18.11.2018

Wie Sie im Internet mit Ihren Daten zahlen

Von wegen kostenlos!

Foto: DSGV

Wer von Ihren Informationen profitiert – und wie Sie sich schützen können. Google, Facebook oder WhatsApp: Wenn Sie diese Dienste nutzen, ist das nur auf den ersten Blick kostenlos. In Wahrheit bezahlen Sie auch hier – nämlich mit Ihren persönlichen Daten. Die haben für die Internet-Giganten einen enormen Wert.

Weiß Google, wo Sie wohnen?
Wenn es auf dem Weg zur Arbeit einen Stau gibt, erinnert Sie schon beim Frühstück eine Nachricht auf dem Smartphone daran, dass Sie früher losfahren sollten. Was wissen die Internet- Unternehmen noch über Sie? Und was bringt Ihnen das?

Welche Daten sind für Unternehmen interessant?
Grundsätzlich hinterlässt jeder Ihrer Online-Klicks eine Spur. Theoretisch können Ihre Schritte im Internet deshalb nachverfolgt werden. Auf welchen Webseiten waren Sie unterwegs? Was ist Ihre IP-Adresse? Auch welchen Browser Sie nutzen, ist leicht ersichtlich.

Aus Ihrem Surfverhalten lässt sich ebenfalls einiges ablesen:
Ihr Geschlecht, Alter,Wohnort, Familienstand und natürlich Ihre Vorlieben.
Google zum Beispiel ist an Ihren Daten interessiert. Zum Beispiel möchte der Internetriese Ihren „Standortverlauf“ nachverfolgen. Das Unternehmen weiß dann, wann Sie wo sind und waren. Das lässt Rückschlüsse darauf zu, wohin Sie gehen werden. Über Ihre Geschwindigkeit schließen Google und andere Unternehmen – zum Beispiel Apple – auf die Verkehrsmittel, die Sie nutzen. Das ermöglicht ihnen passgenaue Werbung auszuspielen.

Sie fahren jeden Donnerstag ins Schwimmbad?
Da gibt es sicher ein paar passende Produkte. Kostenlose Social-Media-Kanäle wie Facebook sind an jedem Ihrer Likes interessiert. Auf dieser Grundlage können sie ein genaues Persönlichkeitsprofil erstellen. Ein
einziges „Gefällt mir“, das Sie Ihrer Lieblings-Band schenken, sagt nicht viel über Sie aus. Doch viele Aktivitäten gemeinsam verraten Facebook jede Menge über Ihre Person. Zum Beispiel, ob Sie gerade glücklich oder emotional eher instabil sind.

Die Masse an gesammelten Daten bergen Risiken für Verbraucher.
Oft wissen sie gar nicht, wer was über sie speichert. Und auch nicht, was mit der Datensammlung geschieht. Seit dem 25. Mai gelten jedoch neue Datenschutzvorgaben für alle, die Angaben von EU-Bürgern verarbeiten, nutzen und speichern.

Welche Folgen kann es haben, wenn Unternehmen viele Ihrer Daten kennen?
Facebook und Google möchten Ihre Daten vor allem dazu nutzen, um zielgerichtete Werbung zu schalten. Je mehr Daten über Sie vorliegen, desto genauer können Anzeigen auf Sie abgestimmt werden. Und desto wahrscheinlicher klicken und kaufen Sie. So finanzieren Google und Facebook die für Sie kostenlosen Dienste. Google und Facebook sind außerdem daran interessiert, die gesammelten Daten an andere Unternehmen weiterzuverkaufen.

Persönliche Daten wie Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse verkauft Google laut eigenen Angaben nicht. 
Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass jemand aufgrund der übrigen Daten auf Ihre Identität schließen kann.

Was Unternehmen mit den Daten machen könnten?
In den USA bekamen zum Beispiel iPhone-Nutzer vom Online-Reiseportal Orbitz höhere Preise für dieselben Hotels angezeigt als Nutzer anderer Smartphones. Tatsächlich waren die iPhone- Nutzer eher bereit, mehr Geld für ihre Übernachtungen auszugeben. Außerdem werden in den USA teilweise bereits Social-Media-Analysen herangezogen, um die Kreditwürdigkeit einer Person festzustellen. Statt Ihre Bonität nur bei Anbietern wie Credit History – vergleichbar mit der Schufa – zu prüfen, schauen sich komplexe Programme Ihre Spuren in den sozialen Netzwerken an.

Wonach dort bewertet wird?
Zum Beispiel, ob Sie viele Facebook-Freunde mit einem  Uniabschluss haben, oder zu welcher Tageszeit Sie etwas posten. Jemand, der nachts um drei aktiv ist, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder keine Arbeit oder ist Student. Die Kreditwürdigkeit dieser Person wird daher negativ bewertet.

Datenschutz in der EU
Das, was in den USA möglich ist, bedeutet nicht unbedingt eine Gefahr für uns. Der Datenschutz ist in Deutschland schon seit langem streng reguliert. Die Daten, die zum Beispiel Ihre Sparkasse von Ihnen hat, sind sehr sicher. Sie sind auf Servern in Deutschland gespeichert;

Mitarbeiter sind zur Geheimhaltung verpflichtet.
Die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die am 25.Mai 2018 in Kraft
getreten ist, soll sicherstellen, dass sich auch alle anderen Unternehmen und Behörden, die innerhalb Europas agieren, an einheitliche Regelungen im Umgang mit Daten halten. Die DSGVO gilt auch für diejenigen, die hier lediglich Waren oder Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel Amazon. Die DSGVO besagt, dass Unternehmen Sie fortan um Ihre Einwilligung bitten müssen, wenn sie Ihre Daten über den Vertragszweck hinaus verarbeiten, speichern oder weitergeben möchten. Zudem müssen sie offenlegen, was sie mit diesen Daten machen.

Damit haben Sie mehr oder weniger in der Hand, welche Unternehmen was über sie wissen.
Und letztlich auch, wem Sie erlauben damit zu arbeiten. Grundsätzlich gilt: Je mehr Unternehmen Ihre persönlichen Daten kennen, desto mehr Risiken birgt das für Sie. Überprüfen Sie deshalb genau, wem Sie Ihre Daten anvertrauen möchten und gehen Sie sparsam damit um. Überprüfen Sie außerdem regelmäßig Ihre Datenschutzeinstellungen.

Was kann Datenhandel für die Zukunft bedeuten?
Die neue DSGVO ist ein guter Schritt hin zu mehr Datenschutz – nicht nur im Internet. Jedoch wird erst die Zeit zeigen, wie wirksam Unternehmen durch sie tatsächlich zu mehr Transparenz und Sorgfalt im Umgang mit Daten gebracht werden. Und, wie verantwortungsvoll sie im Umgang mit Daten handeln werden.

Folgendes Gedankenexperiment zeigt jedoch gut, welche Gefahren der uneingeschränkte Handel mit persönlichen Informationen haben könnte:
Was wäre beispielsweise, wenn die Daten Ihrer Schrittzähler-App an Ihren
Arbeitgeber verkauft würden? Der könnte dann bei einem längeren Krankheitsausfall argumentieren, dass Sie selbst daran schuld seien – sollten Sie sich nicht ausreichend bewegt haben.

Oder wenn Ihr Krankenversicherer sehen könnte, welche Lebensmittel Sie einkaufen?
Günstigere Versicherungstarife für Vegetarier gibt es bereits bei Anbietern in den Niederlanden. Könnte es ebenso Aufschläge für Menschen geben, die sich ungesund ernähren?

Quelle: DSGV


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