Ein Bild aus besseren Zeiten: Ein Stand aus der italienischen Partnerstadt Quattro Castella bereichert Residenzmarkt den Weilburger Residenzmarkt mit lokalen Produkten.
Foto: Margit Bach
Bleibt gesund, liebe Weilburger
Wie die Menschen in den fünf europäischen Partnerstädten die Corona-Krise erleben

Auch in den Partnerstädten von Weilburg beherrscht die Corona-Krise das Leben. Joachim Walther, Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins Weilburg, hat sich im französischen Privas, in Kezmarok in der Slowakei, in Colmar-Berg in Luxemburg, im italienischen Quattro Castella und in Zevenaar in den Niederlanden umgehört.

Niederlande
Das „Zevenaar Comité“ um René Wijnbergen, Geert Vos, Theo Gijsberts und Jan Boer-
boom bedauert, dass die Delegation von Bürgermeister Johannes Hanisch am 3. und 4.April nicht nach Zevenaar kommen konnte und auch, dass das Jugend- und Erwachsenentreffen im Mai abgesagt ist. Ebenso darf der Austausch der Gagern-
und Mankelschule mit dem Liemers College im Juni nicht stattfinden. Eine solche Krise habe es in dieser Form noch nicht gegeben. Bis 1. Juni, berichten die Niederländer, dürfe man nur zu zweit auf die Straße gehen, Veranstaltungen und Feste fallen aus. Alle sollen ihr Zuhause nur verlassen, wenn es notwendig
ist. Weiterhin gelten für die Geschäfte sehr strenge Auflagen.

Auch in Zevenaar dürfen Seniorenheime nicht besucht werden.
Deshalb hat Zevenaars Bürgermeister Lucien van Riswijk vor den Türen verschiedener Heime mit seiner Gitarre eine musikalische Serenade für die Bewohner gespielt. Geschäfte seien zwar nicht durch die Regierung geschlossen worden, informieren die Niederländer, weil aber die meisten Leute zu Hause blieben, gingen immer weniger Bürger zum Einkaufen. Die Folge: Viele Geschäfte sind geschlossen oder öffnen nur halbtags. Seit 11. April sei es nur dann gestattet, nach Deutschland zu fahren, wenn das mit der Arbeit zu tun hat. An der Grenze werde dies kontrolliert.

Züge würden auch weniger benutzt, auch weil die Regierung angeordnet hat, von daheim aus zu arbeiten. „Wir wünschen uns allen viel Kraft und hoffen sehr, dass wir uns nach der erfolgreichen Überwindung dieser Krise schnell wiedersehen können. Liebe Weilburger bleibt gesund“, wünscht Jan Boerboom.

Italien
Die aktuelle Situation sei überall schwierig, heißt es aus Quattro Castella. Seit Wochen gilt ein Ausgehverbot. „Die Stärke der Partnerstadt-Freundschaft bleibt bestehen. Sobald sich die Situation bessert, ist die Freude groß, sich wiederzusehen“, sagt Irma Barbieri. Die Lage in Italien, berichtet sie, sei schlimm. Es werde noch lange dauern, bevor normales Leben wieder möglich sei. Aber auch dann würden wohl noch monatelang Schutzmasken getragen werden müssen, befürchten Barbieri und Emilio Bertolini. Auch in ihrem Bekanntenkreis habe es schon Corona-Fälle gegeben. Zum Glück hätten viele sie überstanden, aber ein Freund und viele ältere Menschen seien gestorben. Alle müssten nun vorsichtig bleiben. Das gelte auch für die Freunde in Weilburg: „Passt auf euch auf, näht und tragt Schutzmasken, wascht die Hände und haltet Abstand“, raten Barbieri und Bertolini.

Luxemburg
Auch in Colmar-Berg bleiben alle Zuhause, bis auf diejenigen, die arbeiten müssen und bei denen kein Homeoffice möglich sei. Die Wege sollen in der Partnerstadt auf ein striktes Minimum begrenzt werden. Das Haus wird nur verlassen,um Lebensmittel einzukaufen und um an die frische Luft zu gehen. Soziale Kontakte dürfen nur mit den Personen stattfinden, mit denen man unter einem Dach lebt. Seit dem 18. März gelte das, und es werde wohl noch bis mindestens Anfang Mai andauern, informiert Bürgermeister Christian Miny.

Aber diese strengen Maßnahmen wirkten, denn die Zahl der Neuinfektionen beginne zu sinken. „Die Bürger haben sich mittlerweile mit der Situation abgefunden, aber man merkt, dass es anfängt, an der Moral zu nagen“, sagt Bürgermeister Christian Miny.

Slowakei
In Kezmarok in der Slowakei sind die Zeiten nicht gut. „Die Corona-Krise hat unser Leben sehr verändert, wir sind fast immer zu Hause, man geht nur zur Arbeit und einmal in der Woche zum Einkaufen“, sagt Vojtech Wagner. Langsam komme der Frühling mit warmen Tagen, da seien die Straßen normalerweise voller Menschen,
aber jetzt sei niemand zu sehen. In ihrem karpaten-deutschen Verein sei das Leben stehen geblieben, es seien schon alle Sommerprogramme abgesagt worden – und ein Ende sei nicht absehbar. Auch Kontakt mit den Mitgliedern gibt es nicht, da viele ältere Leute seien und mit ihnen auch kein Internetkontakt möglich sei. In Kezmarok seien einige Patienten positiv auf Corona getestet worden. Das Krankenhaus sei vorbereitet, man erwarte aber noch mehr Kranke. „Sonst sind wir alle gesund und wir glauben an bessere Zeiten; bleibt alle gesund und hofft, dass sich bald alles verbessern wird und wir uns bald wieder treffen“, sagt Wagner.

Frankreich
In Privas sind die Menschen seit dem 17. März zu Hause. Viele Geschäfte sind geschlossen. Nur Lebensmittelgeschäfte hätten zu angepassten Zeiten geöffnet. Die Zeit zwischen 8 und 8.30 Uhr sei für Personen über 70 Jahre reserviert. Um ausgehen zu können, müssten jedes Mal Bescheinigungen ausgefüllt werden, in der die Gründe für das Verlassen des Hauses und die Uhrzeit angegeben sind. Diese müsse der Polizei vorgelegt werden, sonst drohe eine Geldstrafe. Nun hätten Gartencenter, Baumärkte und andere diverse Geschäfte wieder geöffnet, aber die Eingänge würden kontrolliert, damit nur eine bestimmte Anzahl von Kunden gleichzeitig eintreten könne. „Viele Unternehmen haben ihre Tätigkeiten nicht wieder aufgenommen, aus Angst vor der Epidemie.

Die Unternehmer wollen ihre Mitarbeiter nicht gefährden“, sagt Francois Briffotaux.
In der Regio Ardèche (326 000 Einwohner) sei man von Covid-19 ein wenig verschont geblieben. Dennoch habe es 40 Todesfälle gegeben, mehr als 100 Menschen seien bisher ins Krankenhaus eingeliefert worden. Zurzeit gebe es unter den meist älteren Mitgliedern der französischen Europaunion keine Ängste. Da das Wetter am Osterwochenende sehr schön war, seien in Ardèche Maßnahmen getroffen worden, um zu verhindern, dass Menschen zu viel ausgehen. Normalerweise sei eine Stunde am Tag erlaubt gewesen, um Sport zu treiben oder frische Luft zu schnappen. „Das Schwierigste ist, dass man von der Familie isoliert ist“, meint Briffotaux.




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