06.05.2026
Folge 32: Vogelfütterung während der Brutzeit
NABU Essershausen gibt Tipps zur Artenvielfalt
Fütternder Buntspecht NABU/Tom Dove
"Vielen Menschen liegen die Vögel in ihrem Garten sehr am Herzen. Gerade jetzt zur Brutzeit, wo die Vogeleltern kaum zur Ruhe kommen, möchten daher viele „ihre“ Gartenvögel bestmöglich unterstützen. Was liegt da näher, als ihnen die anstrengende Futtersuche zu ersparen und ein reichhaltiges Futterbuffet anzubieten? Gut gemeint, ist aber nicht immer gut gemacht, denn gerade zur Brutzeit sollte man bei der Vogelfütterung ein paar Grundregeln beachten", so Christoph Gath vom NABU Essershausen.
Zunächst einmal gilt es zu verstehen, dass Vögel in der Brutzeit besonderen Stress und Bedürfnisse haben. Die Elterntiere arbeiten rund um die Uhr, um ihre Jungen satt zu bekommen. Sie suchen Nahrung, sichern den Nachwuchs gegen Fressfeinde und halten zugleich ein Gleichgewicht im Nestbestand. Eine Fütterung kann in dieser sensiblen Phase sinnvoll sein, sofern sie richtig umgesetzt wird. Falsch gemachte Fütterung kann aber auch schädlich sein: Auf einem unregelmäßigen oder falsch dosierten Futtertisch sammeln sich rasch Keime, Fäulnisstoffe und Schmutz, was sich negativ auf die Jungvögel und die Brut auswirken kann. Deshalb ist es wichtig, mit Bedacht vorzugehen und die Fütterung an die Bedürfnisse der Vögel anzupassen.
Eine der wichtigsten Regeln lautet: Vielfalt und Qualität statt Masse. Vögel brauchen eine breite Palette Nahrungsmittel, die ihnen Proteine, Fett, Mineralstoffe und Kalorien liefern. Im Frühling und Sommer sind Insekten eine unverzichtbare Proteinquelle. In vielen Gärten reicht das Angebot von Blüten, Samen, Beeren und gelegentlich Insekten aus, um den Nährstoffbedarf der Brutsfamilien zu decken. Wenn man aber ausschließlich Körner anbietet, kann das zu Mangelerscheinungen führen. Deshalb empfiehlt es sich, das Futterangebot abwechslungsreich zu gestalten. Dazu gehören trockenes Futter wie Körnermischungen mit Hafer, Hirse, Sonnenblumenkernen und Kanal- oder Kardendistel geeignetem Weizen. Zusätzlich sollten Fettquellen bereitstehen, zum Beispiel ungesalzene Erdnussbutter, Mehlwürmer in geringer Menge oder Fettblöcke speziell für die Vogelwelt. Wichtig ist, darauf zu achten, dass keine stark gewürzten oder salzigen Lebensmittel angeboten werden. Zucker oder Gewürze haben in der Vogelernährung nichts verloren und können die Leber belasten.
Ein zweiter Grundsatz betrifft die Sauberkeit und Hygiene der Futterstelle. Ein Futterplatz sollte regelmäßig kontrolliert und sauber gehalten werden. Mischungen, die nass werden oder lange Feuchtigkeit abbekommen, fördern Schimmelbildung und die Entwicklung von Milben. "Milben sind eine ernsthafte Gefahr für Jungvögel und können die Brut stark schwächen oder zum Ausfall bringen. Deshalb sollte man Futterreste entfernen, Futterschalen regelmäßig reinigen und die Futterreste nach einem Regentag entfernen. Feuchte Stellen sollten so vermieden werden, denn nasse Futterstellen sind ein Nährboden für Keime. Wer einen Balkon nutzt, kann darauf achten, dass die Box oder Speisekammer aus gilt, damit das Futter nicht in direktem Kontakt mit Pfützen oder Regen kommt. In groben Zügen gilt: Sauberkeit ist ebenso wichtig wie Angebot und Zeitpunkt der Fütterung", weiß der Naturschützer zu berichten.
Der Zeitpunkt der Fütterung ist eine weitere zentrale Frage. Während der Brutzeit ist die Fütterung eher als Unterstützung zu sehen und nicht als ständige Versorgung. Besonders im Frühjahr sollten Vögel in ihrem natürlichen Fressrhythmus bleiben, damit die Jungen optimal wachsen können. Eine dauerhafte Fütterung kann dazu führen, dass die Elterntiere weniger jagen gehen und sich zu stark auf das Fressen am Futterplatz verlassen. Das kann zu unausgewogener Entwicklung der Jungen führen, weil sie weniger natürliche Beutetiere lernen, zu erkennen und zu erbeuten. Daher empfiehlt es sich, die Futtergaben dosiert zu halten oder nur in bestimmten Zeiten am Tag zu füttern, besonders zu den frühen Morgenstunden oder in der Abenddämmerung, wenn die Tiere vermehrt unterwegs sind. Zudem ist es sinnvoll, die Futterstelle an einem ruhigen Ort zu positionieren, fern von Katzen, Mardern oder anderen Raubtieren. Ein sicherer Ort erhöht die Überlebenschancen der Jungvögel erheblich.
Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die Artenvielfalt der Nahrung. Nicht alle Vogelarten mögen dieselben Speisen. Meisen, Finken, Drosseln und Stare haben unterschiedliche Vorlieben. Eine Mischung aus Körnern, Samen, gehackten Nüssen, getrockneten Beeren und gelegentlich Obststücke wird eher von einer größeren Vogelvielfalt angenommen. Besonders im Frühling nutzen viele Arten die Futterstelle auch für eine kurze Rast, um Energie für Balztanz und Nestbau zu sammeln. Obststücke wie Äpfel oder Birnen in kleinen Stücken können zusätzlich angeboten werden, solange sie ungespritzt sind und in Teilen serviert werden, die keine großen Stücke darstellen, die Vögel ersticken könnten. Es ist jedoch darauf zu achten, dass Obst nicht zu süß ist, da übermäßiger Zucker ebenfalls problematisch sein kann.
Eine Überlegung betrifft die Nachtfutterstelle. In einigen Gärten wird auch nachts gefüttert oder Futterreste bleiben offen. Spät am Abend oder in der Nacht fliegende Vögel sind oft rote Fresser, aber sie finden in der Nacht nicht viel frische Nahrung. Die Nachtfütterung kann zusätzliche Belastung für die Jungtiere bedeuten, da der Futterplatz weniger sicher ist und Kolonien stärker auf menschliche Präsenz reagieren. Daher ist es sinnvoll, die Fütterung auf den Tagesverlauf zu beschränken und den Futterplatz nach dem letzten Licht zu entfernen, um die Tiere zu ermutigen, in der Nacht Schutz zu suchen.
Besonders im Frühjahr arbeiten die Vögel hart. Die Balz, der Nestbau und das Brüten erfordern viel Energie. In dieser Phase ist es sinnvoll, Gartenhumus oder gärtnerische Hilfsmittel so zu gestalten, dass Nistplätze geschützt bleiben. Zum Beispiel helfen neu gepflanzte Hecken, die Vögel vor Fressfeinden zu schützen und gleichzeitig einen schützenden Rastplatz zu bieten. Ein weiterer Aspekt ist der Schutz der Brut vor Katzen. Katzen sollten nicht frei in der Nähe der Futterstelle herumlaufen. Eine Katzensicherung am Gartenzaun oder ein Futterplatz in einer Höhe, an der Katzen nicht einfach herankommen, kann helfen, das Brutgeschäft sicherer zu gestalten.
Gleichzeitig sollte man die Futterstelle so gestalten, dass sie nicht zu einer Anziehung von unerwünschten Tieren wird. Nager wie Mäuse oder Ratten können von verstreutem Futter angezogen werden. Deshalb sorgt man am besten dafür, den Gesamtnährwert der Fütterung zu kontrollieren und Futterreste zu entfernen, die sich in der Nähe sammeln würden. Eine gute Alternative besteht darin, Futterspender oder Futterschalen zu verwenden, die eine Abdeckung oder den Zugriff auf Zeitfenster bieten, sodass das Futter nur bei Bedarf freigegeben wird. So kann man die Verbreitung von Fäulnisgeruch und Geräuschen reduzieren, die andere Stören könnten.
Auch der ökologische Aspekt darf nicht vernachlässigt werden. Eine sinnvolle Vogelfütterung kann die Biodiversität im Garten erhöhen. Wenn man jedoch auf lange Sicht nachhaltig vorgeht, kann man weiterführende Maßnahmen ergreifen. Dazu gehört, dass man den Garten naturnah gestaltet, sodass sich Insekten auch ohne Fütterung vermehren können. Blütenpflanzen, die reich an Nektar und Pollen sind, ziehen eine Vielzahl von Insekten an, die wiederum den Vögeln als natürliche Nahrungsquelle dienen. Den Vögeln mit einem einzigen Futterstellenangebot zu helfen, ist also nicht immer die beste Lösung, wenn der Garten ohnehin eine gute natürliche Nahrungsgrundlage bietet. Es lohnt sich, eine Mischung aus naturnahem Garten und gezielter Fütterung zu entwickeln, um eine Balance zwischen menschlicher Unterstützung und natürlicher Nahrungskette zu wahren. Nähere Infos rund um die Essershäuser Naturschützer gibt es auf www.nabu-essershausen.de
Quelle:
NABU Essershausen