20.04.2026
Zeitreise zwischen Ritterburgen und Vogelschutz: Großer Zuspruch bei NABU-Wanderung in Essershausen
Bernd Volz (links) erläuterte den besonderen Status Essershausens NABU Essershausen
Weilmünster-Essershausen (brv). Trotz anfänglichen Nieselregens erlebte die historische Wanderung des NABU Essershausen eine Resonanz, die selbst die kühnsten Erwartungen übertraf. Über 50 interessierte Teilnehmer begaben sich am vergangenen Sonntag auf eine Spurensuche durch die bewegte Geschichte und die artenreiche Natur des Weiltals. „Eine gelungene Premiere“, resümierte der NABU-Vorsitzende Christoph Gath sichtlich erfreut.
Den Auftakt bildete die Weilbrücke, wo Hobby-Historiker Bernd Volz die Teilnehmer direkt in das Mittelalter entführte. Mit der Essershäuser Stammburg im Rücken erläuterte er den besonderen Status des Ortes: Als Wormser Lehen genoss Essershausen über 500 Jahre lang eine rechtliche Sonderstellung als geistliche Enklave. Dieser „Insel-Status“ bot den ansässigen Adelsfamilien strategischen Schutz, da jede nassauische Handlung auf diesem Gebiet als Friedensbruch gegolten hätte.
Ein Höhepunkt der Route war der Aufstieg zur Burg Kranenstein. Versteckt in einem Seitental, bot der Burghügel nach einer Kurve plötzlich eine imposante Kulisse. Volz identifizierte die Anlage als typische „Hangmotte“ – eine durch Gräben geschützte Turmburg. Besonders der mächtige Halsgraben zur „Appighöll“ hin beeindruckte die Wanderer. Hier hatte im 14. Jahrhundert unter anderem der bedeutende Feldherr Eckard von Elkerhausen sein Refugium gefunden. Seine Familiengeschichte und die Verbindungen zum Essershäuser Adel wurden durch Volz, der seine Erkenntnisse durch intensive Quellenforschung in der Datenbank Arcinsys zusammengetragen hat, lebendig aufbereitet.
Während der Wanderung schlug Christoph Gath die Brücke zur Gegenwart und zum Naturschutz. Er erläuterte die aktiven Vogelschutzmaßnahmen des NABU Essershausen und erklärte die spezifischen Bauweisen verschiedener Nistkästen, die im Weiltal zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.
Auf dem Rückweg ins Dorf standen weitere historische Meilensteine auf dem Programm: Die Bedeutung der alten Bannmühle sowie die Geschichte der evangelischen Kirche. Das bereits 1365 erstmals erwähnte Gotteshaus, dessen heutiges Erscheinungsbild aus dem Barock stammt, bezeichnete Volz als wahres „Juwel im Weiltal“.
Zum Abschluss der Wanderung gab Bernd Volz einen Ausblick auf die nahe Zukunft: In zwei Jahren kann Essershausen auf stolze 750 Jahre belegbare Geschichte zurückblicken. Die Begeisterung der Teilnehmer an diesem Sonntag hat gezeigt, dass das Interesse an der Verbindung von lokaler Historie und lebendiger Natur im Weiltal ungebrochen ist.
Quelle:
NABU Essershausen