29.04.2026

4. Weilburger Demokratiefest lieferte breites Programm mit informativen Vorträgen und spannenden Workshops

Bildung als Schlüssel einer demokratischen Gesellschaft

Foto: Oberlahn.de

Am 25. April 2026 fand im Spielmann-Kulturzentrum in Weilburg das 4. Weilburger Demokratiefest statt. Die Veranstaltung wurde vom Spielmann-Verein Weilburg gemeinsam mit der Stadt organisiert und stand unter dem Leitthema „Demokratie und Bildung“. Ziel war es, die Bedeutung von Bildung für eine funktionierende demokratische Gesellschaft hervorzuheben und zugleich Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung zu schaffen. Das Demokratiefest lief von 11:00 bis 15:00 Uhr und richtete sich an eine breite Öffentlichkeit – von Familien über Schülerinnen und Schüler bis hin zu politisch Interessierten. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Bildung dazu beitragen kann, demokratische Werte zu stärken und Menschen zur aktiven Mitgestaltung der Gesellschaft zu befähigen. Dabei wurde bewusst ein interaktiver Ansatz verfolgt: Demokratie sollte nicht nur theoretisch vermittelt, sondern praktisch erfahrbar gemacht werden.

Die Veranstaltung begann mit einer musikalischen Eröffnung durch die Kreismusikschule Oberlahn. Im Anschluss folgte die offizielle Begrüßung durch Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch sowie weitere Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Ein besonderer Programmpunkt war die Ansprache eines Staatssekretärs aus dem Hessischen Ministerium für Kultur, Bildung und Chancen, der die Bedeutung von Bildungspolitik für die Demokratie betonte. Musikalische Beiträge, unter anderem von den „Philippinum Voices“ und der Schulband des Gymnasiums Philippinum, lockerten das Programm auf und unterstrichen den kulturellen Charakter der Veranstaltung. Darüber hinaus präsentierten Schulen wie die Heinrich-von-Gagern-Schule Projekte aus dem Bildungsbereich, darunter museumspädagogische Arbeiten zur Geschichte und Gesellschaft.

Nach dem offiziellen Teil verlagerte sich der Schwerpunkt auf ein offenes Mitmachprogramm. Zahlreiche Institutionen und Einrichtungen aus der Region gestalteten Informationsstände, Workshops und Aktionen. Dazu gehörten Bildungseinrichtungen wie Schulen und Kindertagesstätten, die Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg, das Forstliche Bildungszentrum Weilburg, die Staatliche Technikakademie mit einem Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz sowie soziale Einrichtungen wie die Lebenshilfe. Besonders hervorzuheben war der Fokus auf digitale Themen: In Workshops konnten Besucher selbst erleben, wie leicht sich KI-generierte Inhalte erstellen lassen und welche Herausforderungen dies für die Demokratie bedeutet. Das Konzept „Mitmachen statt nur Zuhören“ zog sich durch das gesamte Fest, indem Besucher aktiv eingebunden wurden, etwa durch Diskussionen, kreative Angebote oder praktische Demonstrationen.

Das Demokratiefest griff zugleich aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen auf, insbesondere den Einfluss digitaler Medien, die Verbreitung von Desinformation und die Rolle von Bildung bei der politischen Meinungsbildung. Die Veranstalter betonten, dass Demokratie auf informierte Bürger angewiesen ist. Gerade in Zeiten von Social Media und Künstlicher Intelligenz sei es entscheidend, kritisch denken zu können und Informationen richtig einzuordnen. Neben den inhaltlichen Angeboten wurde auch für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm gesorgt. Musik, Lesungen, Workshops und Ausstellungen schufen eine lebendige und offene Atmosphäre. Ein Büchertisch, ein Rettungswagen des DRK zur Besichtigung sowie Angebote für Kinder und Familien machten das Fest zu einer generationenübergreifenden Veranstaltung. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt.

Insgesamt zeigte das 4. Weilburger Demokratiefest eindrucksvoll, wie politische Bildung und gesellschaftliches Engagement miteinander verbunden werden können. Durch die Kombination aus Information, Interaktion und Kultur gelang es, ein breites Publikum anzusprechen und für demokratische Themen zu sensibilisieren. Die Veranstaltung machte deutlich, dass Demokratie vom Mitmachen lebt – und dass Bildung ihr Fundament bildet.

Die Bedeutung des Zusammenspiels zwischen Demokratie und Bildung griff auch Hans-Peter Schick in seiner Rede eindrucksvoll auf: 

"1231 wird erstmals urkundlich eine Schule in Weilburg erwähnt, und zwar mit dem Scholaster Giselbert. Daher kann Weilburg in 5 Jahren, also 2031, auf eine 800-jährige Schulgeschichte, urkundlich belegt, zurückblicken und würdigen. 1844 gilt Weilburg in den nassauischen Landen als 'Stadt der Gelehrsamkeit' und Wilhelm Heinrich Riehl (1823 - 1897) nennt Weilburg gar als den 'Hauptsitz nassauischer Intelligenz'.

Heute bestehen über 40 Einrichtungen mit Bildungsangeboten in Weilburg: Forstliches Bildungszentrum Hessen, Dachdeckerzentrum Hessen, Staatliche TechnikAkademie und Berufs-/Berufsfachschule Wilhelm Knapp; Gymnasium Philippinum, Heinrich-von-Gagern-Schule, Jakob-Mankel-Schule, Pestalozzischule und Christian-Spielmann-Schule, die Förderschulen Walderbach und Windhof, die Kreismusikschule Oberlahn und die Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg, 12 Kindertagesstätten, um nur einigezu nennen. Es gibt zwei Stadtleben in Weilburg: die betriebssame Schulzeit und die ruhige Ferienzeit, so sehr prägen die Schulen den Alltag in Weilburg.

Hier sind wir heute übrigens in einem ehemaligen Schulgebäude (1947 — 2018), das als solches platt gemacht wurde, weil der Eigentümer Land Hessen und der Schulträger Landkreis Limburg-Weilburg sich nicht über die Trägerschaft der Sanierung und Modernisierung, anders formuliert der Beseitigung des Instandhaltungsstaus, einigen konnten. Die Stadt Weilburg und unser Spielmann-Kulturverein haben das Gebäude dann saniert und modernisiert, neuen Nutzungen zugeführt; die Stadt: Kindertagesstätte 'König Konrad' und Jugendzentrum, unser Verein das Spielmann-Kulturzentrum, das täglich von Kreismusikschule und Kreisvolkshochschule sowie vielen Vereinen und Kulturtreibenden genutzt wird, vom Spielmann-Kulturverein seit sieben Jahren ehrenamtlich betrieben wird.

Zwei pädagogische Bildungs-Initiativen verleihen Weilburg bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal: Das museumspädagogische Projekt 'Leben im Schloss' der Heinrich-von-Gagern-Schule und das waldpädagogische Projekt 'Wildpark Kitz — Wölfe — Bienen' des Vereins der Freunde und Förderer des Wildparks 'Tiergarten Weilburg' e.V.

Unser Thema des diesjährigen Weilburger Demokratiefestes lautet 'Demokratie und Bildung' und so gibt es in der Weilburger Geschichte einen direkten Weg zum Gymnasium Philippinum Weilburg, denn die Schule wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als unsere Land noch von Königen und Herzögen regiert wurde, 'Demokratenschmiede' genannt. Von 1817 bis 1844 war das Weilburger Gymnasium das einzige Landesgymnasium im Herzogtum Nassau, war die höchste Bildungseinrichtung, denn Universitäten gab es im Herzogtum nicht.

Schüler des Weilburger Gymnasiums, stellvertretend will ich fünf nennen:

  • 1808 —1812 Heinrich von Gagern (1799 —1880), aus Weilburg, Präsident der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 1848/1849, sieben Mal zum Präsidenten gewählt, jeweils für einen Monat
  • 1828— 1830 Karl Schapper (1812 —1870), aus Weinbach, Lenker deutscher und europäischer Arbeiterbewegung, Teilnehmer Londoner Konferenz 1865 der Ersten Internationale, unterstützte Karl Marx in London finanziell, kannte auch Friedrich Engels, der Satz 'Proletarier aller Länder vereinigt Euch!' soll von Schapper stammen, 1847 Präsident des Deutschen Bund der Kommunisten
  • 1837 —1841 Wilhelm Heinrich Riehl (1823 —1897), aus Weilburg, Kulturhistoriker, Schriftsteller, Journalist, Direktor des Bayrischen Nationalmuseums, Generalkonservator der Kunstdenkmal und Altertümer Bayerns, Verfasser der Novellen 'Der Stadtpfeifer' und 'Idylle eines Gymnasiums'
  • 1817 —1821 Dr. Jakob Ludwig Philipp August Hergenhahn (1804 —1874), aus Usingen, Ministerpräsident und 'Vater' der Nassauer, Mitglied der Nationalverssammlung und des Norddeutschen Reichstages
  • 1838 —1841 Dr. Franz Gerau (1824 —1896), aus Wiesbaden, Nassaus Fürstenschreck, 1848 Dr. med., praktizierender Arzt in Weilburg, Teilnehmer am Nassauischen Demokratenkongress in Idstein, am 13. Juni 1848 einer der 34 Delegierten des Demokratenkongresses, die im Schloss zu Wiesbaden-Biebrich Herzog Adolph die Forderungen der Demokraten Nassaus vortrugen, der drohenden Verhaftung entzog er sich durch seine Flucht in die USA, wo er zunächst in Williamsburg und seit 1880 in New York / Brooklyn als gesuchter und erfolgreicher Arzt und großer Wohltäter der Armen wirkte

Demokratie und Bildung sind wechselseitig verantwortlich: Die Bildung für die Demokratie und die Demokratie für die Bildung:

'Erziehung des akademischen Nachwuchses zu Bürgern einer vielfältig sich wandelnden Welt, die Vermittlung jener sachlichen und menschlichen Grundlagen, auf denen eine freie und offene, auf Mitbestimmung in allen Bereichen drängende, die Fesseln jedweder Bevormundung abstreifende Gesellschaft', so lautete 1817 die Zielsetzung des Wirkens für das Gymnasium Philippinum Weilburg. Diese Worte haben in den über 200 Jahren nichts an ihrer Gültigkeit verloren, definieren immer noch treffend das Ziel von Bildung.

1848/49 stellt Weilburg in der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche gleich drei Abgeordnete:

  • Heinrich von Gagern (Liberaler),
  • Max von Gagern
  • Johann Friedrich Gottlob Schulz (Linksdemokrat), Lehrer und Konrektor am Gymnasium Philippinum Weilburg

Heute gehört kein Weilburger weder dem Bundestag noch dem Hessischen Landtag an: 'Sic transit gloria mundi!' (So vergeht der Ruhm der Welt!).

Wie erlebe ich heute die Weilburger Schullandschaft, und ich darf darüber sprechen, arbeite ich doch aktuell ehrenamtlich für sechs Weilburger Schulen: Organisation von Betreuungsangeboten, finanzielle Förderung, politische Unterstützung und manches mehr; 35 Jahre war ich beruflich mit verantwortlich für Kindertagesstätten, landesweit und lokal.

Seit acht Jahren bin ich von der Idee bis zur Durchführung für die Waldpädagogik des Vereins der Freunde und Förderer des Wildparks 'Tiergarten Weilburg' tätig; aktuell zählen wir über 150 Kinder, samstags von 10 bis 15 Uhr. Folgendes stelle ich fest und sehe nennenswerten Handlungsbedarf:

1.) Die bürokratischen Aufgaben überfordern die Kindertagesstätten und die Schulen. Bürokratie lähmt unser Land und unsere Schulen. Ich will hierzu nichts weiter ausführen, die Verantwortlichen kennen meine Positionen.

2.) Vorausschauend wird zu wenig gearbeitet: Im August starten alle Grundschulen als Ganztagsschulen (8 Stunden täglich, Montag bis Freitag, bis auf vier Wochen Schließzeit auch in den Ferien), aber es fehlt in vielen Schulen die dafür notwendige Ausstattung, räumlich und noch gravierender personell, und zwar qualifiziertes Personal.

3.) Überhaupt ist die räumliche Situation und Ausstattung vieler Schulen höchst bescheiden. Wir brauchen keine Verwaltungspaläste, sondern qualifizierte Schulgebäude und Kindertagesstätten.

4.) Wenn ich einen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) für die Altersgruppe 0-10 Jahre habe, dann muss die Zuständigkeit und damit die Verantwortung auch in einer Hand liegen; derzeit sind die Kommunen zuständig für von 0 - 6 und das Land Hessen für 6 -10.

5.) Kindertagesstätten und Schulen müssen die Kinder fit fürs Leben machen; bei diesem Wirken sind die Eltern mehr einzubinden, ja zu verpflichten.

6.) Schulen und Kommunen müssen näher zusammenrücken, sich gegenseitig unterstützen, fördern und bereichern.

7.) Ehrenamtliches Engagement an und für Schulen wird bis auf wenige Ausnahmen nicht gewürdigt.

8.) Demokratie fällt nicht vom Himmel, Kindertagesstätten und Schulen müssen den Wert der Demokratie sowie die Verantwortung für die Demokratie vermitteln: Respekt, Toleranz und Streitkultur auf Augenhöhe.

9.) Schließlich gilt es für Eltern, Kindertagesstätten und Schulen, ja für die ganze Gesellschaft, Kindern die Freude am Leben und die Wahrnehmung von Chancen zu vermitteln.

10.) Insgesamt müssen wir uns alle mehr um die Kindertagesstätten und die Schulen, damit die Kinder kümmern, denn es geht auch um unserer aller Zukunft.

Am 31. Oktober dieses Jahres würdigen wir '500 Jahre Reformation in Weilburg'; die 1526 begann und 1555 mit dem Augsburger Religionsfrieden vollendet wurde. Ich darf daher meine Worte mit einem Luther-Zitat beenden: 'Bürgermeister und Fürsten und Adel können wir entbehren. Schulen kann man nicht entbehren, ...'

Es ist mir ein großes Anliegen, allen Mitwirkenden an unserem 4. Weilburger Demokratiefest herzlichst zu danken, über 30 mitwirkende Bildungseinrichtungen und Bildungsträger, ich bin begeistert und sehr dankbar. Es war mir eine große Freude, mit Ihnen allen diese Veranstaltung vorzubereiten und auszurichten. Danke!"

Die Bilder zum 4. Weilburger Demokratiefest finden Sie unter Oberlahn.de.

Quelle: Sabine Gorenflo DJV


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