03.02.2019

Die beste Altersvorsorge für Frauen: „Bleiben Sie finanziell unabhängig“

Sorgenfrei in die Zukunft

Foto: DSGV

Wenn Frauen bei der Altersvorsorge nur auf ihren Ehemann setzen, kann das nicht selten in die Altersarmut führen. Wer Renditechancen nutzen will und früh anfängt, hat eine Vielzahl von Alternativen.

Es ist kein Geheimnis:
Die wenigsten wollen sich mit ihrer Altersvorsorge beschäftigen. Wer jung ist und am Anfang seiner beruflichen Laufbahn steht, dem scheint das Gehalt häufig zu knapp, um es in eine weit in der Zukunft liegende Rente zu investieren. Die erste eigene Wohnung, Urlaube oder die Familienplanung scheinen da deutlich greifbarer.
Frauen fangen statistisch gesehen zudem fast zehn Jahre später damit an, sich ein eigenes Vermögen aufzubauen als Männer. Im Durchschnitt sind sie Ende 20 während Männer bereits mit  Anfang 20 fürs Alter vorsorgen. Frauen verschenken damit für einen relativ langen Zeitraum Renditechancen sowie staatliche Zulagen.

Risiko Ehe: 40 Prozent der Paare trennen sich
Hinzu kommt, dass sich in vielen Ehen und langjährigen Beziehungen meist eine Person um die Rente kümmert. In den meisten Fällen ist dies eher der Mann als die Frau – vor allem, wenn er  auch als Allein- oder Hauptverdiener für das Haushaltseinkommen zuständig ist. Das kann gut  gehen – wenn die Ehe bis ins Rentenalter hält, die Rente des Mannes für beide ausreicht und er  nicht zu früh verstirbt. Doch die (unromantische) Realität sieht anders aus: Die Scheidungsrate  ist weiterhin hoch und liegt aktuell bei 40 Prozent, in Großstädten wird sogar jede zweite Ehe  geschieden. Zudem leben Frauen heute noch immer länger als Männer -– sie müssen also auch  länger mit einer geringeren Rente auskommen. Gleichzeitig spricht das 2008 reformierte  Unterhaltsrecht Frauen nach einer Scheidung deutlich weniger Unterhalt zu. Es sollte dazu  führen, dass Frauen mehr berufliche Eigenverantwortung übernehmen und ihre Erwerbstätigkeit  ansteigt. Der erwünschte Effekt ist jedoch ausgeblieben, weil das umstrittene Ehegattensplitting größere Vorteile verspricht: Verständlicherweise denken Ehepaare eher an die sofort sichtbaren  steuerlichen Ersparnisse durch das Ehegattensplitting als an eine – scheinbar unwahrscheinliche  – Trennung mit ihren nur schwer zu kalkulierbaren Konsequenzen. Das Ehegattensplitting führt in  Deutschland also dazu, dass Frauen weniger arbeiten: Nirgendwo in Europa und den USA  trägt die Frau so wenig zum Familieneinkommen bei wie in den westlichen Bundesländern  Deutschlands. Somit belohnt und fördert der Staat das traditionelle Alleinernährer-Modell des  Mannes – und sorgt langfristig dafür, dass Frauen eine viel zu geringe staatliche Rente erhalten.

Eine Scheidung kostet Frauen mehr als Männer
„Frauen verzichten oft auf berufliche Qualifikationen, Karriere und somit auf ein eigenes  Einkommen und verpassen damit die Möglichkeit, sich eine eigene Rente aufzubauen. Sie sind  also ihr Leben lang abhängig. Wenn die Ehe scheitert, stehen viele dieser Frauen an der  Armutsgrenze“, warnt Katharina Staffe, Senior-Referentin für betriebliche Altersvorsorge beim  Verband öffentlicher Versicherer in Düsseldorf. Die Statistiken belegen dies: Frauen haben nach  Scheidungen rund 40 Prozent weniger Geld zur Verfügung, während Männer mit nur sieben   Prozent weniger auskommen müssen. Und wer weniger Geld hat, der wird sich auch weniger um seine Altersvorsorge kümmern können. Frauen sind nach Trennungen deshalb oft finanziell  doppelt benachteiligt: Sie verlieren mit ihrem Partner nicht nur ihre Alterssicherung, sondern auch  die Möglichkeit, sich eine eigene Rente aufzubauen. Durchschnittlich haben Männer 60 Prozent mehr Rente als Frauen.

Ehevertrag: unromantisch aus der Partnerfalle?
Eine Möglichkeit wäre ein Ehevertrag (im Amtsdeutsch: Trennungs- und Scheidungsfolgenvereinbarung), in dem die Vermögensverhältnisse wie Gütertrennung, Verzicht  auf einen Versorgungsausgleich bei der Rente, Ehegattenunterhalt und Erbverzicht nach einer  möglichen Trennung geregelt sind. Das lehnen Frauen häufiger ab als Männer, weil sie es  unromantisch finden. Und vielleicht auch, weil sie Nachteile für sich befürchten – vollkommen zu  Recht. „Es wird immer wieder zu einem Ehevertrag geraten, doch meistens will sich mit ihm nur  der besser gestellte Partner absichern – und das ist meistens der Mann“, sagt Katharina Staffe.  „Frauen sind ohne Ehevertrag oft bessergestellt.“ Wenn man sich dennoch für einen entscheidet,  weil man der Meinung ist, dass solche Fragen besser in Friedenszeiten als während  eines Rosenkrieges diskutiert und entschieden werden, sollte man sich auf jeden Fall  gut beraten lassen, damit der Vertrag nicht zum Nachteil für einen der beiden ausfällt.

Foto: DSGV

Unabhängige Vorsorge: gut, aber mit Tücken
Umso wichtiger ist es also, dass sich gerade Frauen um eine eigene und vom Mann unabhängige  Alterssicherung kümmern. Die beste Möglichkeit dafür bietet sich, wenn die Frau berufstätig ist.  Aber auch hier steckt der Teufel im Detail, denn selbst Frauen, die ein Leben lang gearbeitet haben,  haben unter Umständen weniger Rente als ihr Mann. Frauen arbeiten noch immer eher in  Berufen, die schlechter bezahlt werden – der rechnerische Stundenlohn liegt 21 Prozent niedriger  als bei den Männern. Die häufig familienunfreundliche Unternehmenskultur macht Arbeitnehmern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zusätzlich schwer. Zudem arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit als  Männer, was sich logischerweise ebenfalls negativ auf den Rentenanspruch auswirkt. Und wer  einem Minijob nachgeht, spart noch weniger für die Altersrente – nach einem Jahr sind es gerade  einmal etwas mehr als drei Euro im Monat. Ein extremes Beispiel: Wer ein Leben lang nur  geringfügig beschäftigt war, hat einen Anspruch auf gerade einmal 140 Euro Rente.

Betriebliche Altersvorsorge
„Frauen, die in einem beständigen Arbeitsverhältnis stehen, sollten auch betriebliche  Altersversorgung (bAV) machen, erklärt Katharina Staffe und fügt hinzu: „Dies kann zum Beispiel  durch Entgeltumwandlung erfolgen.“ Dabei werden die eigenen Beiträge aus dem Bruttoeinkommen  selber gezahlt, man spart dabei Sozialversicherungsbeiträge und Steuern. Staffe: „Aber vielleicht unterstützt auch der Arbeitgeber die bAV, denn dank der Einführung des  Betriebsrentenstärkungsgesetzes (BRSG) erhalten Arbeitgeber vom Staat einen Zuschuss, wenn sie  Arbeitnehmern mit einem monatlichen Bruttoarbeitslohn von maximal 2.200 Euro eine  arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung gewähren- und das zusätzlich zum  Arbeitslohn.“

Privat und individuell fürs Alter vorsorgen
Diplom-Kauffrau Staffe weiß aber auch, dass viele Frauen nicht arbeiten können, weil sie sich  beispielsweise um die Kinder, den Haushalt oder die Pflege von Angehörigen kümmern müssen. In  solchen Fällen sei es jedoch besonders wichtig, dass sie sich Gedanken um eine private  Altersvorsorge machen. „Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig und für jeden individuell sinnvoll. Das Wichtigste ist, dass sich Frauen überhaupt mit dem Thema beschäftigen und sich über die vielen  Möglichkeiten beraten lassen“, sagt die Expertin. „Das mag lästig und vielleicht auch unangenehm sein, aber es zahlt sich am Ende aus.“

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Riester-Rente belohnt Kinder
Zu den bekanntesten Modellen gehört die sogenannte Riester-Rente. Wer wenig oder gar nichts  verdient, kann schon ab 60 Euro pro Jahr die volle staatliche Förderung erhalten. Die Beiträge  können zudem von der Steuer abgezogen werden, die Rente selbst ist allerdings steuerpflichtig.  Die Riester-Rente ist flexibel und kann im Laufe der Zeit und bei wechselnden Lebenssituationen  und Einkommen angepasst werden. „Sie ist für Mütter sehr interessant, weil es neben einer  Grundzulage in Höhe von 175 Euro auch noch 300 Euro für jedes kindergeldberechtigtes Kind,  das nach 2008 geboren wurde, gibt“, sagt Katharina Staffe. Die frühzeitige und kontinuierliche  Altersvorsorge ist auch für Geringverdiener lohnend: Seit 2018 bleiben Renten aus einer  freiwilligen zusätzlichen Altersvorsorge zum Großteil von der Anrechnung auf die Grundsicherung  im Alter verschont. Der Freibetrag für Bezieher von Grundeinkommen liegt monatlich bei 100  Euro. Liegt die Rente über 100 Euro, bleiben weitere 30 Prozent des übersteigenden Teils (bis maximal 208 Euro im Jahr2018) anrechnungsfrei.

Rentenversicherung: Mehr Sicherheit – oder mehr Rendite?
Zu den Klassikern unter den privaten Vorsorgemöglichkeiten zählt weiterhin die private  Rentenversicherung. Sie bietet eine hohe Sicherheit, weil sie lebenslange Leistungen bereits  beim Vertragsabschluss garantiert und Verluste ausgeschlossen sind. Zusätzlich zahlen die  Versicherungen eine Überschussbeteiligung aus der jährlichen Rendite aus. Auf diese Weise  erhöht sich die private Rente mit jedem Vertragsjahr. „Die private Rentenversicherung ist insofern  auch bequem und flexibel, weil sich die Einzahlung variabel gestalten lässt und die  Auszahlung entweder als lebenslange Rente, als Kapitalauszahlung auf einen Schlag oder bei  einem frühzeitigen Todesfall an einen Hinterbliebenen gezahlt werden kann,“ sagt  Vorsorgespezialistin Staffe. Wer risikobereiter ist, kann beispielsweise auch in eine  fondsgebundene Rentensicherung einzahlen und verbindet einen Fondssparplan in  renditestarken Börsensegmente mit einer Rentenversicherung. Die Renditechancen sind aber  auch von den Bewegungen an der Börse und damit vom erzielten Anlageerfolgt abhängig „Deswegen sollte bei Geldanlagen an den Börsen immer auf einen langen Anlagezeitraum  geachtet werden“, warnt Katharina Staffe. Mittlerweile zählt jede zweite neu abgeschlossene  Police zu den sogenannten neuen Rentenversicherungen. Hier werden die Garantien für den  Kunden in moderatem Maß reduziert und mehr Freiheiten bei der Kapitalanlage genutzt, um die Voraussetzungen für eine höhere Überschussbeteiligung zu schaffen.

Die Zukunft auf mehr als eine Säule bauen
Am Ende gibt es bei der Altersvorsorge keine Patentlösung. Im Gegenteil: Die Möglichkeiten sind  ast so vielfältig wie es die Biografien sind. Eines kann man aber mit Sicherheit sagen: Die  staatliche Rente alleine reicht nicht, um den Lebensstandard zu halten. Eine solide  Alterssicherung, mit der Mann und Frau sorgenfrei in die Zukunft blicken können, muss heute auf  verschiedene Säulen verteilt werden. Und im Optimalfall genießen Paare ihren Lebensabend ohnehin gemeinsam.


Lassen Sie sich wegen Ihrer Vorsorge beraten und vereinbaren Sie gleich einen Beratungstermin!

Quelle: DSGV


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