13.08.2026
Weilburger sieht angesichts steigender Kinderunfälle Handlungsbedarf
Andre Falck: Verkehrserziehung darf nicht nach der Radfahrprüfung enden
Foto: Marcus Gloger
Die Zahl der Kinder, die im Straßenverkehr verunglücken, bleibt hoch. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes kamen 2025 rund 29.270 Kinder unter 15 Jahren bei Verkehrsunfällen zu Schaden. 74 Kinder starben. Erstmals wurden auch Todesfälle im Zusammenhang mit E-Scootern registriert: Vier Kinder kamen dabei ums Leben.
Besonders häufig verunglücken Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren zwischen 7 und 8 Uhr, also auf dem Weg zur Schule. 37 Prozent der Kinder waren mit dem Fahrrad unterwegs, 26 Prozent saßen in einem Auto und 19 Prozent nahmen den Weg zu Fuß auf sich.
Die Deutsche Verkehrswacht (DVW) fordert deshalb sichere Schulwege, übersichtliche Verkehrsführungen vor Schulen und weniger sogenannte Elterntaxis. Gleichzeitig müsse die Verkehrs- und Mobilitätserziehung frühzeitig beginnen und Kinder Schritt für Schritt auf eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr vorbereiten.
Auch Andre Falck, Gründer von Verkehrsmentor aus Weilburg, sieht Handlungsbedarf. Die Arbeit der Verkehrswachten sei zwar seit Jahrzehnten wichtig, hänge vor Ort aber häufig von ehrenamtlichen Kapazitäten ab. Während es in einer Kommune beispielsweise Radfahrtrainings oder Schulweghelfer gebe, könnten entsprechende Angebote in der Nachbarkommune fehlen.
Falck sieht zudem eine Lücke in der Verkehrserziehung: Diese höre nach der Radfahrprüfung faktisch auf und setze erst Jahre später mit der Fahrschule wieder ein. Freiwillige Fahrrad- oder E-Scooter-Trainings seien zwar sinnvoll, könnten diese Lücke allein aber nicht schließen. Stattdessen müssten solche Angebote dauerhaft und verbindlich in den Schulalltag integriert werden.
"Wir setzen deshalb auf ein durchgehendes Konzept", so Falck. An zwei Schulen komme bereits eine virtuelle Fahrschule mit Fahrsimulatoren zum Einsatz. Dabei sollen Kinder und Jugendliche frühzeitig Wahrnehmung, Reaktion und Verkehrsbewusstsein trainieren. Ergänzend seien Verkehrsübungsplätze sowie Fahrrad- und E-Scooter-Trainings vorgesehen.
Auch die spätere Führerscheinausbildung soll stärker vorbereitet und begleitet werden. „Wer besser vorbereitet in die erste Fahrstunde geht, kommt sicherer wieder heraus“, sagt Falck. Geplant seien deshalb Angebote vor der Fahrschule, während der Ausbildung und auch nach der Führerscheinprüfung.
Langfristig fordert Falck eine bundesweit einheitliche Organisation der Verkehrssicherheitsarbeit, die nicht von einzelnen Förderprogrammen oder politischen Legislaturperioden abhängig ist. Verkehrsmentor wolle dabei bestehende Angebote nicht ersetzen, sondern mit Schulen, Kommunen, Vereinen und Betrieben zusammenarbeiten.
Schüler der Windhofschule Weilburg beim Training Foto: Andre Falck
Quelle:
Andre Falck / Deutsche Verkehrswacht e.V.