27.09.2020

Was Sie zum Baukindergeld wissen müssen

Mit staatlichem Zuschuss ins Eigenheim

Foto: KSK Weilburg/DSV

Das Baukindergeld soll Familien und Alleinerziehenden den Traum von einer eigenen Immobilie ermöglichen. Allerdings nur noch bis Ende des Jahres, dann läuft die Förderung aus. Wir erklären, was das Baukindergeld bringt und wer es bekommt.

Das müssen Sie wissen
Der Einzug ins eigene Haus oder in die eigene Wohnung – ein Wunschtraum für viele Familien. Noch nie war die Nachfrage nach Immobilien so groß wie im Moment. Die Folge sind steigende Preise, die es für viele schwer machen, diesen Wunsch zu verwirklichen.
Um Abhilfe zu schaffen, hat die Bundesregierung das Baukindergeld auf den Weg gebracht. Seit Herbst 2018 können Familien und Alleinerziehende die Förderung fürs Eigenheim oder Wohneigentum beantragen.
Allerdings gibt es das Baukindergeld nur noch bis Ende des Jahres: Der Kaufvertrag für Ihre Immobilie muss vor dem 31. Dezember 2020 unterschrieben sein. Wenn Sie also ein Haus oder eine Wohnung kaufen oder bauen möchten, sollten Sie sich jetzt informieren und so sicherstellen, dass Sie keine Förderung liegenlassen.

Wer bekommt das Baukindergeld?
Das Baukindergeld ist ein staatlicher Zuschuss für Familien und Alleinerziehende, der nicht zurückgezahlt werden muss. Grundvoraussetzung für den Erhalt ist, dass Sie Wohneigentum kaufen oder bauen. Die Unterschrift des Kaufvertrags muss zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 datiert sein. Falls Sie bauen, müssen Sie in diesem Zeitraum die Baugenehmigung erhalten haben. Einen Antrag können Sie noch bis Ende 2023 stellen. Entscheidend ist dann, dass Sie ihn sechs Monate nach Einzug in Ihre Immobilie einreichen.
Beim Verdienst gibt es eine Obergrenze: Die Förderungen erhalten nur Familien, deren Haushaltseinkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteigt. Diese liegt bei einer Familie mit einem Kind bei 90.000 Euro. Für jedes weitere Kind steigt die Grenze um jeweils 15.000 Euro.
Den Zuschuss gibt es nur, wenn die betreffende Immobilie aktuell Ihre einzige ist. Wer schon eine Immobilie besitzt, bekommt keine Förderung.

Wie hoch ist die Förderung?
Das Baukindergeld beträgt 1.200 Euro pro Kind und Jahr. Es wird über insgesamt zehn Jahre nach dem Kauf oder Bau der Immobilie ausgezahlt. Sie bekommen den Zuschuss einmal jährlich überwiesen.
So können Sie über den gesamten Förderzeitraum 12.000 Euro für jedes Kind erhalten. Bei zwei Kindern bekommen Sie 24.000 Euro, bei drei 36.000 Euro und so weiter.


Foto: KSK Weilburg/DSV

Gibt es noch weitere Voraussetzungen für den Zuschuss?
Die Art und Größe der Immobilie spielt bei der Vergabe der Förderung keine Rolle. Ebenso wenig, ob Sie das Haus oder die Wohnung neu bauen oder eine bestehende kaufen. Allerdings darf der Kauf- oder Baupreis nicht niedriger sein als die Fördersumme.
Entscheidend ist, dass Sie selbst in der Immobilie wohnen und diese nicht verkaufen oder vermieten. Sie müssen während der gesamten zehn Jahre die eigenen vier Wände selbst nutzen.
Dass mindestens ein Kind beim Baukindergeld eine Grundvoraussetzung ist, versteht sich von selbst. Damit das Kind beim Antrag miteinbezogen werden kann, muss es schon auf der Welt sein. Schwangere sollten bei der Antragstellung deshalb warten, bis der Nachwuchs da ist. Kinder, die nach der Antragstellung geboren werden, werden beim Baukindergeld nicht berücksichtigt. Außerdem müssen die Kinder bei Antragstellung unter 18 Jahre alt sein und in Ihrem Haushalt leben.

Nicht gefördert werden:
• Ferien- oder Wochenendhäuser sowie Ferienwohnungen,
• die Übertragung von Wohneigentum im Wege der (vorweggenommenen) Erbfolge, testamentarischen Verfügung oder Schenkung,
• der Erwerb oder die Eigentumsübertragung zwischen Ehegatten, Lebenspartnern oder Partnern einer sonstigen auf Dauer angelegten Lebensgemeinschaft,
• der Erwerb oder die Eigentumsübertragung zwischen Verwandten eines Haushaltsmitgliedes in gerader Linie (zum Beispiel: Kinder, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern),
• der Erwerb von Wohneigentum, das bereits früher im Eigentum eines Haushaltsmitgliedes stand.

Wo beantrage ich das Baukindergeld?
Den Antrag für das Baukindergeld stellen Sie über das Zuschussportal der KfW. Im Moment können Sie die Förderung nur online beantragen.

Welche Unterlagen brauche ich dafür?
Für einen erfolgreichen Antrag bei der KfW sollten Sie einige Unterlagen parat haben, damit Sie die wichtigen Informationen zur Immobilie und zu den Kindern belegen können.
• Kauf- oder Bauunterlagen: Sie müssen nachweisen, dass Sie das Eigenheim erworben beziehungsweise gebaut haben. Das geht zum Beispiel über den Eintrag im Grundbuch.
• Meldebescheinigung: Sie zeigen mit der Bestätigung des Einwohnermeldeamtes, dass Sie Ihren Erstwohnsitz in der Immobilie haben und diese selbst nutzen.
• Einkommensteuernachweise: Sie benötigen die Nachweise der Kalenderjahre, die zwei beziehungsweise drei Jahre vor der Antragstellung liegen. Wenn Sie 2019 den Antrag stellen, brauchen Sie die Einkommensteuernachweise der Jahre 2017 und 2016.
• Kindergeldbescheide: So weisen Sie nach, welche Kinder bei Ihnen wohnen.

Der Antrag muss spätestens sechs Monate nach Einzug in die Immobilie bei der KfW vorliegen. Danach haben Sie noch drei Monate Zeit, die erforderlichen Unterlagen im Zuschussportal hochzuladen.

Sonderfall Bayern
Eine zusätzliche Finanzspritze gibt es für Familien und Alleinerziehende im Freistaat Bayern. Zusätzlich zur Förderung des Bundes bekommen sie noch 300 Euro pro Jahr – insgesamt macht das 1.500 Euro pro Kind und Jahr. Das sogenannte Baukindergeld Plus wird ebenfalls über zehn Jahre gezahlt.
Obendrein gibt es vom Land noch eine Eigenheimzulage. Diesen Zuschuss bekommen Immobilienbauer und -käufer einmalig, er beträgt 10.000 Euro.

Experteninterview zum Baukindergeld
Axel Guthmann leitet die Bundesgeschäftsstelle der Landesbausparkassen und ist Experte für Wohnungspolitik. Er sagt, was das Baukindergeld bringt, wer besonders profitiert, und er erklärt, welche Bedeutung das Baukindergeld für die Wohneigentumsbildung in Deutschland hat.
Die Förderung über das Baukindergeld läuft Ende des Jahres aus. Erwarten Sie, dass sich deshalb noch viele Menschen für ein Eigenheim entscheiden und es zu einer Art „Run“ auf das Baukindergeld kommt?
Um von der attraktiven Förderung zu profitieren – immerhin gibt es pro Kind 12.000 Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren –, werden die Familien, die ohnehin mit einem Immobilienerwerb liebäugeln, sicherlich versuchen, diesen noch in diesem Jahr zu realisieren. Ein Jahresschlusseffekt ist deshalb durchaus denkbar.

Wie fällt Ihr Zwischenfazit bislang aus? Hat das Baukindergeld seinen Zweck erfüllt?
Die Große Koalition hatte sich mit dem Baukindergeld zum Ziel gesetzt, den Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum für Familien mit Kindern zu unterstützten. Die Zahlen der KfW nach rund 16 Monaten seit der Einführung belegen, dass das Baukindergeld entgegen aller Kritik ein Erfolgsmodell ist: Der größte Teil der Anträge entfällt auf Familien mit kleinen und mittleren Einkommen; im Jahr 2019 hatten 62 Prozent der Bezieher ein zu versteuerndes jährliches Einkommen von unter 40.000 Euro. Außerdem wird es vielfach von jungen Familien mit kleinen Kindern in Anspruch genommen. Rund 70 Prozent der Antragsteller haben Kinder unter sechs Jahren.

Damit hat das Baukindergeld eindeutig seine Zwecke erfüllt. Egal ob Erwerb aus dem Bestand oder Neubau (der an Bedeutung gewinnt), die Förderung hilft jungen Familien, ihren Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen und unterstützt damit auch die private Vermögensbildung.

Wirkt das Baukindergeld regional unterschiedlich? Wer profitiert am meisten?
Die Förderung wird überwiegend dort in Anspruch genommen, wo Wohneigentum noch erschwinglich ist – im ländlichen Raum. Das ist ein durchaus gewolltes politisches Ziel, denn dadurch wird etwas Druck aus den unter der hohen Nachfrage leidenden Großstädte genommen. Jede Familie, die jetzt nicht auch noch oder erst später in die Städte zieht, entlastet dort den Wohnungsmarkt und gleichzeitig wird der ländliche Raum gestärkt.

Muss es noch zusätzliche Förderung geben, damit sich mehr Menschen den Traum von der eigenen Immobilie verwirklichen können?
Förderung, die ja die Nachfrageseite stützt, ist nur eine Seite der Medaille. Wichtig ist, dass zugleich die Angebotsseite verbessert wird. Das heißt konkret: Es muss zunächst gelingen, ausreichend Bauland bereitzustellen, damit mehr Wohnungsbau stattfinden kann. Allein nur auf Nachverdichtung und Nutzung schon vorhandener Flächen zu setzen, wird nicht ausreichen.
Es bedarf zusätzlich einer klugen Planung und eines entsprechenden Baurechtes, so dass auch privates Wohneigentum in Form von Einfamilienhäusern, Reihenhäusern oder Eigentumswohnungen entstehen kann. Denn viel zu oft erleben wir derzeit, dass Selbstnutzer gar nicht zum Zuge kommen, weil Kapitalanleger lieber Mietwohnungen errichten wollen.
In den Großstädten gilt das ganz besonders. Doch auch hier ist die Politik gefordert, Angebote für Selbstnutzer zu schaffen.

Neben den hohen Immobilienpreisen: Was erschwert momentan besonders die Wohneigentumsbildung in Deutschland? Und wozu raten Sie den Menschen?
Unzureichendes Eigenkapital potenzieller Erwerber ist derzeit – neben der Baulandknappheit – das größte Hindernis. Während die Immobilienpreise und mit ihnen die Kaufnebenkosten kräftig gestiegen sind, ist das Eigenkapital nicht „mitgewachsen“.
Gleichzeitig ist es aufgrund der Niedrigzinssituation für die Menschen immer schwieriger geworden, das nötige Eigenkapital anzusparen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Bundesregierung nicht nur den aktuellen Erwerbern mit dem Baukindergeld hilft, sondern auch die künftigen Eigentümer im Blick hat: Die verbesserte Wohnungsbauprämie ist gerade für junge Menschen ein wirksamer Anreiz, frühzeitig mit dem Sparen für die eigenen vier Wände zu beginnen.

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Quellen:
KSK Weilburg/DSV
Kreissparkasse Weilburg - Hauptstelle

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