27.07.2026

Evangelische Kirchengemeinde in Oberlahn verbindet lange Geschichte

500 Jahre Reformation in Weilburg

Foto: Hans-Peter Schick

Am 31. Oktober 2026 können die Evangelische Kirchengemeinde Weilburg und die Menschen der Oberlahn-Region auf 500 Jahre Reformation in der Stadt Weilburg und der damaligen Grafschaft Nassau-Weilburg zurückblicken. Auf Einladung der „stiftung evangelisch in weilburg“ wird am 31. Oktober 2026 Prof. Dr. Margot Käßmann in der Weilburger Schlosskirche die Festansprache zu dem Thema „Von der Aktualität der Reformation“ halten. Zu einem Festgottesdienst am 1. November um 10:30 Uhr in der Schlosskirche lädt die Gesamtkirchengemeinde ein.

Bereits am Samstag, 12. September, findet um 14:30 Uhr am Standort des ehemaligen Kloster Pfannstiel ein ökumenischer Gottesdienst statt. Am Sonntag, 13. September, lädt dann im Rahmen des Tages des offenen Denkmals ein Gottesdienst mit historischen Spielszenen rund um Graf Philipp III. zu Nassau-Weilburg (1504 – 1559) in die Schlosskirche ein. Auch die Gruftöffnung in der Schlosskirche anlässlich des 121. Todestages von Adolph, Großherzog von Luxemburg und Herzog zu Nassau, am 17. November um 10 Uhr steht im Zeichen von Graf Phlipp III. und der Reformation.

Luthers Erschrecken über den Ablass „Wenn einer für seine Seele Geld in den Kasten lege, sobald der Pfennig auf den Boden falle und klänge, so führe die Seele heraus gen Himmel“ hat die reformatorische Bewegung ausgelöst. Luther war der Überzeugung, dass allein Buße und Reue zur Vergebung der Sünden führen, der gelebte Glaube und die Gnade Gottes entscheidend seien und nicht der Kauf eines Ablassbriefes. Die Bibel war für Luther (10.11.1483 – 18.03.1546) die einzig wesentliche Grundlage.

Auf Anraten von Hofprediger Heinrich Stross und Privatsekretär Johannes Chun wurde Graf Philipp III. zu Nassau-Weilburg (1504 – 1559) zum Wegbereiter für die Reformation im Weilburger Land. Graf Philipp setzte dabei auf die Aussicht, die Untertanen von der geistlichen Jurisdikation zu befreien und auf die Säkularisation der geistlichen Güter. Zum 31. Oktober 1526 berief Graf Philipp III. dann den lutherischen Geistlichen Dr. Erhard Schnepf (1495 – 1558) nach Weilburg, damit dieser die Reformation in der Grafschaft Nassau-Weilburg durchsetze. Dr. Erhard Schnepf war ein überzeugender Prediger und so gewann die lutherische Lehre schnell eine große Anhängerschaft. Bereits am 1. November 1526 hatte er vor Ort zu einem ersten Religionsgespräch mit den katholischen Kirchenamtsträgern eingeladen. Allerdings verließ Dr. Erhard Schnepf bereits 1528 mit den Worten „Gott erbarme sich des armen Völkleins zu Weilburg“, so sehr war er von dem baulichen Zustand der Martinskirche enttäuscht.

Kaspar Goltwurm wurde Nachfolger von Dr. Schnepf, zunächst von 1528 bis 1536, dann von 1546 – 1548 sowie schließlich von 1551 bis 1555. Goltwurm gilt als der eigentliche Reformator der Grafschaft Nassau-Weilburg. Hofprediger Heinrich Stross erarbeitete 1533 die erste evangelische Kirchenordnung als Richtlinie für die Pfarrer zum neuen Glauben. 1536 ernannte Graf Philipp III dann Stross zum geistlichen Inspektor und beauftragte ihn mit der Visitation der Pfarreien und Klöster in der Grafschaft mit zum Teil verheerenden Erkenntnissen. 1538 führte Graf Philipp III. einen Schriftwechsel mit Martin Luther und bat um einen „geschickten Prädikanten“. Im gleichen Jahr erfolgte auch der Neubau der Martinskirche in Weilburg.

1540 gründete Graf Philipp III. die evangelische Freischule, setzte Heinrich Stross als deren kirchliche Aufsicht ein, erster Leiter war Jost Syringus. Die Freischule ist der Ursprung des heutigen Gymnasium Philippinum Weilburg.

Die Reformation in der Grafschaft und in Weilburg schritt zügig voran, so dass 1548 in Weilburg nur noch eine katholische Familie lebte, deren Pfarrkirche dann St. Johannes der Täufer Lahr war. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand in Weilburg wieder eine katholische Gemeinde.

1553 verfasste Kaspar Goltwurm eine neue Kirchenordnung mit Regelungen zu den Feiern der kirchlichen Feste sowie dem Lebenswandel der Evangelischen und führte auch Visitationen durch.

Der Augsburger Religionsfrieden vom 15. November 1555 „Cuius regio, eius religio“ sicherte dann endgültig die Reformation in Weilburg und der Grafschaft Nassau-Weilburg, denn von da an konnten die Landesfürsten die Religion in ihrem Gebiet bestimmen, so auch Graf Philipp III. für die Grafschaft Nassau-Weilburg. Ab 1533 ließ Graf Philipp III. das Hochschloss zu Weilburg errichten, und zwar Ost-, Süd- und Westflügel, unter Graf Albrecht folgte dann 1572 noch der Nordflügel.

An Martin Luther erinnert in Weilburg eine Gedenktafel auf dem Postplatz, anlässlich des 450. Geburtstags des Reformators errichtet; in jüngster Zeit erfolgte die Neupflanzung einer Eiche am Denkmal, und zwar durch den Lions Club Weilburg.

Die Evangelische Kirchengemeinde Weilburg mit den Orten Weilburg, Ahausen, Kirschhofen, Odersbach und Waldhausen zählt rund 4.000 Gemeindemitglieder; Vorsitzender des Kirchenvorstands ist Pfarrer Guido Hepke. Zentrum der Gemeinde ist die Schlosskirche, 1707 – 1712 errichtet, stellt sie den bedeutendsten protestantischen Kirchenbau des Barock in Hessen dar, ist ein Denkmal von nationalem Rang. Das Gemeindebüro befindet sich im Helmut-Hild-Haus Weilburg. Konrad-Adenauer-Straße 5. Die älteste Kirche in der Gemeinde, zugleich auch das älteste Gebäude in der Stadt Weilburg, ist die Heilig Grab-Kapelle aus dem Jahr 1505, die zusammen mit dem Kalvarienberg (1510) und dem nassauischen Friedhof (1581 – 1900) ein beeindruckendes Ensemble des christlichen Glaubens bildet. Die „stiftung evangelisch in weilburg“ besteht seit 2020 und unterstützt das Wirken der Evangelischen Kirchengemeinde, so bereits bei der umfassenden Sanierung der Schlosskirchenorgel, aber auch bei sozialen und kirchlichen Aufgaben.

Quelle: Hans-Peter Schick


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