03.05.2026

Hommage an den italienischen Liedermacher Fabrizio De André „Die Essenz der Freiheit“

Faber Sanna & Friends mit Dr. Bellardita begeistern mit Musik und Philosophie

Faber Sanna & Friends: v.l.n.r. Kontrabassist FritzeKatz, Sänger Fabrizio Sanna und Saxofonist André Tsirlin. Foto: A. Riva/DIG

Was hätte am 25. April, italienischen Tag der Befreiung, geeigneter sein können, als in Wort und Musik über die Bedeutung von Freiheit zu sinnen? Mit dem Auftritt der Band Faber Sanna & Friends mit narrativen Beiträgen von Dr. Alessandro Bellardita mit dem Programm „Fabrizio De André – Die Essenz der Freiheit“ trafen die Organisatoren Deutsch-Italienische Gesellschaft Mittelhessen e.V. und künstLich e.V. ins Schwarze: Am 25. April abends versammelte sich ein Publikum von über 70 Personen im Saal der Bezalel-Synagoge in Lich, das die Lieder des bekannten Genueser Liedermachers Fabrizio De André und derer informativen und kurzweiligen Kontextualisierung genoss.

Wie der Schriftführer der DIG Mittelhessen e.V. Dr. Horst Gerhard in seiner Begrüßung betonte, im Laufe des letzten anderthalb Jahres habe sich eine Art Trilogie über De André ergeben, die mit einer Veranstaltung über die italienischen Cantautori mit Faber Sanna im November 2024 in Gießen begann, mit den Konzerten der Gruppe „Mandillä“ aus Ligurien im Sommer letzten Jahres in Wetzlar und in der Bezalel-Synagoge in Lich (ebenfalls in Zusammenarbeit mit künstLich e.V.) fortgeführt wurde und von der das dritte Kapitel mit der Hommage an De André „Die Essenz der Freiheit“ geschrieben würde.

Dieses Mal trat die Band um den Sänger Fabrizio Sanna in einer Trio-Formation mit Kontrabassist FritzeKatz und Saxofonist André Tsirlin. Begleitet wurden die Musiker vom gebürtigen Sizilianer, Richter und Publizist Dr. Alessandro Bellardita, der neben Büchern über das Thema der Mafia, als Experte von Fabrizio De André das Sachbuch „Fabrizio De André und die Essenz der Freiheit“ 2020 veröffentlichte. Seit sechs Jahren bieten Sanna und Bellardita Events über De André zusammen regelmäßig an.

Faber Sanna & Friends eroberten das Publikum mit ihrer Interpretation zahlreicher bekannter Lieder des italienischen Liedermachers, die von unterschiedlichen Themen handeln: „La guerra di Piero“, inspiriert von der Erfahrung seines Onkels, der 1945 aus der Gefangenschaft zurückkam; „Andrea“, über einen verzweifelten jungen Mann, der seinen Geliebten im Krieg verloren hatte; „Via del Campo“, entstanden von einem Gespräch zwischen De André und dem Sohn einer Prostituierten; „La città vecchia“, als Darstellung verruchter Viertel in Genua. Auch Klassiker wie „Bocca di Rosa“, „La ballata del Miché“, „La canzone dell’amore perduto”, „Don Raffaé“, „Crêuza de mä“ und die Zugabe „Il pescatore“ begeisterten die Zuhörer, die mitklatschten und mitsangen. Ein besonders emotionaler Moment der Veranstaltung war ein gemeinsames konfessionsloses stilles Gebet auf einem meditativen Klang, zu dem der jüdische Musiker Tsirlin alle Anwesenden einlud: Die Themen der Freiheit und des Friedens sowie der Veranstaltungsort in einer ehemaligen Synagoge seien Anlass für einen spirituellen Augenblick.

Lebhaft und mitreißend erzählte Bellardita die Hintergründe der Lieder und Anekdoten aus dem Leben De Andrés, die ihn als konkreten Menschen kennen ließen. Abwechselnd führte auch der Sänger Fabrizio Sanna in die Lieder ein, indem er die Stimme der besungenen Figuren übernahm – so wurde er zu „Andrea“, zum „Bombarolo“, zum Zwerg, der als „Un giudice“ arbeitete, und brachte die Inhalte der Liedertexte dem auch nicht italienischsprechenden Publikum in einer unmittelbaren und persönlichen Weise nah.

De André war ein „Innovatore“, ein Erneuerer, und ein Dichter, der der 1968-Generation Stimme gegeben hat. Er war Anarchist, aber nahm Abstand von der Gewalt; er war Links-Sympathisant, aber lehnte den Kommunismus ab. Er war ein überzeugter Pazifist, der den Krieg nie rechtfertigte.

Bellardita spannte den Bogen zwischen dem Leben De Andrés, der trotz bürgerlicher Herkunft nachts unter Ausgegrenzten wie Prostituierten, Drogenabhängigen, Bettlern, Selbstmördern lebte, um sie kennen zu lernen und sie in seinen Texten zu würdigen, und der Philosophie des Liedermachers. Der Begriff der Würde ist für ihn nämlich zentral und ist mit der Essenz der Freiheit eng verbunden. Es ist schwierig, Freiheit zu definieren, weil eine Definition begrenzt, so dass De André darauf verzichtete. Mehrere Philosophen haben sich mit dem Thema der Freiheit beschäftigt, zitiert wurden namhafte Denker von Augustinus über Kant, Hannah Harendt, Sartre bis Camus und Nietzsche. „Was ist diese Freiheit? De André schuldet uns noch eine Antwort“, erklärte Bellardita. Ein Leben ohne Freiheit wäre kein Leben, also soll Freiheit Leben sein. Aber das letzte Wort war ein Verweis auf Nietzsches „Die Fröhliche Wissenschaft“: Freiheit ist Mut – wie bei dem Seemann, der trotz seiner Sehnsucht nach dem Festland weitersegelt, um seine Freiheit nicht zu verlieren.

Dr. Alessandro Bellardita. Foto: A. Riva/DIG
V.l.n.r.: André Tsirlin, FritzeKatz, Fabrizio Sanna und Dr. Alessandro Bellardita. Foto: A. Riva/DIG

Quelle: http://www.dig-mittelhessen.de


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