…in Sachen Kunst unterwegs zum Ernst Leitz Museum

22.01.2026
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Das Ernst Leitz Museum präsentiert
Ragnar Axelsson:
Where the World is Melting

Die Kraft der Elemente, die raue Schönheit der Eislandschaften, aber auch ihr drohendes Verschwinden: Der isländische Fotograf Ragnar Axelsson (*1958) dokumentiert seit mehr als vier Jahrzehnten die Regionen der Arktis in Island, Grönland, Sibirien und auf den Färöer-Inseln. Seine atemberaubend schönen Schwarzweißaufnahmen zeigen Gletscher und Eisformationen, doch vor allem den besonderen Alltag der dort unter extremen Bedingungen lebenden Menschen und Tiere. Der Fotograf gibt intime Einblicke in die elementare menschliche Erfahrung in der Natur am Rande der bewohnbaren Welt. Doch die Arktis ist durch den beispiellosen Klimawandel bedroht und befindet sich in einem rasanten, tiefgreifenden Veränderungsprozess, der die traditionelle Lebensweise, die jahrhundertealte Kultur der Menschen und die faszinierenden Eislandschaften verschwinden lässt. Die Ausstellung bietet einen ergreifenden Blick auf das Lebenswerk Axelssons und zeigt die Möglichkeiten der Fotografie im – fast aussichtslosen – Kampf gegen den Klimawandel.
Jäger und ihre Schlittenhunde in Island, Fischer und Bauersfrauen, grönländische Inuit, Rentierhirten in der sibirischen Tundra: Axelssons Porträts wirken auch deshalb so unmittelbar, da seine Informationen aus erster Hand stammen, von den oft außergewöhnlichen Persönlichkeiten vor Ort, von seinen eigenen intensiven Erlebnissen. Axelsson scheut keine Risiken und Mühen, immer wieder unterschiedlichste Menschen an den entlegensten Orten zu besuchen und eine längere Zeit mit ihnen zu verbringen. Er teilt mit ihnen den oftmals beschwerlichen Alltag und genießt ihr Vertrauen. Dies erlaubt es ihm, Momentaufnahmen ihres Lebens zu machen und ihre Erzählungen aufzuschreiben – so wird er zum Botschafter ihrer Existenz und der sich verändernden Lebensbedingungen. Er erzählt in seinen Bildern die Geschichten der Personen, die den Wandel des Erdklimas aus nächster Nähe erfahren. Diese Ausdauer über Jahrzehnte, verbunden mit einem tiefen Respekt für seine Zeitgenossen, hat Axelsson zu einem der wichtigsten Zeugen und Chronisten der schleichenden, aber die Arktis inzwischen mit großer Wucht treffenden globalen Klimaveränderungen gemacht.
An seine ersten fotografischen Erfahrungen als Zehnjähriger mit der Leica seines Vaters hat Axelsson noch lebhafte Erinnerungen: „Ich saß da und hielt eine Leica umklammert, die mein Vater mir geliehen hatte. Ich dachte unermüdlich ans Fotografieren. Es gehörte viel Vertrauen dazu, einem Kind eine Kamera zu leihen, die so teuer war wie ein Auto. Ich durfte meinen Vater nicht enttäuschen. Ich hatte ihm versprochen, gut auf die Kamera aufzupassen. Er hatte mir Kunstbücher über berühmte Maler und ausländische Zeitschriften zu lesen gegeben, wie Life und Stern. Sie enthielten die großartigsten Bilder, die ich je gesehen hatte. ‚Du musst Fotos machen und dich anstrengen‘, war die Botschaft, die mein Vater mir mitgab. Die Fotografien aus den Magazinen hatten sich in mein Gedächtnis gebrannt, genauso wie die Gemälde.
Doch ich konnte nicht malen, also musste ich fotografieren.“
Text: Ernst Leitz Museum

Die Ausstellung ist bis 29. Mai 2026 im Ernst Leitz Museum, Am Leitz-Park 5 in 35578 Wetzlar zu sehen.

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Veranstaltung

In bilico
Rosenhang Museum | So., 21.6.2026 bis So., 20.9.2026 23:59 Uhr

Die umfangreiche Ausstellung des Künstlers Giuseppe Donnaloia präsentiert eine Reihe vorwiegend neuer Arbeiten in Malerei, Zeichnung und Skulptur.

Schon der Titel der Ausstellung „In bilco“ verweist auf Donnaloias inhaltlich-motivischen Schwerpunkt im Fokus von Mensch und Natur. Dabei kommen in metaphorischen Nuancen mittels Stil, Technik und Thematik meist Sinngehalte zum Tragen, die im Kontext von sensitiven Schwingungen und gesellschaftlichen Reflexionen angesiedelt sind. Auf dieser Meta-Ebene des existenziell Gestalthaften erzeugt Donnaloia Bilder, Zeichnungen und Skulpturen im Spannungsfeld von Figuration und abstrakter Geste. Neben ausgewählten Exponaten des Bilder-Zyklus „Rigeneratione Naturale“ zeigt auch eine Reihe von neuen Aktzeichnungen Donnaloias elementare Expressivität, die ganz im Zeichen der Reflexion über prekäre Gleichgewichte steht. Seine Bilder beanspruchen nicht selten kontemplative Züge, indem sie das sehnsuchtsvolle Abtauchen in die von Menschen dominierte Gefühlswelt veranschaulichen. Jedoch sind sie gleichermaßen zu lesen als ein sich aufbäumender Kraftakt, der mit den Instrumenten des Künstlers gegen die definitive Machtübernahme maschineller Rationalität ansteuert.

Donnaloia, 1967 in Duisburg geboren, erhielt seine künstlerische Ausbildung in Florenz und Monopoli, bildete sich anschließend in Köln zum Bronzegießer sowie zum Steinmetz und Steinbildhauer aus und lebt und arbeitet heute in Calci bei Pisa. Als Maler, Bildhauer und Restaurator verbindet er traditionelles künstlerisches Handwerk mit einer zeitgenössischen Formensprache. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit Material, Struktur und Wahrnehmung aus und bewegen sich zwischen handwerklicher Präzision, bildhauerischer Kraft und malerischer Eigenständigkeit. Seit 2022 lehrt Giuseppe Donnaloia zudem Bildhauerei an der Accademia di Belle Arti di Lecce.

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