01.08.2026
An den Informationsveranstaltungen nahmen 62 Frauen aus 12 Ländern teil
Große Resonanz: Wie Vernetzung und Vielfalt neue Wege in der Schulkinderbetreuung eröffnen
Die Kreisverwaltung Limburg-Weilburg informierte zum Thema Schulkinderbetreuung. Foto: Canva
Als ich neu in Deutschland war, musste ich viele Schritte nacheinander planen – Anerkennung, Spracherwerb und gleichzeitig die Verantwortung für meine Familie. Mit diesen bewegenden Worten meldete sich Frau A. zur Informationsveranstaltung zum Thema „Schulkinderbetreuung“ an. Ihre persönliche Geschichte machte unmittelbar deutlich, wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen, der Abbau von Exklusionsbarrieren und gut zugängliche Informationen für einen erfolgreichen beruflichen und familiären Weg sind. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll: Niemand muss diesen Weg alleine gehen.
Die Informationsveranstaltungen wurden von Negat Hassen (Mitarbeiterin der Kreisverwaltung beim Sozialamt, Fachdienst Migration und Integration) in Kooperation mit Anne Fachinger vom Jobcenter Limburg-Weilburg (Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt) und ihrer Kollegin Esther Hellenbart (Amt für Jugend, Schule und Familie, Fachdienst Schulen, Schülerbeförderung und BAföG) organisiert. Der Hauptauslöser für Negat Hassen, diese Veranstaltung ins Leben zu rufen, war das hohe Potenzial an sozialen Ressourcen und Wissen, das sie in den vielen Frauen aus kollektiv geprägten Ländern sieht, die an bürokratischen und strukturellen Barrieren verzweifeln. Um dem entgegenzuwirken, ist diese Kooperation entstanden. Diese behördenübergreifende Zusammenarbeit bewies, wie essenziell die Vernetzung von Akteuren und Frauen aus unterschiedlichen Regelsystemen ist. Durch das Zusammenbringen verschiedener Lebenswelten und behördlicher Strukturen entsteht ein ganzheitliches Bild und ein tiefes gegenseitiges Verständnis.
Ein besonders emotionaler und verbindender Moment der Veranstaltungen war die gemeinsame Erkenntnis aller Teilnehmerinnen: Egal aus welchem Land oder System sie kommen – als Frauen und Mütter sitzen sie letztlich alle im selben Boot. Sie teilen dieselben Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder und stehen vor denselben Herausforderungen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Die Teilnehmerinnen erfuhren in diesem vertraulichen Rahmen die tragende Gewissheit: „Sie sind nicht allein.“ Insgesamt folgten 62 Frauen aus 12 unterschiedlichen Ländern der Einladung an zwei Terminen – ein deutliches Zeichen für den enormen Bedarf an Austausch und Kooperation.
Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stand eine wegweisende gesetzliche Neuerung: Ab dem Schuljahr 2026 wird in Hessen stufenweise ein gesetzlicher Anspruch auf eine verlässliche Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder eingeführt. Das Ziel ist es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und zugleich die Bildungschancen aller Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft, zu erhöhen.
Anne Fachinger, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, informierte die Teilnehmerinnen darüber, dass sie sich in ihrer Funktion dafür einsetzt, dass niemand aufgrund des Geschlechts oder familiärer Verantwortung benachteiligt wird. Sie betonte zudem den hohen politischen und gesellschaftlichen Stellenwert dieser flächendeckenden Ganztagsbetreuung.
Ein besonderer Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Mehrsprachigkeit und den internationalen Praxiserfahrungen der Teilnehmerinnen. Das mitgebrachte soziale Erbe sowie die ausgeprägte Mehrsprachigkeit wurden von den Expertinnen als wertvolle Ressourcen für die Kommunikation und eine gelingende Integration an den Schulen angesehen.
Das Beispiel von Frau A., die seit 10 Jahren im Landkreis lebt, verheiratet ist und vier Kinder hat, verdeutlicht, wie wichtig dieser Blickwinkel ist. In ihrer Heimat hatte sie ein Lehrerstudium abgeschlossen. Frau A. schilderte, dass der direkte Weg in den deutschen Lehrerberuf mit hohen Hürden verbunden ist – darunter langwierige Anerkennungsprozesse, der geforderte Spracherwerb auf C1-Niveau und die tägliche Familienverantwortung. Sie meldete sich gezielt an, um zu erfahren, welche Perspektiven im Landkreis bereits zwischenzeitlich offenstehen.
Hier setzte der Fachvortrag von Esther Hellenbart an. Sie erläuterte, dass Ganztagsangebote nicht nur Betreuung leisten, sondern die gesamte Entwicklung von Kindern stärken. Sie erklärte praxisnah, welche Voraussetzungen gelten, wie die Vergütung geregelt ist und wer die richtigen Ansprechstellen sind – insbesondere für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. Zudem berichtete sie über Fortbildungs- und Schulungsangebote im Bereich der Schulkinderbetreuung, die eine Brücke über bestehende Hürden bauen.
Zum Abschluss brachte Frau A. den Kern der Veranstaltungen auf den Punkt: Der Zugang zu Arbeit und Qualifizierung müsse für zugewanderte Frauen nicht zwingend den „klassischen Weg“ mit langen Wartezeiten und unbezahlten Zwischenschritten bedeuten. Sie zeigte auf, dass auch mit einem soliden Sprachniveau (wie B1) und vorhandener internationaler Berufserfahrung echte Chancen auf dem Arbeitsmarkt bestehen. Hierbei können passgenaue Qualifizierungs- und Unterstützungsangebote, beispielsweise über das Amt für Jugend, Schule und Familie, eine entscheidende Rolle spielen.
Das enorme Interesse beweist, dass Informationsangebote zur Schulkinderbetreuung und zu flexiblen beruflichen Wegen gerade für neu Zugewanderte einen unschätzbaren Mehrwert leisten, um Barrieren in Brücken zu verwandeln und die so wichtige Vernetzung weiter voranzutreiben.
Quelle:
Landkreis Limburg-Weilburg