30.12.2018

EU-Vergleich: In Deutschland ist der Renten Gap am größten

Frauen liegen weit zurück

Foto: DSGV

In keinem anderen EU-Staat ist die Lücke zwischen den Renten von Frauen und Männern größer als in Deutschland. Woran liegt das? Wir werfen einen Blick auf Estland und Dänemark, die Führenden im Ranking.

Gleich hohe Renten für Männer und Frauen?
Davon sind wir in Deutschland besonders weit entfernt. Im EU-Vergleich landen wir gemeinsam mit Luxemburg auf dem letzten Platz. Frauen bekommen hier durchschnittlich 45 Prozent weniger Rente als Männer. Nirgendwo sonst ist diese Lücke – der sogenannte Renten Gap – größer. Das geht aus einer Studie des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) hervor.
Den mit fünf Prozent kleinsten Renten Gap hat Estland. Dänemark liegt mit acht Prozent auf Platz zwei. Auch wenn die Lücke dort viel kleiner ist als in Deutschland: Auch estnische und dänische Frauen erhalten also geringere Renten als ihre Landsmänner. Rentengleichheit herrscht in Europa nirgendwo.

Im europaweiten Durchschnitt beträgt der Renten Gap übrigens 38 Prozent.
Das bedeutet auch, dass EU-Bürgerinnen grundsätzlich stärker von Altersarmut bedroht sind als EU-Bürger.

Die Bundesregierung beziffert Rentenlücke sogar auf 53 Prozent
Für die Berechnung des Renten Gaps werden die durchschnittlichen Rentenansprüche von Frauen über 65 Jahre mit denen gleichaltriger Männer verglichen. Die Rentensysteme der einzelnen Länder sind komplex. Die Rechenmethoden weichen deshalb von Studie zu Studie ab. Das erklärt auch, warum die deutsche Bundesregierung den Renten Gap in Deutschland noch höher, nämlich auf 53 Prozent, beziffert.


Aber warum ist die Rentenlücke in Estland und Dänemark so viel kleiner als bei uns?
Estinnen waren häufiger berufstätig als westdeutsche Frauen
Schauen wir zunächst nach Estland: Dort waren Frauen, die heute Rente beziehen, überwiegend in Vollzeit beschäftigt – so wie es auch in anderen osteuropäischen Ländern und im Osten Deutschlands üblich war. In Westdeutschland hingegen war das Modell des männlichen Familienernährers und der nichtberufstätigen Hausfrau weit verbreitet – mit der Folge, dass die Rentenansprüche von Frauen in den alten Bundesländern heute deutlich geringer ausfallen.
Was beim Vergleich von Deutschland und Estland jedoch grundsätzlich nicht außer Acht gelassen werden darf: Das Rentenniveau in Estland ist bereits im Durchschnitt viel niedriger als das in Deutschland. Zahlen aus dem Jahr 2012: Die durchschnittliche Rente von estnischen Frauen lag bei 316 Euro, die estnischer Männer bei 332 Euro. In Deutschland bezogen Rentnerinnen im Schnitt 1.035 Euro und Rentner 1.871 Euro.

Die Dänen erhalten eine steuerfinanzierte Basisrente
Ganz anders in Dänemark: Hier erhielten im Jahr 2012 Frauen 1.962 Euro und Männer 2.126 Euro. Damit liegen nicht nur die Rentenzahlungen höher als in Deutschland, sondern auch Frauen und Männer näher beieinander. Das war nicht immer so. Die Dänen reduzierten ihren Renten Gap jedoch zwischen 2010 und 2012 von 19 auf 8 Prozent. Sie hoben die Renten für Frauen um 17 Prozent an und senkten die der Männer um durchschnittlich drei Prozent.
Diese Anpassung war auch deshalb möglich, weil das Rentensystem in Dänemark anders funktioniert als in Deutschland: Dort gibt es eine steuerfinanzierte Basisrente für alle, die nur davon abhängt, wie lange jemand schon im Land lebt, nicht aber von der Höhe seines oder ihres Einkommens. Weitere Bausteine, wie eine verpflichtende Betriebsrente ab einem gewissen Einkommen und Steuervorteile für die private Vorsorge, kommen hinzu.

Zukunftsprognose für Deutschland: Renten Gap wird kleiner
Der Renten Gap bezieht sich immer auf die aktuellen Rentenbezüge von Frauen und Männern über 65 Jahren. Doch wie steht es um die künftigen Renten junger Menschen in Europa? Eine vom Europäischen Parlament beauftragte Studie wagt einen Blick in die Zukunft und berechnet, wie sich der Renten Gap in den Mitgliedsstaaten entwickeln würde, wenn die Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben so bliebe wie derzeit und sich auch die Regeln des Rentensystems nicht änderten.
Da in Deutschland inzwischen mehr Frauen arbeiten als früher, sagen die Forscher eine Verringerung des Renten Gaps voraus. Auch die Anrechnung von Erziehungszeiten in der Gesetzlichen Rentenversicherung wirke sich positiv aus. Negativ hingegen sei die hohe Teilzeitquote bei Frauen sowie die relativ große Lücke zwischen den Arbeitseinkommen von Frauen und Männern.

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Quelle: DSGV


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