09.09.2020

InfodienstBauen und Finanzieren

Eigenheim-Sanierung für den Klimaschutz

Foto: LBS

2015 wurde in Paris das globale Klimaschutzabkommen verabschiedet, bei dem sich die unterzeichnenden Staaten verpflichtet haben, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Heute – fünf Jahre später – zeigt die Bilanz: Deutschland konnte den CO2-Ausstoß kontinuierlich senken. Eigenheimbesitzer haben dabei einen wichtigen Beitrag geleistet und können die Entwicklung durch energieeffizientes Sanieren weiter vorantreiben

Das Ziel ist noch lange nicht erreicht
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 805 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Das sind rund ein Drittel (35,7 %) weniger als noch 1990. Damit setzt sich der positive Trend der vergangenen Jahre fort, doch das Ziel ist noch lange nicht erreicht: Bis 2030 will die Bundesregierung die Treibhausgasemissionen in Deutschland auf 543 Millionen Tonnen reduzieren. Immobilien haben eine Schlüsselrolle, um dieses Ziel zu erreichen. Laut Umweltbundesamt war der Gebäudesektor 2019 für 122 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verantwortlich. Damit entfallen etwa 15 % der Gesamtemissionen in Deutschland auf private Haushalte und Gewerbeimmobilien. Nachdem dieser Anteil in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken ist, sind die Emissionen im vergangenen Jahr erstmals seit 2015 wieder gestiegen. Ein Grund dafür ist die Witterung. 2019 waren die Temperaturen in vielen Teilen des Landes kühler als 2018, wodurch mehr geheizt wurde. 60 % der Energie werden zum Heizen verwendet

Mit Sanierung Klima und Geldbeutel schonen
„Eine umfassende energetische Sanierung des Gebäudebestandes würde die CO2-Emissionen nachhaltig verringern“, sagt Albrecht Luz von der LBS. So verbraucht ein unsaniertes Gebäude im Schnitt jährlich etwa 170 kWh/m2. Ist das Gebäude vollsaniert, sinkt der Energieverbrauch auf durchschnittlich 132 kWh/m2 im Jahr. „Vor allem alte Heizungen, undichte Fenster und keine oder eine nur unzureichende Dämmung sind Energie-fresser. Welches Einsparpotenzial das eigene Heim bietet und welche Investitionen sinnvoll sind, lässt sich mit dem LBS-Energiesparrechner überprüfen“, rät Luz.

Die Bundesregierung hat energieeffizientes Bauen und Sanieren zu einem Kernstück ihrer Klimastrategie gemacht:
Bis 2050 soll der Gebäudebestand in Deutschland klimaneutral sein. Seit Anfang dieses Jahres wur-den daher die Zuschüsse und Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für Kauf, Sanierung oder Bau von Effizienzhäusern erhöht. Hausbesitzer, die beispielsweise ihre alte Ölheizung austauschen, erhalten eine Prämie und wer selbstgenutztes Wohneigentum energetisch saniert, profitiert zudem von Steuervorteilen.

Gut zu wissen
So verändert Corona das Klima: Während der Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen wurde in Deutschland rund ein Viertel weniger CO2 ausgestoßen als vor der Pandemie. Das ist das Ergebnis einer Studie vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). Der globale CO2-Ausstoß im April war laut der Studie rund 14 Prozent geringer – die größte Reduzierung von Treibhausgasemissionen seit 60 Jahren.

Nachhaltiges Bauen: Ökologische Alternativen für Bau- und Dämmstoffe
Für die Wärmedämmung im Eigenheim werden in Deutschland in der Regel Materialien wie erdölbasiertes Polystyrol oder Mineralwolle verwendet. Doch es gibt ökologische Alternativen aus nachwachsenden Rohstoffen.

  • Holzdämmstoffe
    Für die Innendämmung eignen sich beispielsweise Holzfaserdämmplatten, denn sie können Wärme gut speichern sowie Feuchte regulieren und sind damit gut für das Raumklima. Darüber hinaus weisen sie einen guten Schallschutz auf. Allerdings ist das Material als Nistplatz für Nagetiere attraktiv. Der Einbau von Mäusegittern kann dies verhindern. Hergestellt wird die Holzdämmung aus Restholz, das erhitzt und zu Platten gepresst wird. Mit 14 bis 54 Euro pro Quadratmeter liegt die Holzfaserdämmung im mittleren Preisbereich.

  • Faserdämmstoffe
    Auch aus Altpapier gewonnene Zellulose oder Pflanzenfasern wie Hanf dienen als Dämmstoff. Sie werden ebenfalls zu Platten oder Vlies gepresst und können als Trittschalldämmung verwendet werden. Während Zellulose schimmel- und schädlingsresistent ist, ist Hanf feuchtigkeitsbeständig. Da Rohstoffe für Faserdämmungen häufig in großen Mengen vorhanden sind oder schnell nachwachsen, sind sie recht preisgünstig: 5 bis 24 Euro pro Quadratmeter Zellulose und 9 bis 32 Euro pro Quadratmeter Hanf.

  • Schafwolle
    Aufgrund der hohen Flexibilität des Materials ist Schafwolle als Dämmstoff einfach zu verarbeiten. Zudem zeichnet sie sich durch eine sehr gute Dämmwirkung aus und kann Schadstoffe aus der Luft binden. Al-lerdings besitzt Schafwolle – im Gegensatz zu Pflanzenfasern – einen Eiweißanteil und ist dadurch ohne Zusätze nicht schädlingsresistent. Wer sie zum Dämmen einsetzen möchte, sollte mit 22 bis 45 Euro pro Qua-dratmeter kalkulieren.

  • Schilf
    Anders als Holz- oder Faserdämmstoffe wird Schilfrohr nicht zerkleinert und gepresst, sondern im Ganzen ohne Zusatzstoffe zu Platten oder Ballen gebunden. Da der Dämmwert im Vergleich zu anderen Materialien weniger gut ist, eignet sich Schilfrohr eher als Baustoff und weniger als Dämmung. So wird es zum Beispiel als Trägermaterial für Putzschichten oder als Dachbedeckung eingesetzt. Die Kosten für einen Quadratmeter Schilfrohr belaufen sich auf ca. 10 bis 37 Euro

Quelle: LBS

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