23.03.2026

Schüler-Reporter Johannes Kuhnigk trifft André Bethke

Ein absoluter Teamplayer

André Bethke ist neuer Redaktionsleiter des Weilburger Tageblatts und der Nassauischen Neuen Presse. Foto: privat

Seit Anfang des Jahres ist André Bethke neuer Redaktionsleiter des Weilburger Tagesblatts und der Nassauischen Neuen Presse. Er und unser Schüler-Reporter Johannes Kuhnigk sprechen im Oberlahn.de-Interview über seine neue Führungsrolle, sein ehrenamtliches Engagement und auch die kritische Zukunft von Zeitungsprintausgaben. Dabei erzählt der sympathisch und bodenständig wirkende Bethke die eine oder andere interessante Anekdote…

Johannes Kuhnigk: Sehr geehrter Herr Bethke, ich wünsche Ihnen, noch stehen wir ja am Anfang, ein frohes, neues Jahr. Das ist in Ihrem Fall auch absolut wortwörtlich zu verstehen: Sie haben seit diesem Jahr die Redaktionsleitung der Nassauischen Neuen Presse und des Weilburger Tageblatts inne, sind der Nachfolger von Uwe Röndigs, der in die passive Altersteilzeit gewechselt ist. Wie haben Sie den ersten Monat erlebt, wie fühlen Sie sich in der neuen Position?

André Bethke: Der erste Monat war sehr spannend. Mein Stellvertreter Henning Schenckenberg und ich sind ein bisschen ins kalte Wasser geworfen worden, weil die Personallage sehr dünn war. Es waren mehr Leute krank oder im Urlaub als im Dienst. Das war eine Herausforderung, aber dort hat sich gezeigt, dass wir als Team gut funktionieren. Das war eine schöne Erkenntnis. Es macht sehr viel Spaß, es gibt viel zu organisieren, in diesem Bereich sehe ich auch meine Stärken. Ich stelle mich gerade vor, jeder der mich kennenlernen will, kann gerne einen Termin mit mir vereinbaren - da komme ich ein bisschen herum im Landkreis.

Reporter: Welche Stationen Ihres journalistischen Werdegangs waren rückblickend Ihrer Meinung nach wichtig oder ausschlaggebend, um das Amt des Redaktionsleiters auszufüllen?

Bethke: Der entscheidende Tag war 1988, als ich kurz vor dem Abitur hier beim Weilburger Tageblatt aufgetaucht bin und gefragt habe, ob ich freier Mitarbeiter werden darf. Das war der erste und letztlich entscheidende Schritt, den ich gegangen bin. Dazu gehören sicherlich auch meine ehrenamtlichen Tätigkeiten, wo ich beim TuS Drommershausen mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeite.  Ich bin auf dem Dorf groß geworden, weiß wo ich herkomme, habe dort viel mit Menschen zu tun – das hilft mir.

Bethke ist Trainer der B-Jugend beim TuS Drommershausen. Foto: privat

Reporter: Wie „neu“ ist ihr Wochenablauf nun, und was macht Ihnen in der Arbeitswoche oder am Beruf am meisten Spaß?

Bethke: Am meisten Spaß bereitet mir tatsächlich der Kontakt mit Menschen, die ich zuvor noch nicht kannte und jetzt kennenlernen darf. Der Ablauf hat sich im Prinzip nicht geändert. Wir haben eine 40-Stunden-Woche, wobei ich bestimmt ein paar mehr Überstunden anhäufe als noch in den letzten Jahren. Ich mache den Sport nebenbei und habe die Redaktionsorganisation als Haupttätigkeit.

Reporter: Welches Erlebnis oder welches Interview hat sich in dreißig Jahren Berufserfahrung am meisten eingeprägt?

Bethke: Da fällt mir sofort ein Interview ein. Vor einigen Jahren hatten wir die Serie „Was macht eigentlich…?“, die sich mit Sportgrößen aus unserer Region beschäftigt hat. Ich habe mit Stefan Blöcher einen der besten Hockeyspieler interviewt, die Deutschland je hervorgebracht hat und den man deswegen den „weißen Pakistani“ nannte. Er spielte lange beim Limburger Hockey-Club. Das Entscheidende war: Ich habe ihn auf Mallorca interviewt. Zu dieser Zeit war er Direktor eines 5-Sterne-Hotels, zudem mit Boris Becker und Franz Beckenbauer per Du. Wir trafen uns, als ich mit meinen Fußballkollegen eine Woche am Ballermann war. Das Interview werde ich auch aufgrund der Location nie vergessen. Wir saßen in Port d’Andratx, einer noblen Region, in einem Café oberhalb des Hafens. Ich mailte vorher mit ihm, er war super entspannt und wir duzten uns sofort. Das war Wahnsinn. In Erinnerung ist mir außerdem ein Interview mit Lothar Matthäus geblieben, der aus dem Nähkästchen plauderte. Er meinte, er hätte höchstens noch fünf Minuten, aber weil ich anscheinend die richtigen Fragen gestellt hab, kamen wir ins Gespräch. Das ging so weit, dass er sogar von zu Hause, vom Verhältnis zu seiner Mutter erzählte. Das war für mich die Rückmeldung, dass ich meinen Job nicht ganz schlecht gemacht hatte.

Reporter: Sie sind nach dem Zusammenschluss von NNP und WT 2022, und auch weiterhin, für das Ressort Heimatsport zuständig. Wie wichtig ist die Berichterstattung über den Heimatsport für eine Lokalzeitung? Wie groß schätzen Sie die Bedeutung dieser Heimatsportberichterstattung in Lokalzeitungen ein?

Bethke: Wer den Sportreporter fragt, der erhält als Antwort: Sehr groß. Der Lokalsport spielt für viele Leser keine Rolle, für sehr viele Leser dafür eine umso größere. Immer, wenn wir den Fußballanteil kürzen wollten, bekamen wir postwendend ein Echo. Im Kreis Limburg-Weilburg sind wir im Wesentlichen von drei Sportarten geprägt: dem Fußball, wie überall in Deutschland, dem Tischtennis und der Leichtathletik. Wir spiegeln dabei die Anzahl von Vereinsmitgliedern in den jeweiligen Sportarten beziehungsweise deren regionale Popularität in unseren Beiträgen.

Er hat eine Leidenschaft für Sport. Foto: privat

Reporter: Ist es wichtig für einen Sportjournalisten, für den Sport zu brennen, den Sport als große Leidenschaft zu haben?

Bethke: Die Kernaussage ist, dass man prinzipiell für seinen Job brennen muss, sei es im Handwerk, in der Verwaltung, oder eben bei einer Tageszeitung. Dazu gibt es eine schöne Anekdote: Meine Oma fragte sich immer, was aus dem kleinen Buben mal wird. Irgendwann sagte sie mir: „Wenn du von allem so viel Ahnung hättest, wie vom Sport, dann wäre ich beruhigt.“ Demensprechend habe ich mich zum Sportstudium eingeschrieben. So nahm der Werdegang seinen Lauf.

Reporter: Zurück zu Ihrer Rolle als Redaktionsleiter – wenn die Redaktion eine Mannschaft ist, wer sind Sie oder wie interpretieren Sie diese Position: Sind Sie eher der Typ Teamplayer oder eine Führungsperson wie Felix Magath?

Bethke: Felix Magath sagte mal: Qualität kommt von Qual. Da hat er nicht unrecht, auch wenn sich das nicht gut auf die Berufswelt übertragen lässt. Ich bin ein absoluter Teamplayer, aber auch in der Lage, die Spielführung zu übernehmen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich es machen muss. Ich dränge mich nicht in den Vordergrund, wurde aber schon mit 19 Jahren von meinem Trainer zum Spielführer ernannt. Diese Führung kann ich jetzt mit 55 im Beruf auch noch übernehmen, aber mit dem Teamplayer kann ich mich besser identifizieren.

Reporter: Eine Führungsposition nehmen Sie dabei nicht das erste Mal ein, Sie haben ja unter anderem für Ihr ehrenamtliches Engagement den Landesehrenbrief erhalten und wurden in einem Sparkassenvoting zu „Hessens bestem Trainer“ (Bethke schmunzelt bei der Erwähnung des Preises, Anm.d.Red.) gewählt. Sind Ihnen Ihre ehrenamtlichen Ämter als Vorsitzender des TuS Drommershausen, Clubberater und B-Jugend-Trainer in Hinblick auf die neue Rolle nützlich gewesen?

Bethke: Absolut. Für mich steht das Ehrenamt hoch im Kurs. Ehrenämter und Vereine sind der vielzitierte Kitt der Gesellschaft. Da stehe ich voll dahinter. Für mich ist „Vereinsmeier“ keine Beleidigung, sondern ein Kompliment - der Umgang mit Menschen im Privaten, im Vereinsleben, hilft einem im Job extrem, sich auf die unterschiedlichen Charaktere einzustellen.

Reporter: Ein vieldiskutiertes Thema ist die moderne Medienwelt. Die Technik ist nicht auf dem Vormarsch, sie ist allgegenwärtig und man ist nicht mehr auf die analoge Zeitung angewiesen, um informiert zu bleiben. Welche Chancen haben die Print-Ausgaben in der Zukunft noch, wenn man zum Beispiel an die neueste Entwicklung bei der taz denkt (Die taz stieg im Oktober 2025 als erste überregionale Zeitung auf ein reines Online-Angebot an Werktagen um, Anm. d. Red.)?

Bethke: Man muss ganz ehrlich sein: Die Jahre der Print-Zeitung sind gezählt. Wir begeben uns vom Print auf die „Road to paperless“. Es gibt Berechnungen, dass eine Zeitung eine Zahl x an E-Paper-Abonnenten haben muss, um sich auf dem Markt zu halten. Das E-Paper ist die Zukunft.

Reporter: Nachdem wir viel über die Position der Redaktionsleitung und die Zukunft von Printausgaben gesprochen haben, würde Ich Sie bitten, wie auch schon zu Beginn des Interviews, einen Einblick in Ihre Gefühlswelt zu geben: Haben Sie Zukunftspläne oder einen beruflichen Traum, den sie als Journalist noch verwirklichen wollen?

Bethke: Nein, nicht mehr. Mit 55 Jahren, noch zwölf Jahren bis zum Ruhestand, ein fürchterliches Wort, habe ich keine Träume mehr. Ich bin dort angelangt, wo ich mich nicht zu träumen hin gewagt hätte. Eine Tür ist aufgegangen, und ich bin durch die Tür gegangen. Wenn ich dieses berufliche Niveau bis zum Schluss halten kann, habe ich nicht so viel verkehrt gemacht. Damit bin ich vollkommen zufrieden.

Reporter: Herzlichen Dank für die Einblicke und viel Erfolg!


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Veranstaltung

Jahreskonzert Blasorchester FF Villmar - Ostersonntag 05.04.2026 - 19:30 Uhr
König-Konrad-Halle Villmar | So., 5.4.2026 19:30 Uhr bis 22:30 Uhr

Das Blasorchesters der Freiwilligen Feuerwehr Villmar lädt herzlich zu seinem mit Spannung erwarteten Jahreskonzert ein, das am 05. April 2026 um 19:30 Uhr in der König-Konrad-Halle stattfinden wird. Auch in diesem Jahr erwartet die Besucherinnen und Besucher wieder einmal ein abwechslungsreiches und vielfältiges Programm.

Eröffnet wird das Konzert mit Spirals of light von Naoya Wada bevor die Zuhörerinnen und Zuhörer die Aurora Dances von Philip Sparke zu Gehör bekommen. Aurora Dances ist ein farbenprächtiges Bläserwerk mit lebhaftem Rhythmus und bildhaften Klangflächen, das sich durch energetische Passagen und verspielt-glitzernde Melodien auszeichnet. Es vermittelt eine farbenreiche, tänzerische Atmosphäre, die Leichtigkeit und Dynamik ineinander übergehen lässt.
Nach einer kurzen Pause dürfen sich die Besucherinnen und Besucher auf The Greatest Showman freuen, ein Medley mit den schönsten Melodien aus dem gleichnamigen Film. Ein weiteres Highlight des Konzertprogramms ist das Stück Frank Sinatra Classics, bei dem das Blasorchester gemeinsam mit dem Sänger Phillip Schäfer die zeitlosen Hits Sinatras präsentieren. Auch die Freunde der traditionellen Blasmusik kommen auf ihre Kosten.
Zudem dürfen sich die Besucherinnen und Besucher auf weitere musikalische Highlights gefasst machen.
Das Konzert wird traditionell von den jungen Musikerinnen und Musikern des Jugendblasorchesters, unter der Leitung von Marius Schäfer, eröffnet. Ebenso wird die Bläserklasse unter der Leitung von Claudia wieder ihr Können unter Beweis stellen.

Auch in diesem Jahr lädt das Orchester vor Beginn des Konzerts zu einem Sektempfang im Foyer der König-Konrad-Halle ein. Im Kartenpreis (10,- € VVK; 12,- € AK) ist bereits ein Glas Sekt inbegriffen.
Karten sind ab sofort erhältlich und können bei der Bäckerei Schmidt, dem Schuhhaus Bleul, in der Lahn-Apotheke in Villmar sowie an der Abendkasse erworben werden. Seien Sie dabei und lassen Sie sich von der musikalischen Vielfalt und der Leidenschaft des Blasorchesters der Freiwilligen Feuerwehr Villmar begeistern!

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!


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