26.09.2026

Einblicke und Impulse für Demenzerkrankte und pflegende Angehörige

Filmabend: „Nicht allein mit Demenz“

Dominik Verclas (Verwaltungsleiter Gesundheitsamt), Gaby Arens (Gesundheitskoordinatorin), Dr. Franz Bossong (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie), Dr. Gundi Heuschen (Amtsärztin Gesundheitsamt), Prof. Dr. Christoph Fehr (Ärztlicher Direktor Vitos Weil-Lahn, Klinikdirektor Psychiatrie und Psychotherapie Hadamar), Renate Doegen (Pflegende Angehörige, Selbsthilfeaktive Initiative Alzheimer), Jörg Sauer (Erster Kreisbeigeordneter) und Michelle Bautz (Leitung Selbsthilfekontaktstelle) (v.l.). Foto: Landkreis Limburg-Weilburg

Rund 33 Gäste kamen zum Filmabend „Nicht allein mit Demenz – Wie Selbsthilfe Pflegende stärkt“, zu dem das Sozialamt des Landkreises Limburg-Weilburg und die Selbsthilfekontaktstelle im Rahmen der Woche der Demenz 2026 eingeladen hatten. Zwei Filme und eine anschließende Podiumsdiskussion beleuchteten die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen.

Den Auftakt bildeten zwei Kurzfilme. Die unterschiedlichen Geschichten zeigten eindrücklich, wie eine Demenzerkrankung den Alltag und das Zusammenleben einer Familie verändern kann. Die Filme berührten das Publikum sichtbar und boten zugleich zahlreiche Anknüpfungspunkte für das anschließende Gespräch.

Auf dem Podium kamen verschiedene Perspektiven zusammen: Renate Doegen berichtete als langjährig in der Selbsthilfe engagierte und selbst betroffene Angehörige aus eigener Erfahrung. Über 25 Jahre leitete sie die Selbsthilfegruppe „Initiative Alzheimer“ und begleitete zugleich ihre demenzerkrankte Schwiegermutter über zehn Jahre. Diese Zeit sei für sie persönlich sehr schwer und belastend gewesen. Dennoch habe sie sich nicht unterkriegen lassen. Gerade die eigenen Erfahrungen hätten ihr gezeigt, wie wichtig Austausch, Unterstützung und die Gemeinschaft mit anderen Betroffenen und Angehörigen sind. Die Ärzte Prof. Dr. Christoph Fehr und Dr. Franz Bossong brachten die psychiatrische und medizinische Sicht ein, Dr. Gundi Heuschen die Perspektive des Gesundheitswesens. Der Erste Kreisbeigeordnete Jörg Sauer vertrat den Landkreis, während Michelle Bautz, Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle Limburg-Weilburg, die Möglichkeiten der Selbsthilfe erläuterte.

Im Mittelpunkt standen die Belastungen pflegender Angehöriger und die Frage, welche Unterstützung im Alltag tatsächlich hilfreich sein kann. Denn diese oft langjährigen Belastungen haben häufig gesundheitliche Folgen für die Pflegenden, erläuterte Dr. Heuschen. Sie betonte, wie wichtig es ist, Überlastung frühzeitig wahrzunehmen und Unterstützung anzunehmen. Die Selbsthilfe ist ein gutes Beispiel für niedrigschwellige Unterstützung, so Michelle Bautz. Gerade der Austausch mit Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation könne entlasten und das Gefühl vermitteln, mit den eigenen Erfahrungen nicht allein zu sein.

Auch die Möglichkeiten einer frühen Unterstützung von Menschen mit Demenz wurden angesprochen. Prof. Dr. Fehr wies darauf hin, dass inzwischen für bestimmte Patientinnen und Patienten mit Alzheimer-Erkrankung im frühen Stadium Antikörpertherapien zur Verfügung stehen. Diese können den Krankheitsverlauf verlangsamen, die Erkrankung jedoch nicht heilen. Er warb dafür, erste Anzeichen ernst zu nehmen und einen möglichen Verdacht offen anzusprechen, um frühzeitig medizinische Unterstützung zu erhalten.

Dr. Bossong unterstützte zudem den Gedanken, Selbsthilfeangebote bereits für Menschen mit einer beginnenden Demenzerkrankung zu öffnen. Ein solcher Austausch könne Betroffenen ermöglichen, frühzeitig Erfahrungen zu teilen und sich mit anderen in einer ähnlichen Situation zu vernetzen.

Auch die Frage, wie Menschen mit Demenz möglichst lange am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, wurde aufgegriffen. Erster Kreisbeigeordneter Jörg Sauer hob dabei die Bedeutung von regionalen Orten der Begegnung wie zum Beispiel Mehrgenerationenhäusern oder Familienzentren hervor. Menschen sollten möglichst lange in Gemeinschaft leben und Möglichkeiten haben, gemeinsam aktiv zu sein – beispielsweise beim Musizieren oder Singen. „Singen verbindet Menschen – auch dann, wenn eine Demenzerkrankung vieles verändert“, so Sauer.

Mit Blick auf die Zukunft wurde außerdem die Bedeutung niedrigschwelliger Angebote, guter Vernetzung und einer frühzeitigen Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen im Landkreis hervorgehoben. Die Diskussion zeigte, dass Demenz viele Bereiche berührt und Unterstützung deshalb auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen muss.

Der Abend war geprägt von einem offenen und regen Austausch. Die persönlichen Erfahrungen aus dem Publikum und die fachlichen Einschätzungen des Podiums ergänzten sich dabei auf besondere Weise. Zum Abschluss fasste Michelle Bautz die zentrale Botschaft des Abends zusammen: „Wo Menschen sich begegnen und ihre Erfahrungen teilen, kann aus Einsamkeit Gemeinschaft und aus Unsicherheit neue Stärke entstehen. Wir können einem Menschen nicht immer die Last abnehmen – aber wir können dafür sorgen, dass er sie nicht allein tragen muss.“

Der Filmabend fand im Rahmen der „Woche der Demenz 2026“ statt, die vom 21. bis 25. September vom Sozialamt des Landkreises Limburg-Weilburg organisiert wurde. Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Sozialamt und der Selbsthilfekontaktstelle Limburg-Weilburg durchgeführt.

Interessierte wenden sich bei Fragen an die Selbsthilfekontaktstelle telefonisch unter 06431-296 635 oder per Mail an selbsthilfe(at)limburg-weilburg.de.

Weitere Informationen unter www.selbsthilfe-limburg-weilburg.de.

Quelle: Landkreis Limburg-Weilburg