09.09.2026
Gasnetze, Stromkapazitäten und steigende Kosten: Die Energieversorgung der Zukunft war Thema beim Besuch der EVL
CDU-Kreistagsfraktion informiert sich bei der EVL über die Energiewende
Mitglieder der CDU-Kreistagsfraktion Limburg-Weilburg um ihren Fraktionsvorsitzenden Christian Wendel MdL informierten sich bei der EVL über die Herausforderungen der Energiewende. Foto: CDU-Kreistagsfraktion Limburg-Weilburg
Wie kann die Energieversorgung im Landkreis Limburg-Weilburg künftig zuverlässig, bezahlbar und zugleich klimafreundlicher gestaltet werden? Mit dieser Frage hat sich der Arbeitskreis Umwelt, Energieversorgung, Klima und Landwirtschaft der CDU-Kreistagsfraktion bei einem Besuch der Energieversorgung Limburg GmbH (EVL) beschäftigt. Geschäftsführer Martin Ertl informierte die Politiker unter anderem über die Entwicklung der Strom- und Gasnetze, die Wärmewende und geplante Projekte im Bereich erneuerbarer Energien.
Die EVL betreibt Strom-, Erdgas- und Fernwärmenetze und ist zugleich im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz aktiv. Nach der Verschmelzung mit den Stadtwerken Diez sind die Stadt Limburg mit 50,49 Prozent, die Thüga AG mit 25,24 Prozent, die Stadt Diez mit 14,27 Prozent und die Süwag Energie AG mit zehn Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Nach Angaben der EVL beziehen rund 62 Prozent der Limburger Haushalte ihren Strom von dem Unternehmen, beim Gas sind es etwa 60 Prozent.
Gasnetze bleiben Thema
Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die weitere Entwicklung der Gasversorgung. Ertl verwies darauf, dass ein kurzfristiger vollständiger Ersatz der bestehenden Gasversorgung aus seiner Sicht nicht realistisch sei. Bei manchen Anwendungen seien alternative Lösungen technisch schwierig umzusetzen oder wirtschaftlich nicht sinnvoll. Das gelte nach seinen Angaben auch für bestimmte Bereiche von Gewerbe und Produktion, in denen eine vollständige Elektrifizierung nicht ohne Weiteres möglich sei.
„Die Energiewende ist ein erstrebenswertes Ziel. Sie muss sich aber auch an der Wirtschaftlichkeit messen lassen“, sagte Ertl. Aus Sicht des EVL-Geschäftsführers müsse die Bevölkerung deshalb frühzeitig über technische Möglichkeiten und die entstehenden Kosten informiert werden.
Auch bei der Wärmewende sieht die EVL nach eigenen Angaben keine Lösung, die für alle Gebäude gleichermaßen geeignet ist. Bei der individuellen Beratung müsse deshalb berücksichtigt werden, welche Voraussetzungen vor Ort bestehen. Als Beispiel nannte Ertl die Limburger Altstadt. Dort könnten fehlende Flächen und die baulichen Gegebenheiten den Einsatz von Wärmepumpen erschweren. Bei der kommunalen Wärmeplanung seien deshalb auch quartiersbezogene Lösungen zu betrachten.
Stromnetze vor wachsenden Anforderungen
Nach Darstellung Ertls wächst gleichzeitig der Bedarf an Netzleistung. Die derzeit angefragte Leistung liege teilweise beim Sechs- bis Siebenfachen der vorhandenen Kapazitäten auf vorgelagerten Netzebenen. Für den notwendigen Ausbau seien nach Einschätzung der EVL mehrere Jahre erforderlich. Die Entwicklung betreffe die Stromnetze unabhängig von einem weiteren Ausbau der Photovoltaik in der Region.
Parallel dazu plant die EVL weitere Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energie. Nach Unternehmensangaben steht der geplante Photovoltaikpark in Lindenholzhausen vor der Genehmigung. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen. Einschließlich eines Stromspeichers könnte die Anlage rechnerisch rund 7000 Haushalte versorgen.
Darüber hinaus soll die gemeinsam mit benachbarten Stadtwerken gegründete LahnEnergie GmbH den Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Dachflächen unterstützen.
Diskussion über Strompreise und Regulierung
Auch die Entwicklung der Strompreise war Thema des Austauschs. Ertl nannte unter anderem steigende Netzentgelte und den wachsenden administrativen Aufwand im Energiemarkt als Kostenfaktoren. Zudem wurden die europäische CO₂-Bepreisung, der Zertifikatehandel im Zusammenhang mit der Gasversorgung und die zunehmende Regulierung des Energiesektors angesprochen.
Ein weiterer Punkt war die regionale Verwendung der von der EVL erwirtschafteten Mittel. Der Limburger CDU-Stadtverordnete Dominique Huth verwies darauf, dass die Gewinne des Unternehmens vollständig in den Ausbau des Limburger öffentlichen Personennahverkehrs fließen würden.
Auch die Fachkräftesituation wurde bei dem Gespräch thematisiert. Nach Angaben der EVL gestaltet sich die Suche nach geeigneten Auszubildenden zunehmend schwierig.
CDU sieht regionale Strukturen als wichtigen Faktor
Christian Wendel, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, hob die Bedeutung regionaler Energieversorgungsstrukturen hervor. „Eine sichere Energieversorgung ist ein zentraler Standortfaktor für unseren Landkreis“, sagte Wendel. Wenn Einrichtungen wie das St. Vincenz-Krankenhaus oder Unternehmen aus der Region Energie aus regionalen Strukturen beziehen könnten, könne dies aus seiner Sicht Wertschöpfung und Versorgungssicherheit vor Ort stärken.
Der Vorsitzende des Arbeitskreises, Tobias Grän, bewertete den Austausch ebenfalls positiv. „Die Energiewende gelingt nur mit starken regionalen Partnern“, sagte er. Zugleich müsse die Umsetzung nach Auffassung der CDU stärker an Wirtschaftlichkeit und technischer Machbarkeit ausgerichtet werden.
Die CDU-Kreistagsfraktion kündigte an, die im Gespräch gewonnenen Informationen in ihre weitere politische Arbeit einfließen zu lassen. Im Mittelpunkt sollen dabei unter anderem der Netzausbau, die kommunale Wärmeplanung und die Frage stehen, wie Energie für Haushalte und Unternehmen bezahlbar bleiben kann.
Quelle:
CDU-Kreistagsfraktion Limburg-Weilburg