiß geliebt und gefördert, weil er Raupen und anderes Kleingetier von Kohlrabi und Co. holte, solche Probleme?
„Unsere Landschaft hat dramatische Veränderungen durch die beschleunigte industrialisierte Landwirtschaft erfahren“, erläutert Gath. „Der Verlust der Obstwiesen, der Verlust alter und totholzreicher Waldsäume, der enorme Landschaftsverbrauch für Bau-, Gewerbe- und Verkehrsflächen und der Umbruch von Wiesen und Weiden wirken sich auf den Star, wie auch auf viele weitere Vogelarten, verheerend aus und lassen ihre Bestände schwinden.“ Zur bevorzugten Nahrung des Stars zählen Insekten und ihre Larven, Würmer und andere Kleintiere. Diese sind vor allem im Grünland zu finden und werden von den Staren gern aus dem Boden nach oben befördert. Doch gerade diese artenreichen Grünländereien verschwinden rapide: Wo nur noch Industriegräser auf verdichteten Böden stehen, die zudem ihren ersten Schnitt oft bereits Anfang April erfahren, da gibt es für den Star kein Leben, keine Nahrung. Und für viele andere Arten auch nicht. Wenn dann sogar noch die Schnaken im Grünland bekämpft werden, fallen auch sie als Nahrungsquelle weg – und damit deren Larven, die bei Jungstaren die Hauptnahrungsquelle stellen. „Schmalhans ist Küchenmeister für die Vogelwelt in unserer ausgeräumten Agrarsteppe, selbst die Ackerränder sind verarmt, ohne große Artenvielfalt, fast insektenleer“, manifestiert der NABU-Mitarbeiter und unterstreicht damit auch am Beispiel der einstigen Allerweltsart die notwendige Agrarwende hin zu einer ökologischeren Wirtschaftsweise.

Die heimischen Stare ziehen meist in ihre Winterquartiere in West- und Südwesteuropa, allerdings selten weiter als 2.000 Kilometer. Bevorzugte Überwinterungsbereiche für die großen Starenschwärme, die meist Tausende zählen und die Nächte in Röhrichtgürteln und ähnlichem verbringen, sind Frankreich und Benelux, Spanien und Großbritannien. Die hierzulande im Winter zu beobachtenden Stare stammen im wesentlichen aus kälteren Bereichen in Osteuropa und Skandinavien und ziehen im Frühjahr zurück in ihre Heimatregionen.
Stare brüten in Höhlungen. „Da sind sie nicht sehr wählerisch“, sagt Christoph Gath: „Das können Spechthöhlen, Hohlräume auf Dachböden hinter Dachziegeln mit Einschlüpfen oder auch Löcher, die in Verschalungen führen, sein. Der Star hat kein ausgeprägtes Revierhalten, sodass oft mehrere Brutpaare eng beieinander brüten. Nur das unmittelbare Nest, den unmittelbaren Brutbereich möchte er frei von anderen sehen. Mit seinem glänzenden Gefieder, das sich nach der Herbstmauser leicht abändert, sodass sein Federkleid hell getupft erscheint, ist er eine Pracht in unseren Gärten. Er ist dem Menschen über die Jahrhunderte gefolgt, fand seinen idealen Lebensraum in einer vielfältigen, landwirtschaftlich und durch Gärten geprägten Landschaft.“

Wer dem Star helfen möchte, der sollte, so der Vorsitzende, seinen Garten naturnah gestalten, sodass er dort stets ausreichend Nahrung, vor allem Insekten, findet: „Auch Gemüsegärten stehen bei Staren hoch im Kurs“, weiß der NABU-Naturschützer aus eigener Erfahrung. „Und: Wir können dem Star Nistkästen bauen – die schon fast sprichwörtlichen Starenkästen, die noch vor zwanzig Jahren in fast jedem Garten in Dörfern und an Stadträndern zu finden waren!

Starenkästen, die auch zu mehreren in unmittelbarer Nähe an Bäumen, Wänden und Stangen angebracht werden, sind leicht selbst zu bauen. „Sie sind eigentlich überdimensionale Meisenkästen“, sagt Gath. „Gut bewährt hat es sich, einen Fluglochdurchmesser von 45 Millimetern zu wählen“. Dabei ist es unerheblich, ob die Kästen aus Holz gefertigt wurden oder im Fachhandel auf die sehr bewährten, jahrzehntelang haltbaren und einfach zu reinigenden Starenkästen aus Holzbeton zurückgegriffen wird.

Stare brüten ein bis zweimal pro Jahr. Dabei wird die Brut von beiden Elternvögeln betreut. „Und jeder Star ist wirklich ein Virtuose, ein echter ‚Star‘“, bekräftigt Gath: „Möge er viele weitere Freunde finden – und mögen viele für ihn aktiv werden – und sei‘s mit einem oder mehreren Starenkästen!“

Quelle: NABU Essershausen

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