22.11.2020

Laptop, Fahrrad oder Brille: So sichern Sie sich gegen Lebensrisiken ab

Welche Versicherungen sind sinnvoll?

Notwendige Versicherungen Foto: KSK Weilburg/DSV

Gefühlt gibt es für jede Lebenslage, jeden Wertgegenstand und jedes Körperteil eine Versicherung. Doch was muss wirklich sein, was ist zusätzlich sinnvoll und was kann getrost beiseitegelassen werden?

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Übervorsichtig und gut versichert.
So stellt man sich den typischen Deutschen vor. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus, wie das Statistische Bundesamt im Jahr 2018 herausgefunden hat: Von den 60.000 befragten Haushalten war ein großer Teil nicht ausreichend gegen existenzielle Risiken abgesichert. Natürlich benötigen unterschiedliche Haushalte unterschiedlichen Versicherungsschutz. Es gibt jedoch zwei Versicherungen, die für jeden ein Muss sind: Die Krankenversicherung und die private Haftpflichtversicherung. Autobesitzerinnen und -besitzer benötigen zudem zwingend eine Kfz-Haftpflichtversicherung und Tierhalterinnen und Tierhalter in einigen Bundesländern auch eine sogenannte Tierhaftpflichtversicherung.

Krankenversicherung
Egal, ob gesetzlich oder privat: Eine Krankenversicherung ist für jeden in Deutschland Pflicht. Die gesetzliche Krankenkasse (GKV) steht mit wenigen Ausnahmen allen Menschen offen und ist für die meisten auch sinnvoller als die private Absicherung. Diese kann jedoch trotzdem in Anspruch genommen werden. Voraussetzung: Sie verdienen als Angestellte oder Angestellter mindestens 60.750 Euro (2019), sind selbstständig oder Beamtin oder Beamter. Studentinnen und Studenten haben in einigen Fällen ebenfalls die Möglichkeit, zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung zu wählen.

Privathaftpflichtversicherung
Im Alltag geht es manchmal ganz schnell: Sie passen nicht auf und schlagen jemandem versehentlich das Smartphone aus der Hand. Sie öffnen die Autotür und sehen nicht, dass davor ein Rad parkt. Sie helfen einem Bekannten beim Umzug und machen einen alten Spiegel kaputt. Oder im Worst Case: Sie verursachen einen Unfall, bei dem ein Mensch zu Schaden oder sogar zu Tode kommt. Die Schäden, die ganz unvorhergesehen entstehen, können mitunter extrem teuer werden. Nicht selten kommen dabei auf den Verursacher existenzbedrohende Kosten zu. Eine private Haftpflichtversicherung ist daher für jeden ein Muss – auch wenn sie nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Verträge gibt es bereits ab rund 5 Euro im Monat. Zudem muss nicht jeder einen eigenen Vertrag abschließen: Auch wer über seine Eltern (bis zum 25. Lebensjahr) oder seine Partnerin oder seinen Partner mitversichert ist, ist gut abgesichert.

Kfz-Haftpflichtversicherung
Der Gesetzgeber schreibt vor: Wenn Sie in Deutschland ein Auto anmelden, müssen Sie nachweisen können, dass Sie eine Kfz-Haftpflichtversicherung haben. Diese kümmert sich um Schäden, die Sie im Straßenverkehr verursachen – und die sind häufig sehr kostspielig. Sollten Sie öfter mit einem Mietwagen im europäischen Ausland unterwegs sein, empfiehlt sich zudem zusätzlich die sogenannte Mallorca-Police. Diese deckt dann auch Schäden an Ihrem Mietwagen ab. Fahren Sie hingegen mit dem eigenen Auto ins Ausland, ist ein Auslandsschadenschutz eventuell sinnvoll Übrigens: Eine Kasko-Versicherung ist im Gegensatz zur Kfz-Haftpflicht freiwillig. Diese – egal ob Vollkasko oder Teilkasko – reguliert die Schäden an Ihrem eigenen Wagen.

Tierhalterhaftpflichtversicherung
Halterinnen und Halter von größeren Tieren – in etwa Hunden oder Pferden – benötigen je nach Bundesland eine Tierhalterhaftpflichtversicherung. In Berlin, Hamburg, Niedersachen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen ist diese immer Pflicht. In beispielsweise Bayern oder Baden-Württemberg ist diese nur für bestimmte Tiere vorgeschrieben. Schäden, die durch kleinere Tiere entstehen, sind über die Privathaftpflichtversicherung mit abgedeckt.

Berufshaftpflichtversicherung
Nicht jeder, der arbeitet, benötigt sie – für einige Berufszweige ist sie jedoch Pflicht: die Berufshaftpflichtversicherung. Ärztinnen und Ärzte, Notarinnen und Notare, Steuerberaterinnen und -berater sowie Wirtschafts- oder Steuerprüferinnen und -prüfer müssen eine Berufshaftpflicht-Police abschließen.

Wichtige Versicherungen Foto: KSK Weilburg/DSV

Wichtige Versicherungen 


Berufsunfähigkeitsversicherung
Egal ob Sie als Sekretär, Tischlermeisterin, Angestellter im Außendienst oder Lehrerin arbeiten: Letztlich besteht in allen Berufen das Risiko, irgendwann – aus unterschiedlichen Gründen – berufsunfähig zu werden. Da die gesetzliche Erwerbsminderungsrente oft nicht ausreicht, um über die Runden zu kommen, empfiehlt sich daher eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV). Diese schließen Sie am besten so früh ab wie möglich. Denn je jünger und damit hoffentlich gesünder Sie sind, desto weniger zahlen Sie für eine BUV. Oder andersherum: Haben Sie bereits Vorerkrankungen oder sind chronisch krank, zahlen Sie Risikozuschläge oder erhalten überhaupt keine Versicherung mehr.

Risikolebensversicherung
Stirbt in einer Familie die Hauptverdienerin oder der Hauptverdiener, ist das für die Hinterbliebenen finanziell oft der Ruin. Denn wer zahlt weiterhin die Miete oder die Raten des Hauses, wenn nur noch ein Verdienst da ist? Wer kommt für alltägliche Kosten auf, gerade wenn auch noch Kinder im Spiel sind? Und wie kommen diese weiter über die Runden, wenn ihr alleinerziehender Elternteil plötzlich verstirbt? Jeder, der sich um einen oder mehrere andere sorgt, benötigt eine Risikolebensversicherung. Diese versorgt Angehörige, sollte der oder die Hauptverdienende sterben und zahlt ihnen eine vorher vereinbarte Todesfallsumme aus. Trotzdem haben lediglich rund 17 Prozent der Deutschen eine Risikolebensversicherung abgeschlossen (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Wohngebäudeversicherung
Gegen Naturgefahren schützen sich Immobilienbesitzerinnen und -besitzer mit einer Wohngebäudeversicherung. Diese deckt Schäden durch Sturm, Hagel, Feuer und Blitzschlag ab. Leben Sie in Gebieten, in denen Hochwassergefahr droht, empfiehlt sich als Zusatz eine Elementarschadenversicherung.

Auslandsreisekrankenversicherung
Zwar zahlen die Krankenversicherungen auch, wenn sie im europäischen Ausland krank werden oder sich verletzen. Sie übernimmt jedoch oft nicht alle Kosten. Behandlungen, die über die Leistungen hinausgehen, die im Urlaubsland üblich sind, müssen Sie selber zahlen. Vor allem, wenn es um den Rücktransport geht, fallen oft enorme Kosten an. Diesen zahlen Krankenkassen nämlich für gewöhnlich nicht. Für diese Fälle gibt es Auslandsreisekrankenversicherungen. Diese können Sie sowohl zusätzlich bei Ihrem Versicherer als auch bei speziellen Anbietern abschließen. Bei rund zehn Euro Beitrag im Jahr lohnt sich die Investition, da schon ein Rücktransport sonst gut und gerne mehrere zehntausend Euro kosten kann.

Altersvorsorge
Da die gesetzliche Rente für viele nicht ausreichen wird, um sich im Alter zu finanzieren, sollte sich jeder zusätzlich absichern. Möglichkeiten dafür gibt es viele: staatlich geförderte oder betriebliche Altersvorsorge oder aber die private Altersvorsorge. Welche Altersvorsorge zu Ihnen und Ihrer Lebenssituation passt, erfahren Sie hier.

Welche VErsicherungen Sind sinnvoll Foto: KSK Weilburg/DSV

Zusätzliche Versicherungen


Hausratversicherung
Aus der Untersuchung vom Statistischen Bundesamt 2018 geht ebenfalls hervor, dass 76 Prozent der Deutschen eine Hausratversicherung haben. Damit sichern sie sich ab, falls wertvolle Gegenstände in ihrem Haushalt zum Beispiel durch Feuer, Vandalismus, einen Einbruch oder einen Sturm zerstört werden. Die Hausratversicherung kostet, je nach Deckungssumme, ab 50 Euro im Jahr. Ob Sie diese brauchen, können Sie ganz einfach herausfinden: Könnten Sie nach einem Totalverlust Geld für neue Möbel, Kleidung oder elektronische Geräte aufbringen, ohne in finanzielle Schieflage zu geraten? Wenn nicht: Sichern Sie sich ab. Übrigens: Eine Hausratversicherung schützt in der Regel auch Ihr Gepäck auf Reisen. Eine Reisegepäckversicherung ist daher zusätzlich nicht nötig.

Private Unfallversicherung
Alle Berufstätigen sind über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert, sollte es zu Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten kommen. Verletzen Sie sich hingegen in Ihrer Freizeit bei einem Unfall oder beim Sport oder fallen aus sonstigen Gründen dauerhaft in Ihrem Beruf aus, hilft die private Unfallversicherung. Sie ist die Alternative für diejenigen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten.

Reiserücktrittsversicherung
Gerade für Reisen, die besonders lange im Voraus gebucht werden oder die besonders teuer sind, empfiehlt sich eine Reiserücktrittsversicherung. Achten Sie genau auf die Details der Police: Unter welchen Umständen können Sie tatsächlich von der Reise zurücktreten?

Pflegezusatzversicherung
Auch das Pflegestärkungsgesetz von 2017 hat nichts daran geändert, dass die staatliche Unterstützung bei Pflegekosten im Alter in der Regel nicht ausreicht. Wer keine Kinder oder andere Verwandte hat, die einem unter dir Arme greifen, kommt schnell in finanzielle Bedrängnis. Möchten Sie einen zusätzlichen Schutz, können Sie entweder in eine Pflegetagegeldversicherung, in eine Pflegekostenversicherung oder eine Pflegerentenversicherung investieren. Ähnlich wie bei der Berufsunfähigkeits- und der Risikolebensversicherung erhöhen sich die Beiträge für die private Pflegeversicherung, je älter Sie sind.


Wichtige Fragen


Welche Versicherungen sind Pflicht?
Es gibt zwei Versicherungen, die für jeden ein Muss sind: Die Krankenversicherung und die private Haftpflichtversicherung.
Autobesitzer brauchen außerdem zwingend eine Kfz-Haftpflichtversicherung.
In bestimmten Bundesländern ist zudem eine Tierhaftpflichtversicherung vorgeschrieben.

Welche Versicherungen sind für Alleinstehende/Singles wichtig?
Alleinstehende und Singles benötigen eine Krankenversicherung und sollten sich auch haftpflichtversichern. Ziehen Sie Kinder groß, sollte zudem in eine Risikolebensversicherung investiert werden. Auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist als Single zu empfehlen.

Welche Versicherungen brauchen Familien?
Familien sollten sowohl kranken- als auch haftpflichtversichert sein. Zudem empfiehlt sich eine Hausratversicherung. Mindestens eine oder ein Erwerbstätige/r sollte außerdem noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Da es finanziell schnell eng wird, wenn ein Elternteil verstirbt, empfiehlt sich auch eine Risikolebensversicherung.

Welche Versicherungen sind für Studenten wichtig?
Studenten müssen eine Krankenversicherung haben und sollten zudem eine Haftpflichtversicherung abschließen, um sich vor Kosten zu schützen, die durch selbstverursachte Schäden an fremdem Eigentum entstehen können. Direkt nach dem Studium empfiehlt es sich, über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachzudenken, da diese bei jungen Menschen in der Regel günstiger sind.

Welche Versicherungen brauchen Hausbesitzer?
Hausbesitzer benötigen eine Wohngebäudeversicherung, die sie vor Schäden durch Sturm, Hagel, Feuer und Blitzschlag schützt. In Gebieten mit Hochwassergefahr empfiehlt sich zudem eine Elementarschadenversicherung.

Welche Versicherungen sind für Selbstständige wichtig?
Neben den Pflichtversicherungen benötigen Selbstständige eine Betriebshaftpflichtversicherung, da sie für Schäden haften, die sie oder ihre Mitarbeiter Dritten während der Arbeitszeit zufügen. Wichtig ist, genau zu prüfen, welche Risiken für Ihren Betrieb tatsächlich bestehen und darauf zu achten, dass eine Versicherung genau diese Schäden abdeckt. Für Selbstständige empfiehlt sich zudem das Krankentagegeld, das den Einkommensausfall infolge einer Krankheit auffängt.

Welche Versicherungen benötigen Mieter?
Unter Umständen bietet es sich an, eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen. Diese kann immer dann hilfreich sein, wenn es zu Streit mit dem Vermieter kommt und eine Angelegenheit vor Gericht landet. Eine Rechtschutzversicherung kann auch oft über einen Mieterverein abgeschlossen werden.

Quelle: KSK Weilburg/DSV

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